Vier Buchstaben und diverse Fragen.

Lauter Trübsal, leiser Kummer: sei es wegen der Weltlage allgemein, sei es aufgrund des Verlusts rotschmeckender Tomaten, November – Gründe gibt es genug. Dass die Farben im Moment tief fliegen, mag an all dem zusammen liegen. Sie sind nicht lautschön, nein, sie haben sich zurückgezogen, kleinleise ducken sie sich und vor ihnen ragen die Schatten auf. Schatten allzu vieler Informationen, Bilder, Reize. Sogar der Straßenverkehr ist lauter geworden seit dem Wochenende. Die Hupen, sonst Zwerge, die sich ihre Telefonnummern zurufen, sind zornige Riesen geworden, die wüst gestikulierend Gröhlwörter austauschen.

Und dann diese vielen Fragen, die sich jetzt stellen. Sie wirbeln und blöken und sind so allgegenwärtig, dass die Ohren sausen. Zeit, sie aufzuschreiben.

Ist es legitim, diese Fragen nicht zu nummerieren?

Wenn nein, warum nicht?

Wer entscheidet, ob man Böhmermann heißt?

Wie entstehen die Farben im Kopf, wann, und warum ist Böhmermann beigeockerschwarzgepunktet?

Warum vergesse ich so oft, dass ich etwas googeln könnte?

Wo wird geraubter Schlaf versteckt, und wird er verwendet oder gammelt er vor sich hin?

Warum gibt es für Chlamydien keine schönere Wortbedeutung?

Lila?

Warum wohne ich nicht in der Chlamydiengasse 4?

Welche Farbe ist wichtiger: Gelb oder Weiß? (Freiheit oder Sicherheit)?

Warum ist der Innenminister so grau?

Warum auch seine Stimme?

Warum ist es so früh dunkel?

Wem dient Rot?

Was will Rot?

Wer mag eigentlich Ocker?

Warum wechseln die Farben und Charaktere der Wochentage nicht wenigstens alle 7 Jahre?

Würde Piksyn “Fuck” schreien?

Wieso fühlt sich manche Haut laut an?

Warum tragen so viele Wörter Cordhosen?

Und warum denke ich, es hieße Korthosen?

Warum träume ich farbig?

Warum schaue ich gerne Martha-Stewart-Videos und stelle mir vor, ich wäre ruhig und feinmotorisch versiert wie sie, anstatt mir noch einen Brennpunkt in die Augen zu holen?

Warum gibt es keine Taschenlampen für das Kopfinnere?

Wer bestimmt, was Blau ist?

Wer liest all diese Fragen?

Wer liest überhaupt?

Warum?

Warum ist es nicht in Ordnung, seine Bücher nach Farben zu sortieren, wenn man sie doch nur dann findet?

Warum gibt es kein „Wetten dass“ mehr, damit ich letzteres beweisen könnte?

Warum schäme ich mich in Grund und Boden bei der Begegnung mit geflüchteten Menschen?

Warum ist Syrien gelb?

Wen würde ich wählen, wenn Sonntag Bundestagswahlen wären?

Wann ist der Tag, an dem Frau Sonntag und ich zusammen Likör trinken?

Weshalb ist nachts auch November?

Wann lerne ich Persisch?

Warum ist die Synästhesie so still, wenn ich sie dringend bräuchte?

Warum hat das Wort „Terror“ die gleiche Farbe wie das Wort „Ocker?“

Nochmal: wer mag eigentlich Ocker?

Warum bewerte ich das implizit?

Wann werde ich wieder Fußball schauen, ohne daran zu denken?

Weiß Max Goldt, was seine Sprache mir bedeutet?

Wenn nicht, wann?

 

 

 

 

 

 

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