Die große Namens-Aktionswoche: Eine Einleitung und 18 Namen.

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Bei diesem Foto irrt das Auge ein wenig umher. Soll es zuerst das pinke Monster links oben einfangen, das nasenneugierig ins Bild blickt? Oder die noch unfertige gelbe Blüte erfassen? Die Blätter? Oder den grünen Außerirdischen rechts unten, der sich lässig an die Kante fläzt? (Oder sollte das gewissenhafte Auge lieber in den Duden kriechen, um herauszufinden, wie sich “fläzen” schreibt?).

Ungefähr so erging es mir bei meinem Vorhaben, eine synästhetische Namensliste zu erstellen. Denn es vermengten sich verschiedene Bilder miteinander und ich verirrte mich inmitten unter ihnen. (Das war natürlich ein herrliches “Problem”: sich in Wörtern zu verheddern, sie zu entwirren, und sie dann adrett ins Schaufenster der Synästhesie zu stellen, (wie eine Alltagspoetin es vor kurzem nannte und mich mitsamt meinen Wortfreunden und Farbwesen glücksfarben aufleuchten ließ.)

Zurück zu den Namen. Da gab es die Farben an sich, Wortwesen, fiktive und reale Personen, die sich vorwitzig um Buchstaben schlangen und Erinnerungen. Wer seinen oder ihren Namen im folgenden Artikel erkennt, hat sich entweder nach meinem letzten Artikel eine Namensanalyse schriftlich oder mündlich von mir gewünscht oder wird hiermit von mir überrascht. Die aufmerksame Leserschaft wird ferner bemerken, dass es sich bei einigen Namen um Nutzernamen aus dem virtuellen Bereich handelt. Doch auch das sind identitätsstiftende Buchstabenfreunde, die ich mir gerne ansehe.

1. Annemarie: Grün (Anne) und Rot (Marie) ergibt zusammen einen blauschwarzen Namen. Mit Gänseblümchen im Hintergrund. Davor schiebt sich das Foto des Nesthäkchens (Verfilmung), das ich mir als Kind stundenlang ansah, denn ich war fasziniert davon, wie man derartig ordentliche Schleifen ins Haar binden kann.

2. Bettina: hat eine Brille (vielleicht wegen des B), ist mild orange und der Name steht in einem Zimmer, das im 70er-Jahre-Stil eingerichtet ist. Sehr hell ist es und lichtdurchflutet, denn große Fenster lassen Sonne in den Raum.

3. Ben: ist kurz und gut und senffarben im besten Sinne. Ohne Fisimatenten. Das B ist auch der Kopf eines blonden, sehr stillen Jungen, der einen hellblauen Rollkragenpullover trägt. Der Name ist ein solider Geselle, mit dem man Pferde stehlen kann.

4. Claudia: ist rotblaurosa, mit schwarzen Haaren. Es ist der Name, den ich als kleines Mädchen tragen wollte, denn mein Originalname war damals noch so selten, dass er oft ein wenig verändert wurde. Sehr neidisch war ich auf die Claudias dieser Welt, die selbstverständlich rosafarbene Pullover besaßen. Claudias hatten Mütter, die ihnen Weißbrot mit in die Schule gaben (mit Nutella!), zumindest war das in meinen Augen so. Ein bekannter Name und dann noch Nutella! Und meiner war nur grün und dazu passte das ewige Vollkornbrot. Claudias bekamen zum Geburtstag auch eine Pfirsichblütenbarbie. Mein glühender Wunsch Claudia zu heißen dauerte so lange bis ich von irgendwem erfuhr, mein Originalname klinge wie der Name einer Künstlerin. Das fand ich wahnsinnig glamourös und verheißungsvoll.

5. eimerchen (kleingeschrieben): ist goldgelb, und hier ist die Verniedlichung wieder einmal der Glanz des Wortes. Im Hintergrund ist ein dezentes Grau zu sehen. Man möchte es in den Arm nehmen, das Wort, aber es auch gleichzeitig auf eine Blumenwiese stellen zwischen Gänseblümchen und Butterblumen, damit es unter Gleichgesinnten, den freundlichen Frühlingsgesellen, spielen kann.

6. Fräulein, das: sieht fast genauso aus wie Claudia. Nur pastelliger und außerdem hat „das Fräulein“  eine Bobfrisur, einen kleinen Hut auf, trägt Brille, eine Fliege und ein tafelgrünes Kostüm aus den 30ern (also die Person, die sich rund um diesen Namen aufhält). Im Hintergrund ist eine Schultafel zu sehen.

7. Gryna Klee: Gryna ist gelb. Gryna hat noch etwas goldenes dabei und sieht ein wenig aus wie eine Klangschale; Klee ist tatsächlich klischeemäßig kleeförmig und kleefarben. Mit leichten gelben Tupfern. Und gehört zu den wunderbaren Wörtern mit kl, die ich schon vielfach beschwärmt habe.

8. Hella: ist sonnengelb mit einem sehr blauen A und schwarzen Schatten. Ich sehe da noch eine Person in einem zitronengelben Pullover, die sich vor die Buchstaben drängen will. Der Hintergrund ist wolkig grau.

9. Julia: ist grünschwarz. Irgendwie auch Petrolfarben. Außerdem hat der Name Julia eine braune Ponyfrisur, kinnlanges Haar und Augenflecke, die mich frontal anschauen, was nur sehr selten vorkommt. Die Kinderbuchreihe “Jan und Julia” tanzt im Hintergrund dezent auf und ab.

10. Katrin: ist rot und auch ein bisschen schwarz. Hat eine braune Ponyfrisur und schaut tendenziell keck in den Raum hinein, der sich grau umwölkend um sie herumwindet.

11. Lilian: ist weiß und zarthellblau. Hat einen hellgrauen Hintergrund und überhaupt ist viel vom Buchstaben L dabei. Im Hintergrund ist ein winziger Mandelbaum zu sehen und davor ein kleines Mädchen mit Schürze. Der ganze Name trägt aber im Grunde ein weißes Stickereikleid mit hellblauer Schärpe.

12. Maren: ist rotorangeheimelig mit Augen, die frontal und fürsorglich aus den mittleren Buchstaben herausschauen. Es ist das milde, liebe Orange (nicht das Grelle, das im inneren Raum ein Drama nach dem anderen inszeniert). Der Name wird von einer blonden Lockenmähne eingerahmt und steht im Wald, irgendwie aber auch am Meer und ein wenig in Frankfurt.

13. Marga: ist rotschwarzheimelig mit großen Eulenaugen.

14. Melanie: ist weißblauschwarz mit rosa Flecken. Ein Name, der sich bewegt und im Hintergrund ist meine Vorstellung von Griechenland auf der Landkarte. Zudem hat der Name eine hellblonde Ponyfrisur und blaue Augen. Das ist nicht verwunderlich.

15. Rahel: ist milchkaffeefarben. Mit einem beruhigenden R, das sehr dezent und wahnsinnig anständig wie ein Fels in der Brandung auf einem Feld steht.

16. Sandra: ist dunkelblau und das S trägt einen entenförmigen Hut in Gelb. Dessen Krempe verschwindet ein wenig nach links. Sandra schwimmt außerdem auf Wellen (also ihre Buchstaben).

17. Stefan: ist beigebräunlich mit leichten schwarzen Schatten; im Hintergrund ist der erste Stefan zu sehen, den ich kannte, während er „die Schulbank drückt“. Neben ihm sitzt sein Freund Oliver. Aus dramaturgischen Gründen verzichte ich nun auf die richtige alphabethische Reihenfolge:

18. Oliver: Der Name ist blaugrau und wohnt in der Olivaer Straße. Der Name selbstverständlich, nicht die Person. Er ist jedoch ohne seinen Freund Stefan zu sehen. Der Hintergrund ist straßenfarben und seine Frisur gleicht der von Karlsson vom Dach.

Wer nun nasenneugierig ist, wie ein Name in meinem (individuellen!) synästhetischen Raum aussieht, der wende sich gerne an mich. Da Namen, wie bereits erwähnt, mehr als Schall und Buchstaben sind, wird es bestimmt wieder eine Namens-Aktionswoche geben mit einer Einleitung und Namen. Vielleicht 19.

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