Über den Tod.

Im Frühling denke ich oft an den Tod. Der Tod – synästhetisch gesehen – ist ein Mann in einem beigen Mantel und einem schief sitzenden Hut, einem runden ohne Krempe – französisch anmutend.

Der Tod ist ein bewegtes Wort, d. h., es eilt durch meinen inneren Raum – das T wächst aus dem Bild heraus, wie ein Baum – in matten Farben, etwas Schwarz ist schon dabei. Doch der Rest ist muschelinnenfarben.

Im Grunde sieht der Tod aus wie ein französischer Maler. Er trägt auch etwas rollenähnliches unter dem Arm.

Als Kind hatte ich Angst vor dem Tod – bis mir meine Großmutter von ihrer Freundin erzählte, deren Mann einmal im Sterben lag. Sie habe immer wieder dessen Namen gerufen, und dass er bleiben solle, bis er aufseufzte: „Lass mich, es ist so schön hier“ und starb.

Von dem Moment an war ich sehr beruhigt und hatte keine Angst mehr vor dem Tod an sich, sondern dachte, das klingt ja gut, schrecklich blieb die Vorstellung, dass andere sterben. (Auch schrecklich fand ich die Vorstellung, dass ich sterben könnte, bevor ich das erste mal glücklich verliebt wäre).

Und das ist bis heute so geblieben. Ich kann mich nicht damit abfinden, dass jemand stirbt und: ich kann mich auch nicht damit abfinden, wenn Tode gegeneinander aufgewogen werden. Jeder einzelne Tod steht für sich.

Prince ist tot, und das ist traurig. Es ist schrecklich, dass ein Mensch mitsamt seiner Geschichte im Mittelmeer stirbt. Ich vermisse meine Großmutter. Es sind in meiner Schulzeit zwei Schüler gestorben; ich habe als Jugendliche auf Jahrgangfotos in ihren Augen nach einer Todesahnung gesucht und sie nicht gefunden. Es sind noch mehr Menschen gestorben, es werden mehr Menschen sterben.

Ich wechsle langsam die Generation – es sei wichtig, sich mit dem Tod zu beschäftigen, heißt es. Ratgeber lesen! Sich darauf einstellen!

Nein. Quitten suchen, Mirabellen hören, Gallensteinfarben finden, Tulpen beobachten, Roadmoviemomente sammeln, Weckgläser mit Lichtungslicht befüllen und für die dunklen Zeiten aufbewahren – das werde ich tun. Denn wenn jemand aus meinem Leben geht, oder wenn ich sterbe, dann stehen da wenigstens noch die Weckgläser im Keller. Dann ist vielleicht nicht alles verloren.

 

 

 

 

 

 

 

Über Raumschiffe und das Wort „Knospe“

Nebenan auf Twitter sprach ich kürzlich abends das Problem an, dass ich meinen Raumschiffgeneralschlüssel verlegt habe. Es ist immer gut, einen Raumschiffgeneralschlüssel zur Nacht zu haben – die besseren Träume aufschließen, die richtige Kajüte finden und so, wer kennt das nicht. Finderlohn versprach ich und schnell wurde mir geholfen.

Ja, er passt! Finderlohn wäre eigentlich eine Reise mit dem Raumschiff gewesen, doch es muss zur Zeit generalüberholt werden. Aus dieser Not heraus bot ich @Kasus_knackt eine synästhetische Lieblingswortbeschreibung an. Zum Glück nahm sie an und fragte nach „Knospe“.

„Knospe“ ist ein Wort, das ich nur im botanischen Kontext anschauen möchte. Es gibt auch die Groschenromanknospen, doch die lasse ich links liegen, die sollen da in diesen Büchern wohnen bleiben und Synonyme für Begriffe sein, die bestimmte Körperteile auf sehr unhübsche Weise beschreiben. Nein, „Knospe“ ist ein Wort, das rein botanisch verwendet werden sollte.

Welche Farbe hat nun „Knospe“. Ich würde gerne sagen, dass das Wort schillert und glänzt, diamantenfarben, gold, blau, hellschneefarben ist. Einfach, weil ich glaube, dass @Kasus_knackt das gefallen könnte. Weil es mir so gefallen würde. Doch – vielleicht ist alles ganz anders. Vielleicht freut sie sich darüber, dass „Knospe“ in meinem inneren Raum sehr still ist; sehr sanfthellbraun mit schneeweißen Streifen. Die Buchstaben verschwinden fast in dem hellen Braun. Milchkaffeefarben ist es – kein großer Hintergrund, außer etwas in einer Art Gelbbeige. „Knospe“ nimmt sich zurück, ist dezent, möchte nicht groß auffallen.

Sie weiß, dass sie nur einen kurzen Auftritt hat, dass sie der Königin oder dem König den Teppich ausrollt und dann in den Hintergrund tritt. Ihre Bedeutung ist zwar von kurzer Dauer – doch ohne sie ginge nichts. Sie ist wichtig und zugleich darf sie nicht zu sehr auffallen, damit der Hauptperson nicht die Show gestohlen wird. Umso schöner, dass das Wort das Lieblingswort von jemandem ist. Lieblingswort sein ist bestimmt ein kleiner Glanz in diesem milchkaffeebraunen kurzen Leben.