Synästhesie on the road.

Dresden09 036

Fernwehfarben tanzen Walzer. Ich reise gern. Manchmal sogar an Orte, deren Name nicht unbedingt schön aussieht. Da gibt es etliche, doch ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass Namen Schall und Rauch sein können. Dass es sich lohnt, auch an Orte zu fahren, die in meinem inneren Raum matschbraun oder popelfarben aussehen.

Der Zwinger in Dresden ist so ein Beispiel. „Zwinger“ ist schal, weiß und mit irgendeiner Art Grauschatten versehen. „Dresden“ ist mattgelb, versprüht Senf und Ocker mit grünlichen Schatten. Und dann bin ich vor Ort und staune über die flussfarbene Pracht, die nichts gemein hat mit dem synästhetischen Abbild in mir.

Synästhesie ist schließlich ein Zufallsprodukt; ein neurologisches Phänomen, eine Verbindung von Dingen, die meistens wenig miteinander zu tun haben. Es ist für mich normal und oft genug wunderbar, mit ihr zu leben; doch ich darf mich nicht zu sehr von ihr leiten lassen. Vor allem nicht, wenn es um Entscheidungen geht in den Bereichen Essen, Trinken, Beruf, Gesundheit und Reisen.

Selbst ein Tagesausflug sollte nicht von synästhetischen Motiven bestimmt sein, sonst würde ich stets in die Wallensteinstraße fahren wollen, weil sie sich auf den betörenden „Gallenstein“ reimt, wenn nach ihm eine Straße benannt würde. Oder ich würde mich wundern, dass Kiel doch keine Metropole ist.

So bin ich schon manches Mal in Dresden gewesen. Eine gute Stadt, ein guter Fluss, viel Platz. (Und Eierschecken schmecken übrigens sagenhaft und viel besser als ihr Name es vermuten lässt).

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