Eroica, symphonie nr. 3 ouvertüre Berliner philharmonie karajan

Beethoven selbst ist gelb und braun. Doch Musik von ihm ist stechend und weich. In Stäben und in schleichenden Wölfen zu sehen. Die Streichermasse – ja, wie kann ich sie beschreiben – ein marmorierter Sumpf. Nicht laut, nur breit, nur tief und es tanzen grüne Pullover.

Bei Beethoven stapelt sich kein Brot, hier stapeln sich die Farben wie Nudelplatten – das Cello aber bleibt dunkelbraun.

Es gibt noch trauriggoldene Spuren.

Beethoven ist nicht mein Fall, das nächste Mal: Brahms.

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Violinen sind Frauen mit Locken.

Wie es ist: sehen, was andere nur hören: Musik – mal ein flötgrauer Strom, ein Fluss, der sich wellenwindet vor schwarz. Und die Streicher sind im Hinten und flimmern. Wie Graubrot, Weißbrot, Schwarzbrot sind die Akkorde aufeinandergeschichtet. Die Stimme der Frau im Radio klingt nach Zwieback, nein schmeckt wie Zwieback.  Und das Flugzeug stört, es tönt schwarz und rohrgleich.

Nun ein Violinkonzert, Violinen sind Frauen mit Locken, jedoch von hinten seitlich, nur im Profil zu sehen, Geigen sind rot, alt. Jung, die Musik – hell und menschenblau.

Triller sind Locken, gelockte Haare, die sich um sich selbst drehen – aber nur wenn man sie hört. Das Wort Triller ist schwarz mit Pagenkopf. Mit sehr hellem Teint.

Und wie wird es sein, wenn ich 50 bin?

Dann wird es grün sein. Die 50er werden grün sein. Klar – nicht die 51, die geht leicht ins gräuliche. Auch ich werde dann dann leicht grün eingefärbt sein. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Da mein Vorname auch grün ist, wird alles etwas einfacher für mich werden.

Nun ist ja Sylvester [sic!] und es geht darum, das alte Jahr loszulassen und dem neuen eine Chance zu geben. Ungern lasse ich 2014 los, denn es war wirklich ein sehr hübsches Orange. Das Jahr hat geleuchtet, besonders der Sommer. Sommer – auch so ein Wort – es hat Locken und es ist eben sommerfarben. Leider gibt es kein Wort für die Farbe, die Sommer hat – nur eine Beschreibung (der Ton (der Farbe) wird dennoch kaum getroffen) – ein Versuch ist es wert:

Sommer hat Locken nach links und ist leichtlilatiefschwarz und drumherum ist ein waldfarbener Grund. Waldfarben: eigentlich trauerweidengrün mit traurigen Augen.

Doch ich meine hier das klassische Waldgrün, auf das sich die Gesellschaft verständigt hat. Der Sommer mit seinen Locken nach Links ist sympathisch, doch schaut nicht so offen wie der Winter, der sich dem Betrachter stellt: in der Mitte des Wortes sind tiefe Einkerbungen, augenähnlich, sie schauen aus Grauweiß heraus und sind sympathisch, wenn auch nicht sehr konkret zu fassen.

Zum Frühling komme ich ein andermal, nur soviel: der ist äußerst komplex, weil gepunktet. Gefleckt.

Apropos Jutetasche.

Meine Assoziationskette beginnt zu leuchten. Eigentlich ging es ja um den Januar. Ach nein, eigentlich ging es um 2015.

Naja, gelb ist auch dabei. 2000 ist gelborange. Die 15 ist grün. Und das zusammen ergibt das neue Jahr. In dem neuen Jahr wird es einen Mindestlohn geben. Mindest (weiß) lohn (schwarzlila). Und zudem werde ich 36. Noch bin ich im gelborgangefaserigen 30erjahrzehnt meines Lebens. Ab 40 leuchtet mein Leben dann orangerot mit schwarzen Falten.

Die 20er Jahre waren beigebräunlich. Natürlich nicht die goldenen 20er (die sind ja grüngelbgrau), sondern meine persönlichen 20er Jahre.

Welche Farbe hat Sylvester [sic!]…?

Sylvester ist ein in sich zusammengezogenes Wort. In der Mitte ist eine Art Punkfrisur (weiß), drumherum ist es schwarz. Sylvester verschluckt Buchstaben. Heute ist auch noch Mittwoch. Mittwoch ist rotschwarz. Mit einem großen Fleck – augengleich – in der Mitte.

Das ist immer der Konflikt mit einem Feiertag. Die Farbe des Wochentags ist an so einem Tag nicht dominant – was dazu führt, dass die Farbe des Feiertags übernimmt. Doch: damit sind alle Termine plötzlich sylvestergefärbt, die Tageszeiten verlieren sich in der Feiertagskoloration.

Koloration ist eigentlich ein Wort, das im Haarfärbekontext verwendet wird. Passt. Denn meine Wörter haben fast alle Frisuren. Sylvester hat eine Art Irokesenschnitt. Aber eben in der Mitte.