Zum Schreiben nah.

Namen sind ein ganzes Universum. Ihre Buchstaben verschwinden hinter Bergen, Seen, Tälern, Säulen; in Räumen und in Formen. Das Merkwürdige an Namen ist, dass ich sie nicht rein synästhetisch sehen kann. Weil sie meistens in Verbindung mit einem Menschen auftraten und Menschen stärker auf mich wirken als Gegenstände, haben sich die jeweiligen Menschen mit ins Wortbild geschoben. Und dort bleiben sie. D. h. es schweben auch Gesichter mit durch die Abbildungen in meinem inneren Raum, wenn ich sie beschreibe.

So greife ich nach Fetzen und beschreibe doch nur einen Bruchteil. Ein fluffigeres Thema wäre sicherlich angemessener gewesen am heutigen Bloggeburtstag, doch ich will mich bedanken und zum Bedanken gehört manchmal auch, Fetzen zu fangen für jemanden.

Hier sind Eure Namen.

Zwischen Sisi und Sissi besteht tatsächlich ein Unterschied. Zwar sind beide hell und natürlich taucht Romy auf, obwohl sie es hassen würde, dennoch: Romy, strahlend im Wald. Also Sissi. Wie im Marischka-Film geschrieben.

Sisi hingegen ist der Kosename der wirklichen Kaiserin und daher ist das die korrekte Schreibweise; Sisi ist weiß und grau. Vornehmer. Spitzer. Feiner. Sissi ist einfach nur gelb. Mit einem kleinen grauen Anteil. Außerdem hüpft der Name auf einem Trampolin.

Bei Sisi sieht man einen Hut auf dem S und ihr älteres Gesicht schaut unzufrieden von links in den Raum hinein. Sissi birgt das Romystrahlen. Im Grunde ist das eine realistische Abbildung, denn die wahre Sisi hat weniger gestrahlt als z. B. Turnübungen und fragwürdige Lyrik betrieben.

Erik ist goldgelb, weiß und das E blickt vorwitzig in den Raum hinein, spielt sehr albern Schach und schon taucht der erste Erik auf, den ich kannte, und baut aus einem Schachnotationszettel einen Schleier für die Dame, grinst. Das E ist goldgelb, vielleicht auch weizenfarben und bestrahlt den Namen. Im Hintergrund das Klassenzimmer der 7c, düsterbraun und tafelgrün.

Thomas ist ein Junge, der Latzhosen trägt und über dem Namen hockt, dessen Buchstaben sich solide hellblau und weiß im Wortraum aufstellen. Thomas trägt einen blonden Potthaarschnitt und eventuell spielen wir gleich etwas. Als Kind wünschte ich mir, dass mein Bruder Thomas heißen möge, weil das in meinen Augen ein „normaler“ Name gewesen wäre und in jener Welt hätte ich dann gerne Claudia geheißen.

Katja ist ein roter Name dessen K untrennbar mit den blonden kurzen Haaren der Babysitterin Katja verbunden ist, die meinem kleinen Bruder einen Löffel Brei in den Mund schiebt, und deswegen ist das auch alles in der elternhausigen Diele zu sehen am Esstisch. Wenn ich mich sehr stark konzentriere, dann verschwindet Katja im Wort und der Name steht rot (mit ein wenig Blond und Lila) sehr stark und brennend (im besten Sinne) im Wortraum. Im Hintergrund ist eine Ferienhütte.

Rosa beginnt mit einem grauen R, wird dann rosa, natürlich, da bin auch ich nicht frei von. Rosa trägt Gewänder, verschiedene Lagen übereinander, alle weich und das Wort ist eine vornehme Dame, älter bereits. Dabei schiebt sich jene Rosa, die ich kenne, auch von links in die Kulisse und ihre Ponyfrisur nimmt das Bild kurz ein. Doch dann, plötzlich, sind da wieder alle Buchstaben, sie gewinnen und das O ist ein Spiegel, wie er in Märchen gezeigt wird. Und der Name steht in einem Märchenwald, es ist alles sehr aufregend.

Luis ist ein kompakter, eindringlicher Name, der rot beginnt und grauweiß endet. Luis‘ L bringt ein paar Blüten an seinem Namen an, vorne, fast ornamenthaft. Die zweite Silbe ist bei näherer Betrachtung blütenweiß, das Grau verschwindet; die Buchstaben tragen schwarze Schatten. Der Klang bleibt rot und klar.

Jadwiga ist ein Name, den ich noch nie gehört, nur gelesen habe. Er beginnt prinzengrau und endet hellweiß. Mehr weiß ich dazu nicht zu sagen, ich müsste ihn hören, es wäre dann noch ein schwarzer Zylinder dabei, denke ich. Nach einem Hörtest muss ich sagen, ist der Name doch eher grau.

Sabine ist grau und lila und schwarz und gelb. Sabine trägt eine blonde Frisur nahe dem S und andererseits sitzt die erste Sabine, die ich kannte, in einem langen Friedensdemonstrationskleid links im Bild und die wiederum ist braunhaarig und bebrillt. Skeptisch und kritisch schaut sie die Buchstaben an, die von ihr weg wollen, weil der Name möchte, dass ich ihn mag. Sabine klingt ohne sie besser, nach Klang und Sommer, nach jemandem, die zuhören kann und vordringlich goldgelb und lila. Ohne die Intitialsabine einzubeziehen, stelle ich fest, dass der Name wunderschön ist und liebegelb aussieht. Warum nennt niemand mehr seine Töchter Sabine? Los!

Wassili ist ein weißschwarzer Name, der tatkräfig und mutig den inneren Raum betritt. Man weiß, nun wird alles gerichtet. Das W macht sich breit, jedoch nicht zu sehr, auch andere Buchstaben haben Platz. Der Raum wird weiß, das Schwarz verschwindet, je mehr man hinschaut.

Akina ist ein weiterer Name, den ich noch nie gehört, nur gelesen habe, dennoch wölbt er sich schwarzlila ins Bild, das sind gute Farben, nicht grell, eher bescheiden. Im Hintergrund ist Wald, das wiederum wirkt etwas unheimlich, gleichzeitig faszinierend, je nachdem, ob man allein ist oder mit jemandem zusammen, oder ob man wenigstens das Lichtschwert dabei hat. Und am Ende steht eben doch das zitronengelbliche „ina“, das man nur sieht, wenn man mutig genug war, heranzutreten.

Ronja, ach Ronja. Es ist schwer, den Namen von der Räubertochter zu trennen. Das Buch war grün, da stand der Name drauf, so wurde mir der Name vorgestellt. Aber wenn ich mich sehr konzentriere, dann ist der Name schwarz und braun, erdig, nicht grün. Das R ist ornamentverziert und in diesen Ornamenten versteckt sich Silber. Dann gibt es sogar einen lila Hauch. Im Hintergrund steht natürlich der Wald. Ein Wald mit Hügeln und Tälern, kein Himmel, alles tannengrün.

Yvonne ist ein lila Name mit schwarzgrauen Anteilen und zart. Yvonne steht in einem dunkleren Raum, man kann sich auf den Namen verlassen, Yvonne ist da. Plötzlich fliegt etwas Weißes in Richtung des Y. Das sieht man, wenn man Geduld mitbringt. Und dann erst schiebt sich Yvonne aus der Parallelklasse ins Bild. Sehr gestreift bekleidet, mit schweren braunen Locken sitzt sie in ihrer Karottenjeans links im Raum, gerade, und schaut an mir vorbei.

Kai und Kay sind blau und weiß. Sehr grau ist der Hintergrund, auch der Hafen ist zu sehen, denn der erste Kai, der mir vorgestellt wurde, war Kapitän. Deswegen fliegen auch Möwen ins Bild hinein. Ich höre Möwen. Kay mit y steht mit einem Bein im Hafenbecken, sonst ist alles gleich. Also das K.

Kai als Frauenname sieht ähnlich aus, jedoch entfernt sich die Hafenkulisse zugunsten eines blondlockigen Mädchens mit Reiterstiefeln im K, die Locken sind kurz. Ich weiß nicht, ob ich es kenne.

Angela ist ein Name, der wie ein Zauberspruch aussieht. Angela, Kadabra, Fidibus. Angela ist farblich ein wenig gedämpft, nichtsdestotrotz zuverlässig olivgrün, lila. Das A trägt eine braune Ponyfrisur. Und irgendwo im Hintergrund steht eine Glocke. Angela, der Name, bewegt sich von links in den Wortraum hinein, der sehr waldfarben ist. Oben aus dem Namen heraus schießt das Bild der Bundeskanzlerin, allerdings aus Zeiten, als sie noch keine Bundeskanzlerin war. Sie erhebt sich über den Namen und mustert mich vom Himmel aus.

Ina ist hellzitronengelb. Das I ist ein Mädchen und trägt einen hellblauen Pullover, was einem bewusst wird, wenn man sie schon länger kennt. Das I hat in diesem Zusammenhang blonde Haare bis zum Kinn. Ina steht links in einem hell erleuchteten Wortraum und schaut mich an. Ihr Blick ist etwas verlegen geneigt, ihre Augen schimmern blau. Denn aus dem Namen heraus tritt ein Mädchen, das es möglicherweise einmal in meinem Leben gab. Im Hintergrund ist alles weiß und grau, vielleicht Wolken.

Helene ist ein Name, der den ganzen Horizont ausfüllt. Ein Name, der eher liegt als steht und zwar wie die alten Römer lagen, ja, Helene weiß, wie sie den Raum besitzt. You own the room! Dabei ist sie farblich bescheiden. Sehr erdverbunden, ein Herbstblattgelb, ein Baumstammbraun, die Buchstaben verschwinden hinter ihrer Präsenz. Allerdings ist das H säulenhaft stabil. Helene ist stark, wir können uns an ihren Namen anlehnen.

Jess ist silberweiß und ziemlich schnell. Jess fliegt von links in den Wortraum hinein, der sofort auch silberweiß ausgeleuchtet ist. Grau ist ebenfalls enthalten. Das J hat ein Gesicht und das wird im Profil nach links außen gezeigt. Irgendwie ist es aber auch ein Stiefel. Das J. Es ist nicht so ganz klar.

Das waren die Namen zum heutigen Bloggeburtstag. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Blog! Du hast die beste Leserschaft, was soll man Dir noch wünschen.

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