Die Welt meinen.

Wie wir uns immer wünschen, dass wir gemeint sind. Wir lesen etwas, einen Text oder ein Bild und wünschen uns doch, dass wir gemeint sind. Dass jemand uns eine Botschaft sendet – Du bist gemeint, Du bist mir wichtig, es ist nicht egal, dass Du hier bist.

Warum ich das Wort „meinen“ so oft verwende? Weil es so gemeint ist.

Ich sitze im Bus und schaue mir Menschen an und frage mich, was haben die für Wörter in ihrer Tasche. Früher hätte ich gedacht, die Tasche ist komisch, die Frau ist gar nicht meine Kragenweite irgendwie, und seit ich Texte lese von Menschen ohne Gesicht oder mit Halbgesicht denke ich manchmal: Vielleicht bist Du das. Vielleicht sind Sie das.

Nur weil der Mann dort vorne langweilig aussieht, öde und grau, wer sagt denn, dass er in seinem Kopf nicht schon eine Notiz formuliert oder eine Idee hat, wie er ein Bild von etwas machen und zeigen kann?

Wer sagt, dass es nicht Du bist, neben der ich im Zug sitze oder im Flugzeug, die neben mir atmet und wenn ich mir das alles vorstelle, dann ist die Welt nicht gemein.

Nicht nur. Dann gibt es unter den Sorgenfalten und den ganzen Bergen von Shit noch ganz viele Sterne. Das klingt kitschig, und es soll auch kitschig klingen. Weil ich froh bin, dass ich viele schöne Gedanken von fremden Menschen kenne.

Dass ich sehe, wie sie formulieren, um Wörter ringen, die Buchstaben zu einer Wortkette fädeln. Die glänzt. Die sich mit anderen herumschlagen, die Wörter fressen und bespeien. Aber die bleiben wollen.

Und vielleicht sitze ich gleich neben Dir. Und Du wirst mich atmen hören. Und vielleicht fragst Du Dich auch, ob ich jene bin, die um jedes Wort ringt. Weil es schön sein soll.

Weil Du gemeint bist.

15 Farben Stille.

Es gibt die Stille, die rehfarben ist.

Es gibt die Stille, die baumwipfelfarben ist.

Es gibt die Stille, die seefarben ist.

Es gibt die Stille, die schmetterlingsfarben ist.

Es gibt die Stille, die steinfarben ist.

Es gibt die Stille, die erhabenfarben ist.

Es gibt die Stille, die randfarben ist.

Es gibt die Stille, die wehmutfarben ist.

Es gibt die Stille, die spurenfarben ist.

Es gibt die Stille, die hausfarben ist.

Es gibt die Stille, die blaubeerfarben ist.

Es gibt die Stille, die asphaltfarben ist.

Es gibt die Stille, die meinfarben ist.

Es gibt die Stille, die jenseitsfarben ist.

Es gibt die Stille, die deinfarben ist.