Kleine Notiz zu Ks und Sk.

Ks und Sk. Es gibt kaum schönere Schneelaute – nicht, dass ich mir schon Schnee wünsche – oh nein. Doch im Mund ist Schnee das ganze Jahr über willkommen.

Außer wenn mir kalt ist. Dann helfen warme Wörter wie Waschgold, denn Wörter mit W sind teewarm.

Tee oder Schnee – Wörter wie „Wachs“ und „Wuchs“ bieten beides. In einer Bewerbung könnten sie schreiben: bin, je nach Bedarf, flexibel einsetzbar.

Haltung.

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Viele Wörter habe ich hier bereits ihrer Schönheit wegen vorgestellt. Nicht immer ist deren Inhalt so bezaubernd wie ihr Abbild vor meinem synästhetischen Auge, siehe Chlamydien.

Das Wort “Haltung” verdient unbedingt einen Platz in meiner Wortschatzschatulle. Aus inhaltlichen Gründen. Es sieht nicht besonders aufregend aus, trägt auch kein “k” oder gar ein “kl” in sich. Kein Schnee im Mund, nichts. Es erzeugt aber auch keinen Würgereiz bei mir, so wie etwa das Horrorkonsonantengeschwisterwort, mit dem viele Menschen Kleidung öffnen und schließen und deren großer Bruder der liebe, wundervolle Reißverschluss ist.

„Haltung“ ist in meiner synästhetischen Welt eben ein unauffälliges Wort. Das ist nicht weiter dramatisch, denn: Eine Haltung haben und aus ihr heraus handeln – das ist, als würde ein innerer Kompass einen durch das Labyrinth der Informationen, Meinungen, Konflikte und Gefühle führen. Ein erstrebenwerter Traumzustand. Ein Lieblingswort.

Und: Eine gute Haltung ist überdies auch noch gut für den Rücken.

Service an die Leserschaft: Die Farbe Glamourös.

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Eine Leserin, die über ein ausgeprägtes Sprachgefühl verfügt, fragte mich, wie das Wort “glamourös” in meinen Augen aussehe. Beste Wortwohlgefühle löse es in ihr aus (sinngemäß so etwas wie Heimeligkeit, warme Schauer und innige Aufregung; leider war ich aufgrund eines schicksalshaften Vorfalls zu unkonzentriert, um mir den genauen Wortlaut zu merken, doch ungefähr so wird es gewesen sein).

Das Gl zumindest dürfte mir gefallen, mutmaßte sie, und außerdem gehe das Wort verdächtig in Richtung Chlamydien, wenn diese, wie seinerzeit vermutet, mit K beginnen würden.

„Glamourös“ wirkte zunächst unbeschreiblich (die Farbe betreffend), doch ich fand ein Foto in meinem Archiv, das den Ton und auch die Form des Wortes nahezu tadellos trifft.

Man stelle sich nun noch die eher dunklen Buchstaben vor diesem Hintergrund vor und schon ist man ein Gast in meinem inneren Raum. (Herzlich willkommen, es gibt auch ein Sofa, auf dem sich schon eine illustre Gesellschaft befindet!)

Das Wort ist übrigens kein Wesen mit Augen und Charakter, sondern zur Abwechslung einfach mal nur mehrfarbig mildschillernd.

Doch – was sehe ich da? Ein Wort will gründlich angeschaut sein, wenn ich es schon im inneren Raum festhalte. Und betrachte ich das Wort genauer, muss ich feststellen, dass das “rös” ganz unglamourös in Beige und Ocker gehalten ist!

Was für eine eigenwillige Farbkonstellation! Beige und Ocker – damit diese Kombination glamourös wirkt, müssen die Farben von einer äußerst erprobten Diva getragen werden, die Mondänes tut, trägt und denkt.

Z. B. von Berlin. Und da Berlin zumindest bei mir Heimeligkeit, warme Schauer und innige Aufregung auslöst, schließt sich hier der synästhetische Kreis.

Große K-Freude! Chlamydien können endgültig einpacken!

Aus Traurigkeit darüber, dass eines meiner Lieblingswörter mit K (Klamydien) gar nicht mit K geschrieben wird und somit seinen Zauber verlor, habe ich vor einigen Wochen einen Aufruf gestartet und um Ersatzwörter mit K oder sogar Kl gebeten. Es gab zum Glück schnell Hilfe und so wurde ich etwas weniger chlamydientraurig.

Von meiner orangefarbenen Freundin bekam ich nun auch noch ein paar Wortgeschenke zugespielt, über die ich mich a) sehr freue, weil ich Geschenke mag und b) sehr staune, denn sie sind sich teilweise farblich gesehen sehr ähnlich.

Sie selbst mag all diese Wörter. In ihrem Sinne fände ich es daher schön, wenn die Firma Eifrisch und die Pizzawerkstatt Mundfein diesen Eintrag hier lesen, sich dann eines der nun folgenden Wörter aussuchen und ihre Unternehmen dementsprechend umbenennen würden. Aus synästhetischer Sicht wäre das keinesfalls übertrieben.

Das erste Wort hat sie mir ohne es zu wissen geliefert, denn sie hat es als Zutat für ein gemeinsames Essen verwendet, und daher weiß ich nicht, ob sie es mag (nur als Information für die o. g. Firmen, nicht das die gleich sagen, Pizzawerkstatt Kurkuma! Die Sache ist gebongt!).

Kurkuma. Kurkuma. Kurkuma. Wenn man dieses Wort flüstert, dann kommt Schnee in den Mund. Der gute Schnee, der erste Schnee, der längst hätte da und wieder geschmolzen sein müssen. Kurkuma hat Cake-Qualität. Das Ma am Ende verschließt kurz die Lippen um den Schnee ganz zu spüren und dann wieder zu entlassen mit dem a. Rotbraun ist das Wort.

Klabautermann: Hat das schneeklare Kl als Eingangslaut und obendrein etwas Ähnlichkeit mit meiner geliebten Klavikula-Fraktur. Ist blaurotschwarzrotblau und erweckt Achterbahn im Mund wie eben auch die Klavikula-Fraktur. Ein Traumdialog wäre: „Der Klabautermann hat eine Klavikulafraktur!“ – „Kurkuma soll da helfen!“

Das alles könnte in einer Kombüse geschehen, dem nächsten Wortgeschenk. Süppchen-ü-orange- Alarmglocken klingeln leider: Es ist eine Krux mit dem Ü. Mal ist es eine gute Sache, dann wieder funkelt es zu stark hervor. Kombüse ist ansonsten rotbraunfunkelndorange mit einem gelben Ende.

Wehklagen: ein sehr, sehr attraktives Wort, denn: es ist milchkaffeebraun und himmelblau. Das ist eine äußerst ungewöhliche Kombination. Zudem ist das W leicht trauerweidenförmig. Doch nicht grün! Nur schön.

Klamüsern: Klingt nach Jazz-Musik. Diesem leisen Wischen über ein Teil des Schlagzeugs, dessen Name mir entfallen ist, mit einer Art Schneebesen. So klingt das Wort im Mund. Wisch, wisch, wisch. Es kommt sofort Jazz in den inneren Raum.

Konkubine: Rot-leichtbraun-gelb. Und geflüstert auch schneeartig im Mund. Konkubine. Bine ist wirklich sehr gelb und löst das Rotbraun etwas abrupt ab. Das „Konku“ findet an der Stelle im Mund statt, wo sich Schnee bildet. Wenn man es ganz oft hintereinander sagt, ist der Cake nicht fern. Bine holt einen aus diesem Schneerausch wieder etwas heraus und verweist liebevoll darauf, dass man auch mal was anderes zu tun hat, als ständig Konku zu flüstern. Konkukonkukonku.

Abschließend ist es mir eine große Freude, folgenden Dialog meiner neuen Wortfreunde zu präsentieren:

„Großes Wehklagen! Der Klabautermann hat eine Klavikulafraktur, vielleicht aber auch nur Klasmatose!“ – „Kurkuma soll da helfen, müsste noch etwas in der Kombüse sein!“ – „Was sagt die Konkubine dazu? Und der Herr Baron von Kleckewitz?“ – „Sie möchten noch ganz klandestin etwas klamüsern.“ – „Nicht dass sie sich Chlamydien einhandeln!“

Schnee statt Schmach: noch mehr Wortgeschenke eingetroffen!

Auch meine Leserin aus dem medizinischen Bereich hat sich fachgerecht mit dem Chlamydien-Problem auseinandergesetzt und mir neue Wörter mit K und sogar Kl geschenkt. So bin ich noch viel weniger traurig als neulich schon (als ich so herrliche Wörter wie Klavikula-Fraktur und Klasmatose geschenkt bekam) und denke, dass ich die Chlamydien jetzt getrost für immer loslassen kann.

Zudem bin ich überaus aufgeregt, denn ich habe von ihr ein Wort bekommen, das ich noch gar nicht kannte. Ähnlich wie Baron von Kleckewitz ist es neu für mich, jedoch ein ganz klein wenig flexibler einzusetzen und vor allem ist es blaugelb, doch insgesamt eigentlich kaminrot!

Klandestin: „Heimlich“, „diskret“ und „geheim“ können als Synonyme verwendet werden, so http://neueswort.de/klandestin/. Es gehe um etwas „im Verborgenen befindliches“. (Insofern passt es nicht nur synästhetisch sondern auch thematisch hervorragend zu Chlamydien).

Klimpern: sollte bekannt sein. Mit den Augen will ich dem Wort zuklimpern, denn es ist sehr beweglich und hat etwas zartgelbbeiges an sich, ähnlich wie der Wortteil „Denk“ in Denktagebuch. Diese Farbe ist im Übrigen überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Schleimbeigefarben mancher Journalisten.

Klitsche: Klitschen werden gemeinhin von irgendwem betrieben. Dieses Wort ist eher etwas für den zweiten Blick. Klitsche ist weißgelb und hat ein wenig Ähnlichkeit mit fein und frisch ohne Mund und Ei. Es hat etwas schneevolles im Mund, daher gefällt es mir besser als ich auf den ersten Blick gedacht hätte.

Kleie: freitagsgelb und unspektaktulär, daher nicht in der engeren Auswahl. Ursula von der Leyen ist hier mit von der Partie, wohl eher aus Reimwortgründen.

Klamm: irgendwie schwarzrot, doch eigentlich blau. Klamm ist erstsilbig verwandt mit Chlamydien, doch wird es mit dem wunderbaren K geschrieben und daher geht es schon sehr in die richtige Richtung.

Klumpfuß: Dieser ist aufgrund der Ballung von Konsonanten in der Mitte und zwar der Horrorkonstellation PF bedauernswerterweise nicht ansatzweise denkbar als Ersatz für Chlamydien.

Kleeblatt: Klee ist auf jeden Fall gelborange und -blatt ergänzt es mit einem schönen dunkelblau und zusammen ist die ganze Angelegenheit recht erfrischend im Mund, denn es sind die guten Konsonanten dabei. Diejenigen, die Schnee statt Schmach produzieren.

Kraxe: mit einer sanftschwarzgraublauen Kraxe lässt es sich gut kraxeln. Aufregend! Kraxe hat das anregende x, das bis jetzt in diesem Blog viel zu kurz gekommen ist, und das blitzt silberlaut auf und schmiegt sich zugleich sanft an den Gaumen.

Crux: Leider stört hier das U, so dass mich Crux nicht so glücklich macht, wie es mich machen könnte, zu rot ist es und das x wird davon überdeckt, sehr schade, wirklich.

Kross: ja, das Wort wäre mir sehr entgegengekommen, hätte ich es vor Kraxe gestellt, so wirkt es eher wie ein freundliches, zuverlässiges doch nicht ganz so aufregendes Mauerblümchen, das auch zum Tanzen aufgefordert werden möchte, in den 60er Jahren natürlich, lang ist es her und ein Backfisch ist es auch noch.

Mit welchen Wörtern ich in die Sommerfrische fahren würde (auch ein bedrohtes Wort übrigens, dass ich der Leserschaft mehrfach unterjubeln werde und bereits untergejubelt habe): Kraxe, klimpern, kandestin. Natürlich auch Klavikula-Fraktur, klecksen und Kleckewitz, denn einen schneidigen Baron kann man immer brauchen.

Das wird eine illustre Reise mit diesen verschiedenen Kleinodien. Famos geradezu! Ohne Traurigkeit und Chlamydien, dafür mit allerlei Zierrat an Wörtern im Gepäck geht es los und vielleicht gibt es auch einen Besuch im Lichtspielhaus, und wer weitere bedrohte Wörter entdecken konnte, bekommt einen Preis.

Ersatz für Chlamydien: Erste Wörter eingetroffen!

Eine treue Leserin hat mir nach meinem Aufruf gestern verschiedene Wörter mit Kl geschenkt. Ich bin schon gleich etwas weniger traurig und habe mich auch bereits in das ein oder andere Wort leicht verliebt. Zur besseren Übersicht habe ich sie thematisch sortiert und vermute stark, dass auch für das nicht-synästhetische, jedoch gleichwohl sprachbegeisterte Auge bestimmt das ein oder andere Liebhaberwort dabei ist.

Orte:

Kloxin (schwarzgelb, etwas zu viel Klo dabei, um meine Augen langfristig darin zu betten), Kleckewitz (das Wort sieht aus wie ein schneidiger Baron aus einer Hedwig-Kurz-Mahler-Verfilmung), Kleschin (viele Sorten Gelb: sonnigstgelb, liebegelb, freitagsgelb und leicht beige schattiert).

Verben, diverse:

Klacken (wie klack, also gut), klauben (rotblau, treufreundlich), klicken (liebegelb mit schwarzem Punkt), klirren (pastelligeres liebegelb mit mehreren silbernen Schatten), klecksen (oränglichgelb, mild), kleben (trägt einen besserwisserischen Gesichtsausdruck, wirkt insgesamt eigentlich lieb und sehr mattgelb).

Krankheiten (u. a. Einläufe, Brüche, Pilzbefall):

Kladiose (schwarzlilarot), Klysma (helles Beige mit türkischen Blattgoldelementen), Klavikula-Fraktur (ein blauroter Freudentaumel, geradezu ein Achterbahnwort), Klasmatose (ganz Schnee im Mund, entfernte Schmandähnlichkeit).

Nomen, diverse:

Klee, Klischee, Klaviatur, Klatschmohn (da lenkt leider die Schönheit der Dinge von der Schönheit der Wörter ab). Ergänzung: Clotted cream.

Unschlüssig bin ich mir bei: Klaffmuschel.

Favorit vorerst: Klavikula-Fraktur (mein bereits im 7. Lebensjahr vollständig abgelegtes magisches Denken verleitet mich dazu, klarzustellen, dass damit nur das Wort gemeint ist, nicht der Zustand).

Hätte ich doch nur die Kommentarfunktion zugelassen…

…dann hätte mich bestimmt jemand darauf hingewiesen, dass das herrliche Wort Klamydien, das ich mehrfach als Beispiel für a) die Großartigkeit des Buchstabens K und b) darüber hinaus für die Unabhängigkeit von Schönheit und Bedeutung herangezogen habe, mit CH beginnt!

Doch wer will schon wissen, wie Chlamydien geschrieben werden. Ich habe das Wort auch lediglich gegoogelt, um zu schauen, wie die eigentlich aussehen und musste die Recherche einstellen aus Schreck über das CH einerseits (und nicht unwesentlich auch über das so gar nicht anmutige Antlitz der Infektion andererseits).

Ich bin ein bisschen traurig und wäre sehr froh, wenn mir jemand ein neues Wort schenkt. Mit K. Dafür müsste ich wohl die Kommentarfunktion freigeben, vielleicht erreicht es mich auch auf anderem Wege. Es muss keinesfalls eine Geschlechtskrankheit sein. Gerne etwas aus dem botanischen Bereich oder dem politischen meinethalben; es kann auch eine Teesorte sein. Es ist mir fast gleich, hauptsache es schillert und glänzt so schön wie Klamydien, als sie noch mit K geschrieben wurden.