Home is where your smell is.

Das Wort „Zuhause“ ist rotblaurot. Es ist natürlich noch mehr – ein Grau geht ins rote Z über, und dann stehen da eben die blauroten Buchstaben. Das Grau im Hintergrund ist marmorierte Kälte. Und das Wort „Zuhause“ hebt sich ab und ist gleichzeitig damit verbunden.

Beim Wort „Zuhause“ rieche oder schmecke ich nichts – diese Form der Synästhesie ist bei mir eher selten. Doch natürlich assoziiere ich einen bestimmten Geruch mit meinem Zuhause. Nach dem Urlaub begrüßt dieser Türaufduft mich laut und herzlich.

Der Duft ist beige, senffarben und leicht grünlich. Er hat kleine Goldtupfen und war schon immer da. Natürlich hat er sich vermischt, Zusammenwohngeruch ist weitflächiger, mit mehr Nuancen ausgestattet. Doch meiner Ansicht nach drängelt sich deutlich jener Geruch vor, den ich als Aussteuer in die Wohnung mitgebracht habe. Es ist nahezu derselbe, der mich als Kind nach längeren Urlauben empfangen hat; und irgendeiner rief immer: „Der gute Duft! Wir sind da!“

Während längerer Abwesenheit wird der Geruch nämlich eine Wolke. (Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken – es ist kein Gestank – es ist einfach nur das geballte Zuhause). Das funktioniert aber nur wenn – in meinem Fall – beide dort wohnhaften Personen mehr als fünf Tage unterwegs waren. Sonst sind es die üblichen Eigengeruchsfarben (irgendein Weiß, Gelb, Wandfarbe und Teefarben plus Waschmittelerinnerung), die auf einen warten.

Reisen ist Gold. Zuhause ankommen auch. Und wie wunderbar ist es, wenn die Abwesenheit von Zuhause freiwillig ist.

Natürlich ist das nur eine kleine Randnotiz zum Thema Flüchtlinge. Sicherlich ist es auch nicht das primäre Problem, dass man als geflüchteter Mensch kein rotblaues Zuhause mehr hat, und dass man nicht in seine Privatduftwolke gehüllt wird – beim Eintreten in das unversehrte Zuhause.

Es verschieben sich die Prioritäten, bestimmt.

Und dennoch.

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