There’s no aphrodisiac … like words, my Love.

Manchmal fallen Sätze aus dem Nichts über einen her, mit Vorliebe auch Liedzeilen aus einer Vorzeit, so kürzlich bei mir: „Truth, beauty and a picture of you“. Ich möchte nicht über aphrodisierende Einsamkeit schreiben, wohl aber über die erste Zeile des Textes von The Whitlams „No Aphrodisiac“:

“A letter to you on a cassette/ ‚Cause we don’t write anymore”.

Wie Sprache sich ihren Weg sucht – darum soll es in diesem Text gehen.

Es ist aus heutiger Sicht geradezu rührend, dass sich damals darum gesorgt wurde, dass man Kassetten mit Herzwörtern bestücke, statt Briefe zu schreiben. Das zeigt, dass –  wo immer Wörter hineingelegt werden – zu jeder Zeit in der Welt daran gezweifelt wird, ob es gut sei, dass man nicht mehr z. B. einen Reiter mit der Nachricht losschicke, sondern sich auf die unpersönlichere Postkutsche verlasse.

Falls dem so war. (Historisch versierte Menschen mögen mir verzeihen).

Mir ist es gleich, in welchem Gewand die Wörter ihren Adressaten finden. Wichtig ist doch nur, dass sie mit Bedacht gewählt sind, Liebe oder Liebes vermitteln und den anderen innerhalb eines angemessenen Zeitraums erreichen. Ich habe in meinem Leben sowohl schon bei einer Kurznachricht Herzrasen bekommen (unbedenklich wohliges) als auch beim Empfang einer Karte, gar eines Briefes. Die Wörter fanden in mir Klang, egal wie sie kostümiert waren.

Manchmal hat die Kürze einer Mitteilung auch besonders viel Klasse. Wenn jemand in der Lage ist, in vier Worten das Universum der Gefühle zum anderen zu beschreiben, ohne auf das schöne, doch schlichtgelbe Wort Liebe angewiesen zu sein, dann gibt es einen Schlag Schmetterlinge in die Magengrube, von der sich erst einmal erholt werden muss. Zumindest geht es mir so, und es passiert mir immer wieder. Auch nach vielen Jahren einer Liebe.

Erholen muss sich die Leserschaft jetzt sicherlich auch von allzu vielen Einblicken in mein Privatleben. Schnell muss etwas Globaleres her, z. B. Handtaschen. Zu allen Zeiten trugen Menschen Handtaschen: meist wohl weiblichen Geschlechts (die Menschen, nicht die Taschen), was ich nicht verstehen kann; und wäre ich ein Mann, dann würde ich auf eine bestehen; denn wie sonst trägt man seine Siebensachen mit sich herum? Und egal, wie sie aussehen und aussahen – schon immer dienten sie dem Transport von Taschentüchern, Zuckerwerk, Beuteln mit ominösem Inhalt und Krümeln. Und genauso verhält es sich mit den Wörtern.

Schnurschönes empfangen und Gallensteinfarbiges vermitteln – das sollten wir tun. Egal in welcher Handtasche.

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