Perlen und Säulen. (Dezember).

 

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Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat, jedes Jahr hat eine unveränderliche eigene Form, eine Farbe, einen Charakter. Manche sind leise, manche laut. Während z. B. der Februar unauffällig ist, so gebärdet sich das Jahresfinale angemessen spektakulär.

Der hellgrauweiße November wird nach vielstimmigen Wehklagen vom bräunlichweißschwarzen Dezember abgelöst. Das Braun, ein Milchkaffeebraun, ist dezent kerzenscheingoldlich, das Weißschwarz klassisch, wie man es kennt. Das Muster des Monats wirkt unbeschreiblich – in etwa ist es säulenhaft, dennoch unterteilt in große, ovalhorizontale Perlen; die Tage führen in einer Spur nach oben, Richtung Weihnachten.

Der Dezember schaut zugleich nach links aus dem „D“ heraus und mündet in dem Bild des elterlichen Ex-Wohnzimmers mit der Tanne gleich links und der Großmutter mit überschlagenen Beinen. Dass sie quasi in der Tanne sitzt, ist so nie geschehen.

Der Dezember endet immer vor der Schrankwand – egal, wie oft Weihnachten schon woanders stattfand.

Danach ist Januar, obwohl noch Dezember ist.

Hier vermischt sich offenbar die Synästhesie (die Farben, Anordnungen, Muster) mit Erlebnissen; die ewige Anwesenheit eines Klaviers am Ende des Dezembers ist nur so zu erklären.

Alle Dezembertermine sind in die milchkaffeefarbenen Perlensäulen eingebaut. Es ist sehr eng in diesem Monat, und es sollte dringend mehr gelüftet werden.

Und obwohl oft keine Weihnachtsstimmung da ist, und der Advent längst seine Bedeutung verloren hat – meine Synästhesie sorgt dafür, dass ich es nicht vergesse. Das, was einmal wichtig war und was für immer gespeichert bleibt. Es ist kein Alltagsmonat, nein, er leuchtet unüberhörbar. Auch weil er mittendrin aufhört.

(Und welcher Monat gönnt sich schon den Luxus, ein paar Tage früher in den wohlverdienten Jahresurlaub zu fahren, wie könnte er nichts Besonderes sein).

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