I see bunnies.

Hase alias Magnolie. Das Wort Ostern hat Ähnlichkeiten mit Weihnachten. Nicht farblich, sondern eher in der Art, was alles mit dranhängt. Es haftet so viel an den beiden Begriffen, dass – wenn ich sie mir einfach mal aus Jux und Übermut zu zweit vor Augen führe – mir synästhetisch gesehen schier schummrig wird.

Ostern hat indirekt etwas mit Hannover zu tun. Denn das Wort Hannover wird, wie bereits erwähnt, von meiner schon lange verstorbenen Großmutter bewohnt. Die wiederum hat Ostern zwei Dinge geliehen (ohne es zu wissen, vermutlich. Gerne würde ich es ihr mitteilen. Ob sie hier mitliest? Unwahrscheinlich. Mit dem Computer wollte sie nichts zu tun haben. Enttäuscht nahm sie zur Kenntnis, dass auch ich irgendwann einen hatte. Von mir hätte sie das nicht gedacht, dass ich so einer Modeerscheinung hinterherlaufe! Wenn sie wüsste, dass ich das unheilvolle Gerät nutze, um mein synästhetisches Gedankengut in Umlauf zu bringen – sie würde sagen: „Nee, nee. Ich komme da nicht mehr mit. Ich bin auch älter geworden, musst du wissen. Farben siehst du? Mädchen, bist du sicher, dass du keine Probleme hast? Ich komm da nicht mehr mit. Komm, wir gehen mal ums Viereck.“ Was würde ich darum geben, ihre faltenrockfarbene, zartvorwürfliche Stimme noch einmal zu hören).

Doch zurück zum Thema. Was meine Großmutter Ostern überlassen hat:

1. Einen Faltenrock.

2. Ihre Dauerwelle.

3. Ein Medaillon.

Ostern hat zudem dieselbe Haltung, die meine Großmutter auf Sofas einnahm. Kerzengerade, leicht nach vorne gebeugt beim Zuhören, Erzählen oder Kuchenessen. (Sich anlehnen nur beim Nähen). Das O ist natürlich der Kopf. Um seinen Hals liegt das Medaillon. Ob darin ein Bild von einem Hasen ist oder eines von Jesus – das weiß ich nicht.

Die Farben jedenfalls sind durchweg pastellig. Was gelbstrahlendes, weißes, seidentuchglänzendes umgibt die Buchstaben. Um das O herum, aus dem heraus schwarze Augenflecken blicken, windet sich ein Kranz aus eiförmigen Locken – wie die Dauerwelle meiner Großmutter in meinen Kinderaugen aussah. So wie man seine Oma eben malte. (In den frühen 80ern. Schon ohne Dutt, doch noch ohne Lilafärbung.) Die anderen Buchstaben sind nicht wichtig, gehen eher in einem hellen Traubenblau unter, ebenfalls in zartem Pastell.

Osterns Arme sind auf einem unsichtbaren Tisch vor dem Wort abgestützt. Und wie im Wort Hannover verstecken sich Erinnerungen im Osterwort. Es wird von Himmel und Sonne beschienen und seine Buchstaben stehen auf einer großen braunen Wiese. Braun ist diese – vielleicht weil der erste Teppich, auf dem ich Eier suchte, braun war. Im Hintergrund sind nicht etwa, wie sonst, die Wände meines inneren Raums zu sehen. Sondern Himmel. Nicht blau, eher grauweiß.

Und in diesem Hintergrund verbergen sich verschiedene Gärten meiner Kindheit und mehrere Räume, in denen Ostern begangen wurde. Dort sind auch Menschen zu sehen, denen ich nur an Ostern begegnete, und sie sind in Sätze gefärbt, die ich dann über sie hörte („Der lässt sich auch nur an Ostern hier blicken…“). Diese Sätze winden sich bis heute um diese Menschen herum, während ich sie aus der Kindperspektive heraus bestaune (von unten nach oben). Und mich frage, was diese Menschen wohl umtreibt und warum sie sich nur an Ostern anschauen lassen. Und ob sie sonst nicht existieren. Das alles ist im Wort Ostern enthalten.

Es erklingt auch Musik. Ein Lied über den Frühling, und dass er endlich da sei. Und darüber, dass sowohl Blumen als auch Tiere erwachen. All das ist lange her, doch das Wort Ostern ist genauso geblieben. Es steckt das Kindheits-Ostern in ihm, mehr nicht. Was ich als Erwachsene an Ostern so treibe, interessiert das Wort nicht. Es ist wohl nicht geheimnisvoll genug. Irgendwann im Laufe der Kindheit und Jugend hat sich ein Zeitfenster nach dem anderen geschlossen. Zeitfenster zur Entstehung der Wortwesen, ihrer Farben, Frisuren und Gesichter.

(Das Wort Zeitfenster lernte ich erst als Erwachsene kennen. Es ist sehr viel fader als Ostern. Ein bisschen seelenfarben, also senfgelb und schwarz. Mit einem Augenfleck, der mehr aus Gewohnheit als aus vollem Herzen dabei ist).

Kindheit ist nicht leicht und sicher keine durchweg harmlose Oase des Friedens, der Freude und des Eierkuchens. (Außer bei manchen Glückspilzen vielleicht). Doch sie ist der Ort, an dem sich bei den meisten Menschen die Sprache heranbildet. So auch bei Menschen, die mit Synästhesie aufwachsen. Schlüsselwörter wie Ostern, Weihnachten, Geburtstag und Sommerferien, Wochentage, Jahreszeiten, Monate und Straßennamen verdienen in einem Blog über Synästhesie eigene Artikel. Denn sie sind groß, weit, schwerschön, bildreich und tragen Glanz.

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Neujahr. Es passt nicht.

Auch wieder so eine Geschichte. Neujahr: rosarot. Mit weißen Strichen. Doch heute ist eigentlich Donnerstag. Grauliladunkel mit schwarzen Punkten (eher Löchern, aber nicht tief).

Was ist also heute für ein Tag? Die Tageszeiten liegen heute nun auf Rosarot. Mich irritiert, dass morgen der gelbe Freitag ist.

Neujahr. Auch so ein Feiertag, der die Woche auf den Kopf stellt. Wohin verschwindet der Donnerstag? Ist er in dieser Woche nicht vorhanden? Aber wo ist er dann?

Neujahr hätte farblich eher zum Mittwoch gepasst. Rottöne halt.

Silvester ohne y

… sieht falsch aus. Nun ist das Wort in meinem ersten Beitrag mit y geschrieben worden. Von mir. Denn das wirkt auf mich richtig. Mit y sind die Farben wärmer.  Das i bringt etwas kalt abgeklärtes rein. Blonde Teufelsfrisur, kein Iro.