Jubiläum.

 

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Letztes Jahr um diese Zeit war mein privates Umfeld krank. Richtig krank, so krank, dass das Bett lauter war als Silvester. Besuch musste abgesagt werden.

Ich tat Dinge:

a) Ich meldete mich aus akuten Einsamkeitsgründen in einem Chor an. Und eine Woche später wieder ab.

b) Ich erinnerte mich an die Worte des privaten Umfeldes, als es noch gesund gewesen war: „Ein Blog, du musst ein Blog schreiben.“ [Anmerkung des privaten Umfeldes: „Ich habe einen Blog gesagt. Niemals hätte ich ein Blog gesagt.“].

c) Ich googelte: „Blog schreiben“ und meldete mich bei der erstbesten Seite an (Entschuldigung, WordPress).

d) Ich googelte: „Einsam an Silvester“ und fand heraus, dass Einsamkeit an Silvester nicht bedeutet, dass sich die geliebte Person 20m weiter im Bett aufhält. Ich schämte mich ein wenig. [Anmerkung des privaten Umfeldes: „20m? Jetzt denken alle, wir lebten in einer Villa. Das sind höchstens 8m.“].

e) Ich schrieb meinen ersten Beitrag. Mit y. Ja. Auch ich bin eine von denen, die das Wort mit y lieber mag.

Heute ist Jubiläum. Jubiläum ist ein rotweißes, sehr weibliches Wort. Es breitet die Arme aus wie der Name Judith und trägt ein Gewand aus den 70ern, bestickt. Der Hintergrund hat die Farben der „Turmgruppe“, in der ich als kleines Kind war. Braungetäfelt. Das Wort tanzt, und die blonden schulterlangen Haare (mit Pony) taktwirbeln fröhlich.

Jubiläum zeigt sich lediglich im Profil. Sie schaut nicht direkt hin – und ist so ganz sie selbst. Das sind die meisten Wörter – sie sind ausgesprochen selbstvergessen.

So stelle ich die gelbe Kanne Repetierbüchsenpflegeöl, die mir @leonceundlena zum Bloggeburtstag überreicht hat, ins Blogregal neben die Wortschatzschatullenpolitur und wende mich diesem Punk Silvester zu.

Heute sind alle gesund („Das habe ich gerne gemacht mit dem Kranksein damals“), der Besuch ist bereits angereist, und ich danke der Leserschaft, denn für jemanden zu schreiben, der es liest, ist Glanz, ist Gallenstein, ist Glück.

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6 Gedanken zu “Jubiläum.

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