Die Liebe und warum ich gerne Illustratorin sein würde.

Liebe zeichnen. Gelingt mir nicht. Im nächsten Leben möchte ich alles anders machen. Illustration lernen. Hoffentlich bin ich im nächsten Leben dann auch noch mit Synästhesie ausgestattet. Sonst geht es mir wie in den Momenten, wenn ich einen Ohrring verlege, ihn irgendwo deponiere, diesen Ort vergesse und dann den anderen finde und denke: ja! Der zweite Ohrring! Endlich! Und dann merke, dass ich nicht weiß, wo das Gegenstück ist. Dann könnte ich also plötzlich zeichnen und würde dann erst realisieren: Liebe: sind schwarze Buchstaben. Ach, herrje.

Wie sieht die Liebe aus? Schon oft habe ich das berühmte Liebegelb erwähnt, doch eigentlich noch nie beschrieben. Wie mit allen Gefühlen ist es so, dass ein Wortwesen hinter der Buchstabenreihe wohnt.

Das Wort Liebe: Weiße und hellgelbe Buchstaben, vor sehr hellem Hintergrund. Kein Herz dabei oder so.

Das Wortwesen Liebe: sieht unterschiedlich je nach Beziehungsgrad aus.

Liebe in meiner Liebesbeziehung:

Hier ist die Liebe mit dem Namen der Person gekoppelt. In meinem Fall ein rötlicher Name mit sehr guten Buchstaben, z. B. dem M. Die Liebe ist ein sonniggelbes, krümelmonsterähnliches Wesen (Krümelmonsterform, nicht Farbe, klar), mit etwas debil grinsenden Flecken, die als Augen gelten können.

Das Liebeswesen lächelt. Zudem hat das Wesen ungleich Krümelmonster eine hellbonde Lockenmähne, vergleichbar mit der des Wortwesens, das in Englisch verborgen ist. Außerdem verströmt dieses Wortwesen eine Art Hebung. Das heißt, wenn die Liebe mir gerade besonders gewahr ist, dann hebt sich das Monster ein wenig in die Luft. Dieses Wortwesen sitzt übrigens nicht hinter den Buchstaben im inneren Raum, sondern nirgendwo anders als im Bauch. Dort ist seine Außendienststelle. Im klischeebesetzten Bauch sitzt es und verströmt neben der Hebung auch eine konstante Wärme, die tatsächlich schon in mein allgmeines Lebensgefühl übergegangen ist. (Das Lebensgefühl: milchkaffeebraun.) Überschäumende Liebe: dann kommt das Wortwesen aus dem Bauch heraus und macht die Augen glänzend. Das kann es auch. Und es kann Hymnen singen. Z. B. Freude schöner Götterfunken auf Englisch – besonders kitschig, ich kann es mir aber auch eben nicht aussuchen, was das Wesen singt.

Liebe in Freundschaft:

Dieses Wortwesen sitzt direkt vor den Augen, gleich hinter den Buchstaben im inneren Raum. Und wenn ich gerade von Freunden besonders begeistert bin, dann fliegt es in meine Augen und man kann es dann auch von Außen sehen. Das Wortwesen ist hellgelb und beige. Es sitzt hinter den Buchstaben und schaut vorwitzig dazwischen her. Neben dem Wort und dem Wortwesen ist dann auch das jeweilige Bild der Person im inneren Raum. Siehe: Service an die Leserschaft: Wie du in meinem Kalender aussiehst oder auch Service an die Leserschaft: Wörter, an denen besser immer seitlich vorbeigegangen wird. Wenn jemand traurig ist, mit dem ich befreundet bin, dann wird das Wortwesen schlagartig groß und breitet seine langen Arme schützend aus über die Buchstabenreihe der jeweiligen Freunde. Und wenn es besonders lustig ist, dann tanzt das Wortwesen auf einem Bein im Kreis. Und singt dazu seine eigenen Hymnen. Je nach Freundin oder Freund so ganz eigene Lieder.

Von mir geliebt zu werden heißt also: von Monstern und Wesen mitgeliebt zu werden. Die allgegenwärtig sind und mal groß, mal kleiner, die sich mal laut, mal leise gebärden.

Und das alles hätte ich gerne als Comic gezeichnet. Doch: man kann nicht alles haben, und ich verfüge dafür offenbar über ein sonniggelbes, gospelsingendes Krümelmonster im Bauch, das ist doch auch schon mal ein Glücksgarant.

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18 Gedanken zu “Die Liebe und warum ich gerne Illustratorin sein würde.

  1. […] will sauber herausgearbeitet sein. Denn hier geht es schließlich um Synästhesie. Die vielen Wortwesen dagegen zeigen sich kooperativer und sind daher beträchtlich leichter zu […]

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  2. […] Dass Synästhesie meine Weltwahrnehmung beeinflusst, ist der aufmerksamen Leserschaft sicher aufgefallen. Dennoch gibt es auch Lebensbereiche, die von meinen synästhetischen Empfindungen unangetastet bleiben. Z. B. Freundschaft, über die ich schon mehrfach schrieb, und Liebe sowieso. […]

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