Die Geschichte auf der Rückseite.

Manchmal bleibt etwas kleben, so auch an diesem Bild.

Es ist ein Foto, das ich vor einigen Wochen im Urlaub aufgenommen habe, und es gibt ein paralleles Geschehen dazu. Diese Geschichte klebt auf der Rückseite des Fotos, ich kann sie sehen, auch wenn ich es nicht möchte.

Und leider bleibt das jetzt so.

Das ist traurig, denn der Ausblick war Welt, die Luft so zart, der Berg besiegt, das Auto auch.

Was passiert ist, ist nur eine Kleinigkeit, etwas, worüber man sich nicht aufregen sollte.

Etwas, das dauernd passiert: Zu klein, um groß zu sein, nicht klein genug, um ein Nichts zu sein. Und es gibt viel Schlimmeres! Natürlich! (Es ist immer sehr wichtig zu sagen, dass es viel Schlimmeres gibt). Und dass andere Leute froh wären, solche Probleme zu haben!

Doch wenn ein Bild eine Welt ist, ein Tag ein Mini-Leben, eine Minute etwas Weite haucht, dann ist es eben doch schlimm.

Ja, die Rückseite mancher Bilder schmeckt schal. Ja, ich kann versuchen, die Geschichte von der Rückseite zu kratzen.

Und ja: Es gibt noch viel mehr Fotos, die einen ganzen Soundtrack abspielen und ja, ich gäbe trotzdem viel darum, die Rückseite zu vergessen.

(Und es wäre umwerfend gewesen).

 

 

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Über meine nackte Tastatur und Sanddorn.

Warum ich hier so leise bin, hat auch damit zu tun, dass ich etwas tue, das ich nicht wollte. Weil das nämlich alle machen. Aber nur weil es alle machen, heißt es ja nicht, dass ich darauf verzichten müsste, so wie Atmen ja auch hilft, obwohl es alle machen.

Ich schreibe etwas Längeres, vielleicht wird es ein Buch.

Das Buch hat ein Thema, dem ich mich nur selten nähern kann, weil es zu aufregend ist, bzw. meinem Erinnerungs- und Wahrnehmungszentrum sehr viel abverlangt. Der Titel ist bereits vorhanden und ausgesprochen lang, aber ich verrate ihn nur manchmal und nur manchen und möchte wissen, ob sie dann auch so aufgeregt sind.

Warum jetzt doch ein Buch, obwohl ich doch damals ganz klar gesagt habe, ich möchte keines schreiben?

Zunächst habe ich das Buchkostüm von der Tastatur gerissen, es in Tausend Teile zerfetzt, von dramatischer Musik flankiert, und es dann in alle Winde verstreut – begleitet von einem höhnischen Lachen. Dann habe ich beschlossen, meinen allgemeinen Persönlichkeitsgroove in die Buchstaben fließen zu lassen, auch wegen der Freiheit.

Das höhnische Lachen wird mir noch vergehen, wenn ich eines Tages „an Verlage herantrete“. Ich stelle mir vor, dass ich das mit einem Aktenkoffer tue, den ich noch kaufen muss, und dass das Manuskript mit Schreibmaschine geschrieben ist, die ich noch kaufen muss.

Eines ist klar. Es wird noch lange dauern – weil das zweite Lesen schier unerträglich ist. Und weil ich mehr und mehr Details entdecke und einfüge und weil jedes Wort wunderbar sitzen soll. Es soll ein Buch werden, über das sich niemand ärgern muss.

Klar ist auch: Das wird kein Internetbuch. Entweder ich finde einen Verlag, oder eben nicht. Dann bleibt es ein Schubladenbuch. Die Schublade muss ich auch erst einmal kaufen. Man muss offenbar viel kaufen, wenn man ein Buch schreibt.

Bleibt die Frage, warum ich dieses Beitragsbild gewählt habe. Ich hätte gerne noch etwas über Sanddorn am Blauhimmel geschrieben, etwas über die Lücken zwischen den Beeren und über die Bedeutung der Lücke zwischen den Dingen. Und darüber, wie schön die Welt sein kann, wenn man sie lässt. Aber das wäre mir zu neunmalklug gewesen, deswegen habe ich darüber letztendlich doch nicht geschrieben.