Abend und Frühling und Mond und Balkon und die Farben.

Am Abend auf dem Balkon ist es kalt, doch das macht nichts, am Abend sind da die Vögel und ein Mond geht auf.

Es sind ein paar Männer auf dem Spielplatz, sie sprechen sehr laut, in schwarzlila Farben. Nur wenige Graustimmler sind dabei. Und weil ich von alledem Farben sehe, ist manches zu grell.
Und dann noch der Wind.

Und dann noch die Blumen, die sich wehren, sie wollen noch Sonne, sie wollen noch farbleuchten, pink und Lavendel, rot und bald weiß, was auch immer sie wollen.

Und manche Vögel klingen gelb, andere zwitscherweiß, ich sehe das aus ihrem Schnabel kommen, und dazu diese Männerstimmen, sie wachsen aus Mündern, Mündern, die ich auch nicht sehe, aber die zu den Farben dazugehören. Auch die Vögel sehe ich nicht, nicht ihre Schnäbel und doch.

Dann ist da das Rauschen der Straßen, ein Graustrom, ein Lautstrom, und auch wenn er entfernt ist, so sehe ich Autos, die diesen Strom machen, die schwimmen im Strom.

Aufgeregtstimmen der noch jungen Männer, rote Frauenstimmen gleiten dazu und Musik klingt gelb an, silber, auch schwarz. Ein Ghettoblaster wäre es früher gewesen, jetzt etwas in klein.

Und dann die Gedanken, die weißgrau, weißlaut, silberfädelnd, teils gelb und auch lila sind und nur unterbrochen werden von Bierkastenklang und dem einen Song, der zurückträgt.

Deswegen wird alles ganz leise, weil auch Erinnerung Farben hat und wie könnte man etwas vergessen, das Farben hat.

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Über Frühling, Dinge, Gleichzeitigkeit.

Dass Frühling ist und jemand weint.

Dass jemand recht hat, der andere auch.

Dass was unmöglich ist und dabei wahr.

Dass etwas bricht und gleichzeitig heilt.

Dass etwas gold ist und dabei nicht glänzt.

Dass jemand versteht und es trotzdem nicht teilt.

Dass wer was nicht kann und dennoch gewinnt.

Dass Schweigen gold ist, silber wirkt.

Dass jemand die Sonne will, die ihn verbrennt.

Dass etwas lastet und alles leicht macht.

Dass jemand wegschaut, obwohl er erkennt.

Dass etwas gebraucht wird, das man nicht wollte.

Dass jemand lacht und gleichzeitig weint.

Dass jemand tröstet, den man nicht mag.

Dass alles brennt und erstmal ein Kaffee.

Dass wer im Mittelmeer schwimmt und es weiß.

Dass etwas gut war und trotzdem vorbei ist.

Dass ein Baum geliebt wird, der alles verdunkelt.

Dass jemand tot ist und mit dir spricht.

Dass Zeiten groß sind, doch wie die Hyazinthen duften.

 

 

 

 

Anordnung.

Es gibt viele Sommerfarben:

Das Türkismeerband, Blaubeeren, Himbeeren, es gibt Warmwälder und Berghitze.

Es gibt Sunlotionwolken und Aftersunlotionwolken. Es gibt Kreuzfahrtschiffgeräusche und Menschen, die sich am Strand auf- und verhalten.

Es gibt Inseldichte und Meereszeilen. Eisteeklirren und die eine Klimaanlagenbusfahrt, da braucht man einen Schal.

Regenfarben und Schauerwarten und Wind, der kann Freund sein und kann Feind sein.

Es gibt Sommersätze, und es gibt diese Ordnung, wenn selbst Fischernetze Meerfarben tragen.

Und das Spätsommerleuchten, das gibt es auch, ist aber eine andere Farbe.

Checkliste Summer.

  • Den Asphalt berühren.
  • Irgendetwas loslassen.
  • Irgendetwas mitnehmen.
  • Die „Realität“ ins Auto setzen und ihr mal das wahre Leben zeigen.
  • Sie gegebenenfalls an einer Autobahnraststätte gegen einen Hund eintauschen.
  • Den Hund „Summerflake“ nennen.
  • Den Hund doch nicht „Summerflake“ nennen.
  • Sich etwas widmen.
  • Den Hund „Sommerflocke“ nennen.
  • Nein, doch nicht.
  • Sich ein Hundevornamenbuch kaufen.
  • Sich trauen.
  • Sich auf die Welt verlassen.
  • Sich ein Raumschiff bauen und mal kurz woanders sein.
  • Wiederkommen und noch ganz woanders sein.
  • Blaubeeren sammeln.
  • Weckgläser mit sich führen.
  • Den Hund „Synästhesie“ nennen, aber nur, damit das hier ein synästhetischer Artikel wird.
  • Den Hund doch nicht „Synästhesie“ nennen, denn das wird so schnell abgekürzt.
  • „Synnie“. Nein!
  • Noch einmal winken.
  • Noch einmal winken.
  • Winken.
  • Auch der Langeweile.
  • Auch der Welt.

Zwischen Winter und Frühling liegt Pastell.

Es gibt diese weitere Jahreszeit, die Zeit im Jahr, in der noch nicht Frühling ist und auch nicht mehr Winter. Die Übergangsjacke feiert Premiere, es werden ihr Rosen auf die Bühne geworfen, Eisrosen, denn ihr Spiel war etwas kalt, heißt es. Die Farben sind nicht mehr klirrend, aber auch noch nicht frühlingsjung, sondern irgendwo dazwischen, pastell, erdig, etwas tot, doch es kommen Knospen. Es ist kurz vor dem blauen Band, das flattert, und etwas länger nach Lametta. Es keimt die Hoffnung am Abend und am Morgen rufen die Vögel, sie seien schon soweit. Wir sind es auch. IMG_5107

Sie sehen aus wie Sehnsucht.

 

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Nach so viel, das fehlt, doch bald öffnet sich die geheime Tür im Park, und dann werden wir es sehen:

Das Frühlingsflirren, den weichen Gesang der Luft, die unermüdlichen Springbrunnen, die Blumen, die sich nach Sonne winden – die ersten Schritte über Morgentau; ein Ziehen und die blauen Bänder und: die eine Bank, die sagt: Ach, dich gibt es noch.

Die Abendluft, die pollensatt sich neben uns setzt auf eben diese Bank.

Die Farben, die im Winterschlaf verborgen waren.

Die Abendlieder einiger Vögel, die Erinnerung.

Den anderen Asphalt.