30 Orte und viele Frisuren.

Gestern habe ich diese Blogaktion ausgerufen und heute morgen schon musste ich einen Einsendeschluss verkünden, denn 30 Orte sind 30 Wörter, die es zu betrachten und dann noch zu beschreiben gilt und mehr wird sperrig vor den Augen.

Von manchen Orten und deren Namen habe ich noch nie gehört und somit kommt es zu einer ersten Begegnung mit der Zentrale für Synästhesie oder wie auch immer jener Ort in meinem Gehirn heißt, der sich jedes Wort und jede Zahl, jeden Geruch, jeden Geschmack, jede Zeit, jeden Ort, jeden Namen, jede Berührung und jeden Schmerz erst einmal vornimmt und ihnen Farben, Formen, Texturen und Gesichter zuordnet.

  1. Monza: hat eine rote erste Silbe mit dunklem Pony und halblangem Haar und das za ist grau geriffelt weiß und blau. Im Hintergrund sind beige Gebilde, die fast aussehen wir schraffierte Dörfer, aber ggf. sind es auch Kirchen.
  2. Eupilio: ist rotgelblich, hellweiß und gelbschwarz. Ein Turm steht vielleicht hinter dem E (mit Bleistift gezeichnet). Es ist ein mathematisches Wort, man möchte sofort damit rechnen.
  3. Trossingen: da klingelt es, hellweiß, und vorne ist es lilagrau. Das männliche T schaut engagiert in seine Buchstaben und hält den Rest zusammen. Der Hintergrund ist flussfarben.
  4. Klecken: ist gelblich, ist rötlich, im Hintergrund sind Felder und Wiesen zu sehen.
  5. Sprötze: sei Kleckens Nachbarort, wurde mir mitgeteilt, und das solle ich mir einmal anschauen. Ein so schönes Wort neben einem so hässlichen Wort. In der Tat, Sprötze ist eine konsonantenüberladene Geschichte, dann noch mit dem problematischen Ö und nichts kommt zum Klingen. Warum nennt man einen Ort so. Die Farben sind hellblau, gepunktet beige, moosfarben und das Sp trägt einen Umhang, es könnten aber ebenfalls die Federn sein. Federn daher, weil das Wort entfernt wie ein Spatz aussieht.
  6. Kölner Dom: Köln ist grau mit milchkaffeefarben Punkten und trägt die gleiche Frisur wie Frank aus Kiel. Hat aber keine roten Haare wie Frank aus Kiel, sondern hellbraune Locken. Köln trägt ein lilagraues T-Shirt und schaut zum Wort Dom. Dom ist schwarz und eine Frau. Sie trägt ein weißes Hemd. Und sie hat längere Haare. Und irgendwie ist es auch ein Mann.
  7. Alt-Stralau: ist lilagrau, mit einem sehr verständigen A und Stralau ist schwarz, blau-rot und das alles vor einem graumaurigen Hintergrund. Fast sieht man Graffitis.
  8. Napier: sieht ein bisschen aus wie der Name Nadine. Also rotpullovrig. Doch das pier reißt alles hell auf, es wird plötzlich weiß und im Hintergrund ist alles ausgesprochen kariert.
  9. Nebelwald: Das Wort Nebel ist gelblich und beige. Im Zusammenhang mit dem dunkelblaugrünen Wort Wald (mit braunen Cordhosen bekleidet), bekommt Nebel jedoch einen Hauch Nebel um sich herum. Und dann wird das Wort ein Wald; ein Nebelwald und Ronja und Birk tauchen auf und wir sind alle Teil eines Abenteuers, und es riecht auch nach Waldnebel (und dann sind es eben Assoziationen).
  10. Katmandu: springt immer wieder heraus aus meinem Sichtfeld. Katmandu ist im Grunde genommen ein Wort auf einem Trampolin. Irgendwie dunkel und irgendwie rot. Es springt und springt. Es hat eine Frisur wie Simone aus Kiel. Kat-man-du. Kat-man-du.
  11. Montpellier: Mont ist grauschwarz, das M ist ein Mädchen mit längeren Haaren und sehr besorgt um den Rest der Buchstaben. Pellier ist perlenfarben und gleitet von den Lippen herunter. Wie Sekt nicht, eher wie eine Perlenkette, die man vor Nervosität in den Mund nimmt. Im Hintergrund sind Brücken.
  12. Quakenbrück: ist grün, petrolfarben und gepunktet kupfern. Außerdem ist Donald Duck zu sehen, der mit erhobenem Zeigefinger neben dem Q steht. Er wirkt wie ein Riese neben den Buchstaben und sein ganzes Schicksal als ungeliebter, doch engagierter Neffe und alleinerziehender Onkel steht ihm ins Gesicht geschrieben. Dazu gibt es große Schnäbel im Hintergrund des Wortes.
  13. Ödland: ist beige und liladunkelblaugrau. Im Hintergrund ist ein Feld zu sehen und Rauch steigt auf, vielleicht sind es auch nur die Reste von anderen Buchstaben.
  14. Kuala Lumpur: ist ein Spektakel aus Rot, Blau, Malve, Aubergine, das L ist sehr prominent; das erste Wort möchte fast ein Koala sein, aber es ist eben ein Koala mit U und dadurch wird es rot. Es ist ein Fest und gleitet durch den Mundraum, schmeichelt dem Gaumen, manchmal sind kleine Lampen zu sehen, Lampions, die angehen, wenn es dunkel wird.
  15. Savai’i: ist zunächst sahnefarben, dann violettblau, dann wird es weiß und am Schluss hat es einen kleinen Tupfer. Im Hintergrund sind Wellen in Meerblau. Ein frisches Wort, es könnte sogar duften.
  16. Grinzing: ist hellmoosfarben mit einem kleinen Klingeln am Schluss in weiß. Im Hintergrund ist vieles Gelb.
  17. BayArena: ist rotblau, weiß, blauverständig, sirenengelb.
  18. Ault: Ist blaurot, aber gedämpft, fast Aubergine und hat am Ende einen grauen Punkt.
  19. Genua: ist senffarben, eigentlich etwas rötlicher, tiefrot und blau. Das G ist eine Frau, die sich den anderen Buchstaben sehr emsig zuwendet. Der Hintergrund ist präriefarben.
  20. Basel: hat aufgeblasene Backen, ein birnenförmiges Gesicht, wirkt hautfarben und macht Witze, die ein wenig an alte Zeiten erinnern.
  21. Riddagshausen: das R ist hier zeitungsgrau und doch ist es auch vaterfarben; und schon wird das Wort hellblauweiß, dann geht es über in ein heimeliges rotblau, denn hausen hat was mit dem Zuhause zu tun und daher ist alles gut.
  22. Sant Joan de Mollet: dunkel ist der Start, dann wird es weiß und gleich schon wieder dunkel, samtbraun, schwarz, lila. Das de ist sandfarben und das Mollet ist bruderfarben, ich sehe ihn in einer Latzhose, warum weiß ich nicht. Wie ich auch sonst nichts weiß.
  23. Guatemala: ist schon wieder rot, gelb, auch ein kleines bisschen hellgrün, das G schaut nach vorne, ist aber zum Rest des Wortes gebeugt. Das Rot ist matt, das Gelb eher blond, der Hintergrund ist hellgrau.
  24. Å: ist der verständigste Ort überhaupt. Und doch darf das blaue A mit schwarzen Schatten vor weißem Grund hier einmal etwas ausgefallenes tragen. Einen kleinen Kreis, der fast ein Diadem sein könnte, wenn das A nicht so grundvernünftig wäre.
  25. Prag: ist grauschwarz und hat ein hellgrünes Ende. Im Hintergrund ist eine schwarze Brücke zu sehen. Prag trägt dazu einen grauen Anorak und hat ein grünes Auge im P.
  26. Corbera d’Ebre: verbreitet ein köstliches Küstengefühl im Mund. Das C schaut sehr hell in die anderen Buchstaben hinein und hält den Laden zusammen. Bera ist sandfarben und grau. Ebre ist gelblich und klingt wie eine Frau, die braune Locken hat und einen hellgelben Pullover trägt, der ihr streng genommen nicht steht, aber Ebre kann das tragen.
  27. Jork: trägt einen grauen Blazer und einen Kapitänsbart mit Mütze. Im Hintergrund ist eine Landstraße zu sehen.
  28. Sternschanze: ist ein gelblichgrünes Wort, das einen Umhang trägt und kurze braune Locken hat. Eventuell auch schwarzes Haar. Die Augen schauen Richtung U-Bahn-Brücke. Kein einziger Stern ist zu sehen, dafür ein grauer Himmel über den Buchstaben.
  29. Møn: ist auch bruderfarben, dazu orange, rot, mit einem graublauen Ende. Es trägt Latzhose, eine orangefarbene, im Hintergrund ist Meer und eine Insel mit Palmen.
  30. Herrenhausen: ist ein Wort, das ich schon sehr lange kenne. Es beginnt sandfarben, grau mit einer geordneten Herrenfrisur. Dann wird es heimelig rot und blau. Doch das Heimelige wird schlankerhand von all dem Anfangsgrau übernommen, und am Ende kommt ein recht graues Wort dabei heraus mit blauen Hosen.

 

 

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Der Soundtrack der Woche: Die Farben der Songs.

Tausend Dank für die vielen Beiträge. Die eingereichten Werke haben (fast) alle etwas gemeinsam: ihre ersten Takte sind ohne Stimme. Als ob diejenigen, die sie mir gesendet haben, ahnten, dass das Thema „Farbe der Stimme“ noch ein größeres Fass wäre als die Klänge. So schaue ich mir nun die jeweils ersten Takte der Songs an und werde versuchen, die traumähnlichen Bilder aufzuschreiben.

Dazu schließe ich übrigens nicht die Augen. Denn dann sähe ich zunächst alles nur verdunkelt; nein, ich schaue eher Richtung Himmel durch das Fenster. Denn ungefähr zwischen mir und dem Blick in den Himmel liegt der Raum, in dem die Musik ihren Auftritt hat. Selbstredend sind es meine Farben, ein anderer Mensch, der mit Synästhesie lebt, sieht andere Farben, bzw. die Farben anders.

Die Songs sind chronologisch angeordnet (je nachdem, wer ihn wann eingereicht hat) und es ist im Übrigen bei Musikbetrachtung für mich nicht wichtig, ob ich das Lied mag. Die Farben machen, was sie wollen und lassen sich nicht von meinem Musikgeschmack beeinflussen. Sollte ich jemanden vergessen haben, bitte melden, das war keine Absicht.

Ich höre jetzt die Musik und vermeide auch nur einen Blick auf die Videos, damit die Bilder nicht meine Wahrnehmung beeinflussen. Ähnlichkeiten mit ihnen wären somit spooky. (Oder einfach nur schön).

Von @zimtmitorange

Audioslave – Be yourself

https://www.youtube.com/watch?v=WC5FdFlUcl0&app=desktop

Die ersten Takte sind moosfarben, helles Moos ist es, länger nicht nass geworden. Dazwischen tauchen kleine goldene Kringel auf. Die Takte schmecken zudem nach Schokolade, die in goldenes Zellophanpapier gewickelt ist; eine bestimmte Schokoladensorte, die es nicht mehr gibt. Dann kommen moosgoldene Streifen in die Szene geflogen. (Unterbrochen von hellblauen Tupfern).

Von @SnieSnie

Christine and the Queens – Tilted

https://www.youtube.com/watch?v=9RBzsjga73s&feature=youtu.be

Es geht hellbraun los, dazwischen tanzen leichtgraue und schwerweiße Säulen auf und ab. Es schneien weißleichte Tupfer hinein, die hellbraune Tendenz zieht sich zurück, es bleiben graue Schichten und diese flockenartigen Tupfer.

Von @FrauBlod

Nick Cave & The Bad Seeds – The Weeping Song

https://www.youtube.com/watch?v=TqhOVY58zIo&feature=youtu.be

Hier sind die ersten Takte höhlenschwarz mit weißen Säulen, die sich auf- und abbewegen. Dann wird es faltiger, wirrer, mit tropfenförmigen grauen Gebilden, die sich in der Dreidimension des inneren Raums wie schwebende Artisten verhalten. Irgendetwas schachbrettartiges klingt an.

Von @Zeilenrausch

Portishead – Glory Box

https://www.youtube.com/watch?v=4qQyUi4zfDs&feature=youtu.be

Gitarrenbraun, dunkelbraun, schwarz, lila; schnell kommt die Stimme, die ich doch kurz beschreiben will, denn sie ist cremefarben, was sehr selten ist. Im Hintergrund reißen gelbe Streifen sich gegenseitig ab. Und dann ist da eine cellorote Walze, die in den Raum hineinfährt.

Von @n1b1c0

The Statler Brothers – Flowers on the wall

https://www.youtube.com/watch?v=1s8nRL2bPCU

Gut, hier kann ich die Stimmen nicht ignorieren. Es sind hellblauweiße, aber eigentlich graue Mäntel, die sich auf die leichten Papierstreifen legen, die im Takt auf und ab springen. Die Frisuren sind schwarz, also die der Töne. Und weiß, viel da ist auch weiß. Ein Fenster klappt auf und zu im Takt der Sonne, die umherscheint.

Von @und_Ernie

The Walkabouts – The light will stay on

https://www.youtube.com/watch?v=LJpjcYqGjhw

Schwarze Flächen am Anfang und dazu hellgrauweiße Schläge. Golden anklingende Stimme. Auf einer Tonfläche, die dunkel ist, mit kleinen hellen Spitzen und dann wird es cellobauchrot.

Von @ImGemuesegarten

Tori Amos – Baker Baker

https://www.youtube.com/watch?v=YFALNDOw84A&feature=youtu.be

Rotgelber Einstieg, etwas glockenhaftes leuchtet schnell auf und schlägt hin- und her. Die Stimme legt sich wie Lava über den Klangboden. Die Stimme ist weißleuchtendes Lava mit grauen Adern. Dieser Song ist kristallanders und nicht vergleichbar mit den anderen, weil die Stimme ein Instrument ist und nicht der Hauptact.

Von https://mauletti.wordpress.com/

Mike Oldfield – Five miles out 1982

https://www.youtube.com/watch?v=FzWfyTD-8e0

Fellbrauner Start, mit zaunähnlichen Stößen nach rechts, die hellblau gestrichen sind. Und dann kommen dosenfarbene Stimmen und im Hintergrund ist es geigenfarben, es ist alles sehr deutlich. Und irgendwie sieht alles aus wie Baumstämme, die etwas Wichtiges tun.

Von http://365tageasatzaday.wordpress.com/

Jethro Tull – Bourée

https://www.youtube.com/watch?v=2u0XXpVGUwk

Das sind mooshelle Klänge, die gleichzeitig von Windstößen zerfetzt werden; grünlich ist alles, dazwischen glockt es gold. Aber irgendwie auch grau – grauatmend. Atem ist immer dabei – sichtbar, wie ein Faltenrock.

Von @graukopfmoewe

Coldplay – Clocks

https://www.youtube.com/watch?v=MIHZBKl7KPw&feature=youtu.be

Wie immer bei Coldplay geht das Spektakel los, als ob die Songs pinseln und mit Ölfarbe umherwerfen. Ich weiß nicht, ob Coldplay das absichtlich tun. Leider kann ich kaum etwas sagen, weil mich der Song an eine Geschichte erinnert, und dann sind diese Bilder stärker. Außer, dass weiße, gelbe, grüne und hauchfarbene, klaviertastenförmige Gebilde – alle vor schwarzem Hintergrund – fast wie Flügel auf die Stimme zustreben.

Von meiner besten Freundin:

Phoria – Red

https://www.youtube.com/watch?v=OdZsAtDuPfQ

Schokoladenriegel, es sind Schokoladenriegel, schwarz und weiß und etwas ist auberginefarben. Links sind große schwarze Steine zu sehen. Drumherum weht etwas, aber kein Wind. Alles ist gespannt, kurz vor zerrissen vor Freude, und im Grunde könnte man sofort losfahren und nicht aussteigen. Das Meer. Dazwischen werfen sich kleine silberne Münzen Bälle zu.

Von @King_Gaddafi

BOY – Hit My Heart

https://www.youtube.com/watch?v=2gsjoDMkpW0

Etwas ist weiß und hell. Ich sehe graue Schuhe, die auf und ab tanzen, als seien sie Mohnblumen, aber nicht rot, nein. Schnee wirft sich in Form einer Stimme dazu, sofort. Es ist alles sehr aufregend, behaupten die Schuhe. Es sind nicht nur Schuhe, es sind auch kleine Hügel, die dort die Landschaft sind. Die Hügel sind klein, etwas größer als Maulwurfshügel. Etwas ist weiß und hellgrau; sehr edel. Es könnte auch ein Friedhof sein mit frisch aufgeschütteten Gräbern.

Von @ningwie

Pink Floyd – Any Colour You Like, Brain Damage and Eclipse

https://www.youtube.com/watch?v=JlkwLfog13M

Schwarze zungenähnliche Flächen geben weißen Schleifen einen Hintergrund. Dazu formt sich kringelförmig etwas hellblaugraues. Aber alles ist dunkel. Und im Übrigen sind hier zu viele runde Gebilde; man sucht vergeblich nach einer Nische. Schließlich strömt Gold dazu, es ist fast eine Erleichterung.

Von @glasfedersprung

Robert W. Smith – Into The Storm

https://www.youtube.com/watch?v=ZkWC-6EqLls&feature=youtu.be

Baumfarben, Wiesengeruch. Kaffeebraune Säulen, die längs über ein Feld reichen. Dann kommen dazu kleine goldene und silberne Spitzen. Sie werden immer hektischer und wollen irgendetwas, wenn man nur wüsste was!

Von @SigFerrino

MinaCelentano – A Un Passo Da Te (Mina & Celentano)

https://www.youtube.com/watch?v=XGcX5wopq3M&app=desktop

Zitternde weiße Häuser am Anfang vor schwarzem Himmel. Dann bouncen weiße kleine Säulen auf und ab und Lila steigt auf. Die Stimme ist geriffelt und irgendwas in einem helleren Grauton. Die Stimme färbt den Song in hellweiße und graue, zugähnliche Gebilde.

Von @rot_grad

CALEXICO „Quattro“ High Quality

https://www.youtube.com/watch?v=xdLF998FA4Y&feature=youtu.be

Das ist ein graublaugepunkteter Anfang, diese Formen steigen aus der Höhle; dann im Hintergrund wird etwas gold. Die Stimme, grau, lässt sich nicht stören von den segelschiffförmigen dunkellila Einwürfen. Das Gold wird langsam silber, im Hintergrund wirft sich ein Himmel in Schale.

Von @miss_kittel

Russian Sailor Dance WWII – Yablochko / Крейсерское „Яблочко“

https://www.youtube.com/watch?v=erfs3G3UDpM&feature=youtu.be

Weiße bananenförmige Gebilde werfen sich zwischen graue Wellen; sie werden fast verschluckt von den grauen Wellen, doch dann kommt ein dunkellila Mantel und sammelt einiges von links kommend ein. Und eine brezelförmige Schleife holt den Rest, der blieb, noch ein und wickelt ihn in eine weiße Decke.

Von @leonceundlena

Grieg – Peer Gynt : Chanson de Solveig (Blomstedt)

https://www.youtube.com/watch?v=ToqQKvwM_CA

Zwiebackfarbener Beginn in Baumstammmuster, aber horizontal. Fast ein braunes Feld; mit weizenförmigen Strichen nach oben. Dann setzt die süße Stimme ein, die weichweiß ist und von Goldzwitscherfasern durchzogen ist, und alles wird ganz unerdig, nur noch grau, nur noch weiß, aber so fein wie Seide.

Von @greenishglass

Boney M ~ Rivers of Babylon

https://www.youtube.com/watch?v=9ybv4DOj-N0&app=desktop

Das ist ein achtförmiges steinfarbenes und dunkelblaues Gebilde, auf dem der Chor wie ein weißer Schleier liegt. Dann kommen die grauhellen Stimmen dazu, ich sehe Locken und ich sehe Kleider, diese hängen an Leinen zwischen Schornsteinen. Und der Himmel ist weiß; eine Wolke ist pink und das ist wirklich selten.

 

 

 

 

 

 

27 Geräusche, eine Stimme und eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß.

Es wurden viele Geräusche eingesandt und ich bedanke mich sehr dafür. Über jedes Geräusch könnte ich ein Buch schreiben, doch dafür fehlt mir heute die Ruhe. Daher folgt nun ein rascher Farbtonwechsel. Sollte ich ein Geräusch vergessen haben, bitte ich um Nachsicht. Sollte ich mich verzählt haben, bitte auch. Nachsicht ist ein schönes Wort, aber jetzt geht es ja um Geräusche, hier:

Das Meer bei Flut bzw. Ebbe vom Strand aus: leiswellig bei Ebbe, spülumspült, kieselgrau, goldlich. Großwellig bei Flut, weißbrausend, diamantenglanzlockig und etwas Petrol, manchmal.

Das Knacken der Trommelfelle bei Druckausgleich: Weiß, wie Sahne, die den grauen Mund aufmacht, auf graubraunem Ohrengrund.

Das Geräusch, wenn man an einer starkbefahrenen Straße entlang geht: Graustrom, weißlinienförmig.

Was beeinflusst die Farbe, die Du beim Musikhören hörst am meisten? Instrument, Töne, Melodie?

Das weiß ich nicht. Musik will ich genießen: in dem Moment, in dem ich genauer hinschaue, verschwindet alles. Meine Musiksynästhesie ist etwas schüchtern.

Blätterrascheln beim Spaziergang durch das Laub: Matschfarben, Gummistiefelfarben, Ich-farben und hellweiß, seidenhaft.

Kullernde Murmeln: graue Löcher auf weißem Grund, Wasserfall.

Stalinorgel: Panikfarben. Beklemmungsfarben. Grausam. Farblich: wie Mortadellastreifen, aber nicht schön, hinter Krieg.

Geräusch des Kühlschranks: Goldschimmer, grauwolkig, eine horizontale Botschaft, die die Küche füllt.

Genussvolles Schlürfen des ersten Kaffeeschlucks am Morgen: vaterfarben. Und eine hellbraune, kellenartige Gestalt.

U-Boot-Ping: porzellanfarben, goldweiß, perlmuttschimmernde Tropfen.

Das Knirschen einer Straßenbahn in ihren Schienen: Zeitungsknisterfarben, grau und weiß mit Sprenkeln.

Das Umblättern auf die nächste Seite einer großformatigen Zeitung: riecht nach Zeitungspapier, nach Kaffee, alles schwappt über den Küchentisch in die Nase. Flappfarben ist es, weichgrau, weißlieb und geborgenheitsfarben.

Das Kratzen der Grammophonnadel auf einer Schellackplatte: Weißes Schwert auf schwarzem Boden, Tiefe.

Den Laut, den man beim Umschlagen des Ein- ins Ausatmen erzeugt: grauweiß auf Nasengrund, hellfreundlich, Atemglücksfarbe.

Das Quietschen vom Stift auf dem Whiteboard: gummihaft, weißfroh, wellenhaft.

Der Flügelschlag einer Möwe: hat goldene Weißflow-Elemente, flappfarben, seeluftfarben.

Meeresrauschen: ist ein beständiges graues Wolkenbad.

Das Knarzen eines hölzernen Schiffsrumpfes: baumstammfarben, ein abgebrochener Baum, mit diesen spitzen Resten in alle Richtung und: waltieffarben.

Ein tiefer Klarinettenton: teefarben, ein dicker Mann ist im Bild und etwas Bartfarbenes fällt herab.

Das Rühren in der Kartoffelsuppe: dickfarben, löffelfest, gelblich, apfelmusglasfarben.

Das leise Knistern des Milchkaffeeschaums: das ist schön. Das ist weißlichsilber, badeschaumartig.

Das Platzen von Luftpolsterfolie: das sind kleine Regentropfen aus Luft, die vor dem Auge aufploppen und dann in den Himmel fliegen. Denn das Ganze geschieht vor Himmelsgrund.

Das Geräusch beim Auswickeln eines Bonbons aus Papier: ist eine aufregendweiße Angelegenheit, silberschlangig.

Das Plinggeräusch, das ein Ring an einer Kaffeetasse macht: mutterfarben und teefarben und goldlich.

Statikknistern beim Anspielen einer Schallplatte: das sind Punkte, weiße Punkte, die vor schwarzer Luft tanzen und ausgesprochen hektisch wirken.

Ein tiefer Seufzer, also aus der Innenperspektive, wenn du selbst seufzt: das ist schwierig – lachsfarben, ein wenig grau, ein wenig blaugelb und Meinestimmenfarben, aber die versteckte Version, die, die kaum einer je hört.

Die Stimme von @sasa_s: Nur um Missverständnisse zu vermeiden, nicht er selbst hat darum gebeten. Jemand anders war es. Ich kann sagen, dass die Stimme seltengold ist, auf braunsamtigem Grund (Milchkaffebraun) und sie schmeckt ein wenig vanillig.

Ein leises Uhrenticken: großmutterfarben, geborgenheitsfarben, dazu weißschnell und blaugrau.

Das Essgeräusch beim Verzehr von Schweinekopfsülze: silbermatschig, zischfarben, rosa und laut.

Wenn ich morgens die Augen aufmache: ist das kein Geräusch, ich habe drauf geachtet. Es ist eine Atmosphäre. Und die ist still und es tickt im Inneren, heimelig und leise. Und es ist ein Glück, weil Aufwachen heißt, man lebt und irgendwann eben nicht mehr und deswegen ist es vielleicht doch ein Geräusch, ein kleiner hellwacher Gongschlag.

Über eine Ausnahme, eine Stirn und die Frage, was Ludwig hat.

Es gibt noch einige Farbfragen von Menschen, die ich mag. Insofern mache ich eine Ausnahme – es haben drei nämlich nicht mitbekommen, dass die Namen-Aktions-Wochen-Serie zu Ende ist. So gibt es noch eine kleine Zugabe. Aber dann ist wirklich Schluss! Namen anschauen ist nervenzerfetzend. Ununterbrochen kommen Geschichten hoch über Menschen, die den gleichen Namen trugen und nicht alle diese Geschichten sind Glanz.

Zunächst aber geht es um die nervenberuhigende Anfrage. Marco Herack fragt nach einer  Begutachtung des Ausdrucks „faltenzersteppte Stirn“.

„Falten“: ein rötliches Wort, das F hat einen engagierten Gesichtsausdruck und außerdem sind da dezente Grauerfaltenrockelemente mit im Wort. Das F hat einen Umhang um, drapiert ihn zur Seite hin und eine Nase, die im Profil – ja – einfach engagiert aussieht. „Zersteppt“ ist ein beige-, ocker-, liebegelbes Gemisch mit einem Z, das wiederum das F anschaut  mit einer Nase in die entsprechende Richtung. So als würden sich das F und das Z unterhalten. Worüber sie sprechen? Vermutlich darüber, dass jemand sie aus poetischen Gründen in ein Wort zusammengesteckt hat und sie nun damit klarkommen müssen. „Zersteppt“ ist zudem ausgesprochen dynamisch und tanzt. Kein Stepptanz, das wäre allzu naheliegend, eher so eine Art Volkstanz. Mit einem langen Umhang am Arm und auf einem Parkett. Ohne Partner*in. Eher ganz versonnen und für sich.

Brigitta ist ein Name, der für mich nicht mit irgendeinem vergangenen Gesicht besetzt ist. Wohl aber nun mit dem Gesicht seiner Besitzerin, die die Anfrage stellte. Ihr Gesicht kenne ich zwar nicht, aber sie ist in meinen Augen blond, hat kinnlanges Haar, blaue Augen, eine Brille. Sie ist zierlich und nicht groß. Das B hat ihre Brille auf und schaut verwundert auf den Namen, der nicht wie Brigitte aussieht. Das B ist blond. Das A macht das Wort von hinten aus blaurot, auch wirft es eine Art Schatten über den Namen. Obwohl es eigentlich ein sehr heller, liebegelber Name wäre – wenn er auf „e“ enden würde. Doch durch das A wird der Name tiefsinniger und erhabenfarbener, und man möchte unbedingt mehr über Brigitta wissen.

Thorsten ist ein Name, der schon vielfach besetzt ist. In der Schule gab es einen Thorsten (in der Grundschule, später vielleicht auch, aber der Grundschulenthorsten war eindrucksvoll, weil er der Erste seines Namens war, sozusagen der Initialthorsten). Der Name ist dunkel, fast schwarz, aber hat auch lila und weiße Strukturen. Das T hat ausgebreitete Arme, trägt ein Sweatshirt und das Grundschulthorstengesicht ist auch dabei. (Wenn er das wüsste, wir waren nicht gerade Buddys, aber auch keine Feinde, ich glaube, wir waren einander egal). Der Name hat neben den Farben auch noch weitere Assoziationsketten, die gar nicht synästhetisch sind, doch m. E. nach unterhaltsam.

Ein Thorsten ist jemand, den man anrufen kann, wenn

  1. man ein Bier trinken will.
  2. man zum Sperrmüll fahren möchte mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Thorsten hilft.
  3. man ein Bier trinken will.
  4. die Bohrmaschine nicht geht – Thorsten weiß keinen Rat, aber man kann ein Bier trinken gehen.

Ludwig hingegen. Ludwig ist ein Name mit Locken und rötlich, fast vierzigrot. Ludwig hat auch einen Umhang an – und diese blonden Locken. Das Gesicht ist ins L gebaut und die Nase schaut edel irgendwohin. Ludwig sieht ein wenig wehmütig aus – er schaut immer nach rechts – (von mir aus gesehen) und im Hintergrund ist eine Landschaft zu sehen – eine Wüste, oder nein, eher ein Eismeer. Es ist nicht ganz so gut zu sehen, auch weil ich davon abgelenkt bin, dass ich wissen möchte, was mit Ludwig los ist.

Das war eine kleine Abhandlung zu synästhetischen Fragen von Menschen, die ich mag. Ich möchte jetzt ein Bier trinken gehen, mit Marco, Brigitta und Thorsten und mich mit ihnen darüber austauschen, was Ludwig für ein Problem hat. Ich bin mir sicher, zusammen kämen wir darauf.

Spiel, Satz und die Frage nach der Sache mit dem Priester.

Es wurden mehrere Sätze für die neue Blogaktion „Sag mir einen Satz – und ich sage dir, was ich sehe“ eingereicht, und bevor ich drei Sätze auslose, die ich synästhetisch beschreiben werde, möchte ich sie gern vorstellen:

„Du bist wie der Priester, mit dem ich immer Gefühle hatte!“ (Name ist der Redaktion bekannt).

„Diese Seite konnte leider nicht gefunden werden.“ (https://twitter.com/mermshaus)

„Komm“, flüstern seine Augen, „verblüh für mich.“ (https://twitter.com/crazyneopop)

„Es gibt ein Leben nach dem Tod.“ (https://twitter.com/altafata)

„Eis bewegt sich.“ (https://twitter.com/jona_jakob)

„Zeit für ein Mittagsschläfchen!“, hörten wir Mr. Brinker-Smith sagen; Mrs. Brinker-Smith kicherte. (https://twitter.com/Steonato)

„Ich starrte sie ratlos an.“ (https://twitter.com/Frau_Ze)

„Fühle ich, was ich glaube zu fühlen, handle ich frei und selbstbestimmt?“ (https://twitter.com/mara_frufru)

„Das ‚—true‘ kannst du mir nicht antun, ich kann doch nur Hochdeutsch, als gebürtiger Hannoveraner!“ (Dieser Satz kommt allerdings von https://twitter.com/grindbot, einem Bot, doch er ist so hübsch, dass ich ihn in den Loseimer geworfen habe).

Die Sätze lagen seit Samstagfrüh in jenem Eimer und nun ziehe ich sie.

Diese Seite konnte leider nicht gefunden werden.

Dieser Satz wird durch das senfgelbe Wort „Seite“ bestimmt, das sich deutlich hervorhebt. Das halbrote „gefunden“ ist gedämpfter, und der unscheinbare Wortfreund, ohne den nichts ginge – „werden“ – dient als ockerblasser Satzausklang, wenig beachtet. Das schneeweiße, leichtgelbe „diese“ wirft hingegen hell einen Lichtkegel auf den ganzen Satz.

Du bist wie der Priester, mit dem ich immer Gefühle hatte!

Bei diesem Satz muss ich aus bestimmten Gründen lachen, und es ist schwer, die Kulisse um den Satz herum (Ort, Zeit, Geschichte) beiseite zu legen. Es hilft daher, ihn sachlich in seine Einzelteile zu zerlegen und den Inhalt auszublenden.

„Du“ ist rot und „bist“ ist weißgelblich, wie auch „wie“. „Der“ ist hellknäckebrotfarben und „Priester“ ein schwarzweißes Wort, das Brille trägt; das Wortwesen hinter den Buchstaben hat verschränkte Arme und einen hellgrauen Pullover an. „mit“ ist leichtrotmehrcremefarben, „ich“ ganz weiß und sein Wortwesen weißgrau mit einem blaugrünen Auge. Das Ichwesen ist so alt wie das Wort „ich“ und warum es nur ein Auge hat – darüber möchte ich gar nicht nachdenken. „immer“ ist auch ein weißgelbes Wort, „Gefühle“ gelb-rötlichhellsenffarben und „hatte“ schlicht blaulautschwarz.

Eis bewegt sich.

Hier ist alles klar und einfach. Der Satz wird durch das spotweißhelle „Eis“ bestimmt, „Eis“ ist weiß und vanillefarben, mit wenigen Grauschatten, die die Buchstabenkonturen schärfen. „bewegt“ besteht aus mehreren Wortwesen, die mit Kapuzen vor einer Berglandschaft durch den Satz schleichen, außerdem hauchsenffarben, und „sich“ ist leichtgelb.

Vielen Dank für die Sätze. Mir war nicht bewusst, dass so viele Wörter in meinem inneren Raum senfgelb sind. Auch nicht, dass „ich“ nur ein Auge hat. Und eigentlich graue Haare, wenn ich genauer hinschaue. Und die Sache mit dem Priester – nun, das ist eine andere Geschichte, und wäre das hier eine Serie, käme jetzt die wellenbrechendstarke Abschlussmelodie ins Bild galoppiert.