Die zweite große Namen-Aktionswoche: 13 Namen, wenig Einleitung, mehr Schnee.

Ich möchte mich schnurschön bedanken für die Zuschriften und Wünsche nach der letzten Namenaktionswoche. Ich erfülle hiermit einige der Wünsche, und es gibt auch wieder Namen, deren Inhaber ich überraschen werde. Dank der Namen kam ich zu folgenden unwissenschaftlichen, doch leibhaftigen Erkenntnissen:

Die Farben, Muster und Strukturen von Wörtern sind bei der genuinen Synästhesie eigentlich unveränderlich. Mir ist in der letzten Zeit aber aufgefallen, dass – zumindest in meinem Fall – Namen sich leicht verändern. Nicht die Farben! Doch es kommen die realen Personen oder auch fiktiven Figuren dazu und schleichen sich in dem Moment, in dem ich sie erblicke, mit in den Namen hinein. Bei manchen Namen ist sogar die Begegnung mit dem ersten Menschen, der so hieß, enthalten. Sie leben für immer in diesem Bild. So wie das Wort „Hannover“ von meiner Großmutter bewohnt wird. Das passiert alles nicht bewusst. Ich decke es hier auf, doch nichts von dem habe ich mir „ausgedacht“. Es ist einfach passiert, leise, still, selten laut, so unspektakulär wie die Synästhesie sich meist verhält. Und jetzt betreten die Namen die Bühne:

  1. Christiane: ist ein strahlender Name. Marillenfarben geradezu. (Es wird „Marillenfarben“ heißen, weil es auch „Marillenmarmelade“ heißt, im Gegensatz zu „Rhabarberfarben“ ohne „n“ wie in „Rhabarbermarmelade“, doch ich lasse mich gerne korrigieren.) Mit blauen Schatten und im Hintergrund wartet ein heller Raum, ähnlich wie bei Bettina. Lichtdurchflutet ist der Name und hat hellbraune lange Locken und eine Brille. Dieser Name schaut mich direkt an. Sehr geradeheraus, ohne Schnörkel und Verzierungen. „Christiane“ hat auch etwas mit dem Advent zu tun, ich weiß aber nicht genau, was eigentlich. Und: er sieht genauso aus wie „bananas“, aber nur wenn „bananas“ von jener Portugiesin ausgesprochen wird, die ich in einem Tal traf, doch das ist eine andere Geschichte.
  2. Kati: Kati. Kati. Ohne „h“. „Ka“ ist rot und „ti“ ist blau. Der I-Punkt ist gelb und das „t“ eigentlich hellgrau. Und dennoch ist der Name im Ganzen rotblau und trägt eine rote Regenjacke (eventuell mit weißen Punkten, das kann ich von hier aus nicht gut sehen…). Kati ist blond, hat eine Prinz-Eisenherz-Frisur und schaut von links auf den Namen.
  3. Dominik: ist ein silberweiß-hellblauer Name mit Schwarzweißelementen. Aber nur wenn es ein offenes, kurzes „o“ ist (wie bei „kochen“) und nicht ein langes „o“ (wie bei „Sohlen“). Bei dem langen „o“ wäre der Name übrigens deutlich schwarzweißer und der Silberton würde verschwinden. Das „k“ produziert Schnee im Mund, wenn man einmal einen Schabernack treibt und sehr oft hintereinander „Dominik“ sagt. Man sollte das sowieso viel öfter tun mit Namen, die ein „k“ enthalten, denn dann entsteht Schnee und das im Juni! Und auch das wäre doch urkomisch. Erfreulich ist auch, dass „Dominik“ und „Schabernack“ gleich viele Silben und beide ein „k“ enthalten und nicht zuletzt deswegen ist der Name äußerst sympathisch.
  4. Frauke: ist wirklich durch und durch rot und rot und wirklich rot. Sie steht auf einem Garagenvorplatz und hält einen Ball in der Hand. Sie trägt eine Brille und hat blonde Locken und ein rotes Kleid. Eine andere Frauke hat rötlichblonde Haare und überdeckt die erste der Fraukes. Und bis auf einen asphaltfarbenen Hintergrund ist Frauke rot und ich hoffe, dass Frauke rot mag. Wenn nicht, ist es nicht schlimm, denn für andere Menschen, die mit Synästhesie leben, ist Frauke bestimmt grün, pink oder blau.
  5. Eva: ist ein gelbblauer Name. Er hat eine Ponyfrisur (blond) mit zwei Zöpfen. („Rattenschwänzchen“ nannte man das früher und übergab sich dann zeitgleich. Was gibt es nur für Wörter? Warum nicht gleich: „Die Rättin“?). „Eva“ hat also Zöpfe mit hellblauen Schleifen. Einen blauen Rock trägt der Name, er hat einen fragenden Gesichtsausdruck, und er ist unbedingt von einem Kind. (Weiße Kniestrümpfe spielen auch eine Rolle). Eva kommt an einen Sessel und will etwas. Ihre Arme stützen sich auf der Lehne ab. Sie öffnet den Mund um etwas zu sagen. Das „E“ ist strahlend liebegelb und die restlichen Buchstaben werden bläulicher. Ich kenne die Eva, die sich eine Namenssicht von mir gewünscht hat, nicht persönlich, doch sie hat mir einen Link zu einem Foto von ihr geschickt, damit ich weiß, wie sie aussieht und sie mit meinem inneren Bild von ihrem Namen und damit auch ihrer Person abgleichen kann. (Denn von wem ich nur höre, der sieht so aus wie diese Beschreibungen hier. Solange bis ich ihn sehe und das Bild dann (unbewusst) in den Namen einbaue). Ich werde mir das Foto nun anschauen. – Und muss mitteilen: Eva sieht tatsächlich anders aus und ab jetzt ist sie vermutlich in „Eva“ mit enthalten.
  6. Inga: ist ein weißgrauer Name. Er hat dieselben Farben wie eine Möwe. Das „In“ ist weißgrau, das „ga“ hat dazu noch leicht algengrüne Schatten. Der Name hat die Haare einer Inga, die ich kannte als ich ein Kind war. Sie hatte eine kinnlange Frisur mit einem Pony, der fast über die Augen fiel. Und dann gibt es noch mehr Ingas, denen ich seitdem begegnet bin, die alle links vom Namen stehen und in ihn hineinschauen. Gerade so als hätte jemand: „Freeze!“ gerufen.
  7. Jonathan: Dieser Name ist mein Fest aus folgenden Gründen: Es reitet DER Jonathan vom Bild des Astrid-Lindgren-Werkes „Die Brüder Löwenherz“ vor den Buchstaben hin und her. Die Buchstaben sind aufregend schwarz und weiß. Es sind Buchstaben, die Abenteuer verheißen. Wenn wir nun alle zusammen „Jonathan“ wispern würden, klänge das „t“ wie ein Sprung auf dem Trampolin.
  8. Marco: ist kastanienrot, sieht aus wie ein Graffiti und hat schwarze Schatten an jedem Buchstaben. Ein leichter Rost liegt über „Marco“, was nicht schlimm ist. Denn es ist Herbst und da ist alles ein wenig rötlich und rostfarben. Ein tiefer Blaustreifen durchzieht das „M“ an der schwärzesten Stelle. Das Gesicht des ersten Marcos, den ich kannte, taucht auf – er trägt einen roten Konfirmationsanzug. Die Hose ist schwarz.
  9. Marion: leuchtet rot und das „rion“ schimmert marineblau. Eine orange Lockenpracht ziert das „M“. Denn die erste Marion, die ich kannte, hatte rote Haare. Ihr Gesicht und ihr hellblaues Kleid (leicht jeansverwaschen, 80er-Jahre-Stil) bilden den Hintergrund des Namens. Und dann steht genau diese Marion auch vor mir und schaut von links in den Namen hinein. Und überall sind Locken und Sommersprossen. Die Marion, die sich eine Namenssicht von mir gewünscht hat, ist mittlerweile auch im Namen integriert. Sie schaut gewohnt herzlich (wie auf ihrem Avatarfoto) von unten rechts hoch auf die Buchstaben.
  10. Was ich schon mal schrieb, was hier aber passt, denn vielleicht lesen Elisabeth, Chantal und Jaqueline ja mein Blog: „…wenn ich von einer Person höre, die z. B. Elisabeth heißt, sehe ich jemand anderen vor mir als wenn jemand den Namen Chantal-Jaqueline trägt. Und zwar jenseits von den üblichen Standesdünkeln. Elisabeth ist weißgeblümt und hat Ähnlichkeit mit Sonntag – hingegen ist Jaqueline rot und blau und in Frankreich positioniert, das heißt auf meiner synästhetischen Landkarte weit weg von Elisabeth und Sonntag. Und passt so gar nicht zum bräunlich-orangefarbenen Wortwesen Chantal (mit Hornbrille).“
  11. Ruth Lea: muss ich getrennt voneinander betrachten, denn sonst komme ich durcheinander. Ruth ist rot. Und hat einen schwarzen Hut. Das R ist ein Frauengesicht mit dunklen Augen und es schaut anmutig (im Profil) in den Raum hinein. Der Hut ist ein wenig altmodisch (Regency, viktorianisch, sowas in der Richtung…).
  12. Lea ist zartgelb und hellblau, hat ein Gesicht, das vom „L“ ins „e“ übergeht. „Lea“ schaut etwas schüchtern auf den Boden. Die Buchstaben sind sehr ordentlich und räumen ständig auf. Lea ist insgesamt sehr zart und wäre noch ein „n“ mit von der Partie, wären die Farben klarer und der Blick direkt auf mich gerichtet.
  13. Victoria: siehe Jonathan. Auch dieser Name ist ein Augenglanz, denn Queen Victorias schwarzes Kleid hängt am V. Victoria ist weiß, ist schwarz, ist grau und leicht rosa, hellblau und schimmert zu allem Überfluss auch noch dezent silber! Fast schon geborgenheitsfarben! Eine Augenweide, zudem das „ct“ dazu führt, dass im Mund Schnee entsteht, wenn man den Namen flüstert.

So hatte ich mit Schnee zu tun, mit viel Rot, mit Erinnerungen an rothaarige Frauen und andere und mit Abenteuern. Und das alles dank Euch und Euren Namen. Denn Synästhesie wäre nicht so aufregend, gäbe es nicht die Wortschenker, die Glanzgeber und die, die all das hier lesen. Und dafür möchte ich mich an dieser Stelle einmal bedanken und verschenke Lieblingsfarben in Gedanken.

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