Über Haare und mehr.

Ich habe das Thema „Haare“ aus der Lostrommel gezogen. Frau Heinrich hat es eingereicht, als hätte sie gewusst, wie sehr sie damit gerade ins Schwarze trifft, wie viel ich zum Thema Haare schreiben kann! Und weil Bloggeburtstag ist, und das Thema so weitgreifend, kann ich sogar noch einige der anderen Themen erwähnen, (in Kursiv). Weil so vieles im Leben mit Haaren zu tun hat.

Zunächst einmal haben viele Wörter Haare, bzw. tragen Frisuren. Ponyfrisuren, um genau zu sein, und das liegt wahrscheinlich daran, dass ich als Kind so viele Ponyfrisuren um mich herum sah und selbst eine trug. Eine Zeitreise kann somit helfen, die eigenen Bilder zu verstehen, die sich um die Buchstaben ranken. Manche Wörter tragen z. B. diese Frisur:

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Das bin ich mit fast sechs Jahren, und damals hatte ich noch sehr braunes Haar. Fast so wie Schneewittchen, zumindest war ich froh, dass es wenigstens eine Königstochter gab, die weiß wie Schnee und nicht blond, sondern dunkelhaarig war. Daher ging ich auch einmal als Schneewittchen zum Fasching, in einem goldenen Kleid und mit den richtigen Haaren dafür.

Nun bin ich 38 und stehe vor der Frage, ob ich allen Mut zusammennehmen soll und jedes weiße Haar, das kommt, einfach als einen hellen Freund begrüße und nicht verfluche. Weil Haare etwas Kostbares sind; das weiß man vor allem dann, wenn sie mal ausfallen. Wenn man im Waschbecken immer mehr Haare zusammenfegt und weint. Weil man einen unentdeckten Mangel hat. Und wenn der Mangel dann behoben ist und wie durch ein Wunder die Haare wieder wachsen und manche eben in Weiß, dann fragt man sich vielleicht, so wie ich, ob man sie nicht einfach schätzen könnte. Sie sind wieder da! Hat das was mit Mut zu tun? Oder geht es schlichtweg um die Frage Warum eigentlich nicht?

In Bezug auf Haare habe ich schon immer meine eigenen Vorstellungen durchgesetzt, z. B. gegen die Erwartungen von Eltern. Meine Haare sollten bitteschön praktisch und kurz sein. Aber ich sah die Haare der Anderen, blond, seidig, vor allem aber lang und sagte vehement: „Ich lasse sie wachsen, Mama.“ Und so konnte ich bereits zur Einschulung mit zwei Zöpfen gehen. Später ging ich das Projekt „Pony“ an, der lang werden sollte, wie der der Anderen. Er musste mit Spängchen beiseite gehalten werden, zunächst, bis er lang genug war für den Pferdeschwanz. Zwar wurden meine Haare dadurch nicht blond, aber sie waren lang und verteilten sich gleichmäßig auf dem Teppichboden des Elternhauses. Ich hatte ein paar rote Strähnen in den Haaren, von Natur aus, die kamen im Sommer und das war schön, denn ich mochte schon früh Eichhörnchen und deren Haarfarbe.

Vor einigen Jahren ließ ich mir einen Pony schneiden, der mir gut stand, jedoch voraussetzte, dass ich mich jeden Morgen mit ihm beschäftigte. Er wollte geföhnt und gelegt werden. Das wurde mir schnell zu albern und ich ließ ihn wieder wachsen, auch wenn dann einige sagten, das mit dem Pony hätte mir besser gestanden. Die Erwartungen der Eltern werden nämlich gerne von Stellvertretern übernommen, und da muss man wachsam sein, sonst ist man eine Gefangene in der kaiserlichen Hofburg in Wien, in der man unter dem Druck der äußeren Erwartungen zugrunde geht.

Natürlich hätte ich gerne eine Frisur gehabt wie Sisi, mit diesen kleinen Sternchen drin und so lange Haare sowieso, doch als ich mit 14 eine Biographie über sie auf dem Flohmarkt fand und las, erfuhr ich a) in Wirklichkeit war sie gar nicht so nett und unschuldig wie im Film und b) ihre Haare verursachten starke Kopfschmerzen. Daraufhin empfand ich die Verfilmungen als zynisch, und als ich mit 16 eine Romy-Schneider-Biographie auf dem Flohmarkt entdeckte, verstärkte sich dieser Eindruck.

Mit 18 ließ ich mir einen Bob schneiden, um annähernd so auszusehen wie Winona Ryder. Für eine Theaterrolle ließ ich sie mir Anfang 20 wieder lang wachsen. Seitdem sind sie lang. „Alle drei Monate solltest du Spitzen schneiden lassen!“, sagt jeder Friseur, doch ich komme nur alle halbe Jahr, weil mir der Kalender in Bezug auf Haare nicht viel bedeutet. Ich vergesse es einfach. Haare tun schließlich nicht weh, wie etwa ein aufgeschlagenes Knie, das ist ihr großer Vorteil.

Nun würde ich so gerne noch etwas über die freudige Erwartungshaltung an das noch zu faltende Stück Papier schreiben, das ein Papierflieger werden soll. Es muss doch möglich sein, eine kunstvolle Überleitung zu finden von Haaren zu Papierfliegern. Oder zur freudigen Erwartung. Doch das Ganze hier soll kein Klamauk werden, etwa wie eine Geschichte aus dem Treppenhaus.

Es geht schließlich um Haare. Und damit auch um die Frage wie das Blog und Twitter mein Leben verändert haben. Nun. Durch das Schreiben hier und dort kenne ich jetzt viel mehr Menschen, die nie sagen würden, „der Pony hat dir aber besser gestanden“, und das liegt nicht nur daran, dass Ihr ihn bis heute nicht gesehen habt.

 

 

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Blogaktion zum Bloggeburtstag.

Morgen wird dieses Blog 3.

Zur Feier startet eine neue Blogaktion:

Nenne ein Thema. Ich schreibe darüber.

Unter Kontakt findest Du die Möglichkeit, es einzureichen.

Frist: 31.12.2017  9.00 Uhr.

Change. Dance. Love.

Die novemberfarbene Stille auf dem Foto – das eine Blatt, das wir mitnehmen. Etwas wird anders, etwas wird neu sein, etwas wächst nach.

Alles in die Hutschachtel werfen und weiterziehen. Die Karten neu mischen, würden manche sagen, aber das geht eben nur, wenn man sein Blatt kennt, sage ich. Das ist völlig unlogisch, rufen jetzt Kartenspieler, aber ich sage, das ist logischer als alles und wenn nicht, ist es auch egal. Es geht ja gar nicht ums Gewinnen. Was, fragen die Kartenspieler, worum dann.

Die Farben neu sortieren, ins Grüne, ins Blaue hinein, was weiß denn ich. Wenn schon die Wörter für immer die gleiche Farbe tragen, warum sollte dann das ganze Leben in dieselbe Farbe eingekleidet sein.

Alles in die Mutschachtel werfen und los. Sich Karten legen, aber die, die wir wollen, nicht die, die es werden würden.

Montag, der Mann im lilaschwarzen Mantel, lacht und fragt sich auch, seit wann ich eine Floskel nach der anderen in die Welt werfe.

Ach, und heute morgen fuhr ich in den Mond hinein. Das gehört auch noch zu der Geschichte.