Rot, rot, rot sind alle meine Namen: Die 4. Namen-Aktionswoche.

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Bevor nun die Namen der vierten Namen-Aktionswoche vorgestellt werden, möchte ich daran erinnern, dass Synästhesie nicht mit Fantasie gleichzusetzen ist. Synästhesie passiert einfach – das Wort wird vom Gehirn mit Farben, Mustern und, im Fall der Ordinal Linguistic Personification, auch mit menschlichen Eigenschaften belegt. Das, was ich beschreibe, ist das, was ich sehe.

Außerdem möchte ich anmerken, dass ich Rot mag. Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, wissen, dass ich mit dem Mittwoch ein Problem habe, weil mir sein Rot auf die Nerven geht. Da kann das Rot aber nichts für! Es ist lediglich zu dominant für einen ganzen Tag – der Mittwoch liegt wie eine Decke über allem, was geschieht, und diese Farbe verfärbt das Geschehen des Tages ausgesprochen stark. Namen sind feingliedriger und zarter. Bei ihnen stört mich kein Rot.

Peggi: ist ein weißhellblauer Name. Ein schwarzer Bubikopf umwickelt das P – und das doppelte „g“ ist ein Gesicht mit zwei eulenfreundlichen Augen. Peggi ist eines jener Wörter, die Schnee im Mund erzeugen, wenn ich den Namen einige Male hintereinander flüstere. Peggipeggipeggipeggi. Das „i“ hat einen kleinen Kerzenlichtschein um den Punkt herum.

Alexander: Ach, Alexander. Das ist ein Name, der mich in die grünen 90er Jahre katapultiert. Alexandra ebenso. Alexandra und Alexander sehen fast haargenau gleich aus. (Anders als Christian und Christiane). Obwohl: bei Alexandra sind die Farben deutlicher und haben mehr Tiefe, bei Alexander sind sie etwas blasser. Lila, grau, weiß. Die Buchstaben haben alle ein Marmormuster, und das A hat besorgte Augenbrauen. Und wirft seinen Blick seitlich auf die vielen Buchstaben, die es zu hüten gilt.

Runa: Ist ein rotbrauner Name, ein klassischer Herbsttyp. Das R hat weißen Schnee innen liegen. Das „a“ geht ins Blaue. Und irgendwie hat der Name auch etwas Moosgrünes. Die Ronjaräubertochterfrisur (aus dem Film) umhegt das R, jedoch ist sie zum Pferdeschwanz gebunden.

Nana: zufällig war „Nana“ mein Name für mich selbst, bevor ich das J aussprechen konnte. Während mein Originalname – wie schon beschrieben – grün ist, so ist Nana eher rot und sitzt auf einer Wolke. Im Hintergrund ist Peter Pan zu sehen. Der Name bewegt sich zwischendurch und manchmal tänzeln einzelne Buchstaben vor sich hin. Außerdem ist der Arm eines roten Pullovers und ein dunkelhaariges Gesicht zu erkennen – schemenhaft – in dieser Wolkenrotwelt.

Mascha: ist auch rot. Rot und grau – und steht in einem weißluftigen Raum. Eine Mascha, die ich mal kannte, ist im Hintergrund zu sehen. Das „M“ hat ihre Frisur nachträglich übernommen – lange, dunkelblonde Locken. Wie ich schon einmal erwähnte: Namen sind die einzigen Wörter, die sich durch die Begegnung mit ihren Besitzern verändern.

Katharina: ist auch rot und lieblich weiß. Und grauschattig. Der Name steht in demselben Raum wie Mascha. Am „K“ ist eine emsige blonde Frisur im Profil zu sehen – und zwei Arme, die nach etwas greifen oder etwas hin- und her bewegen. Die Arme haben einen blauen Pullover an.

Tine: ist honiggelb, zitronengelb, weißgelb, dunkelgelb, vielgelb. Und nur das T ist schwarzdunkelblau, doch es wird überschattet von den helleren Farben. Die Augen schauen unter einer Fransenlockenfrisur des T’s hervor. Tine ist zudem ein Name, der leicht süßlich schmeckt, vielleicht nach einem Honiglolli aus dem Bioladen.

Donate: ich kannte einmal ein Pferd, das hieß Donata. Es stand auf einer Weide in der Nähe eines Schullandheimes und jeden Tag ging ich dorthin (in der einen Woche, auf einer sogenannten „Kettenfahrt“) und bewunderte die Punkte und den Pony über den Augen. Ich lernte das Pferd zusammen mit dem Namen kennen – und daher muss ich leider sagen, dass auch Donate für mich eine Pferdefrisur über dem „D“ hat, Pferdezähne, die aus dem „o“ heraus nach einer Karotte greifen, und der Rest der Buchstaben ist fellbraun, fellweiß und fellschwarz. Punkte sind auch dabei. Liebe Donate, ich hoffe, Du magst Pferde und wenn nicht: frage einfach jemand anderen, der synästhetisch veranlagt ist. Bestimmt ist Dein Name in anderen Köpfen weit schillernder und unfelliger.

Marja: kannte ich bis jetzt nicht, nur Maja. Maja wäre natürlich ein samtbrauner Name, mit einem gestreiften Pullover, und hätte blonde Locken. Aber das „r“ verändert alles. Aus irgendeinem Grund wird Marja zu einem grauroten Namen mit einem zuverlässigen „M“ und emotionaler Stabilität in den Buchstabenfüßen.

Ich hoffe, Petra mag Senf. Denn der Name Petra sieht bei mir ein wenig aus wie körniger Weißwurstsenf. Allerdings sind die Körner grau. Außerdem schaut von der Seite eine Frau mit einer großen 70er-Jahre-Sonnenbrille ins Bild hinein – sie hat eine schwarze, sehr gepflegt glänzende Bobfrisur und einen senffarben-grünlichen Pullover an. Im Hintergrund ist ein braunes Sofa und die Tapete leuchtet ockerfarben. Ein Hauch von Lila überzieht den Namen, der in einem weißen Raum steht.

All diese Namen sollten einmal zusammen in die Sommerfrische fahren. Dort könnten sie die äußerst mondänen Wörter Plauderton und Moralapostel treffen und mit ihnen zusammen Monaco unsicher machen. Doch das ist eine andere Geschichte.

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5 Gedanken zu “Rot, rot, rot sind alle meine Namen: Die 4. Namen-Aktionswoche.

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