Service an die Leserschaft: Eine Geschichte für Marga.

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Da viele meiner Wörter gerade im Bereich “Broterwerb” gebraucht werden, ist Wortkargheit ein Luxus. Dennoch: wenn viel gearbeitet wird, tauchen plötzlich aus dem Nichts Figuren auf, die laut und deutlich und mit einer Bonnytylerstimme “Faul sein ist wunderschön” singen. In meinem Fall waren das vor ein paar Tagen Tunichtgut und Taugenichts. Ich befand sie an anderer Stelle als “farblich eine Wucht” und als “Beginn einer wunderbaren Geschichte”.

Und weil sich Marga Auwald vor geraumer Zeit von mir eine Geschichte gewünscht hat, in der nur Wörter vorkommen, die farblich zusammenpassen und durchweg schön aussehen in meinen Augen, sollen diese beiden darin eine Rolle spielen. Denn sie sind mit Rottönen und Hüten, Frisuren, einem Blau der feinsten Sorte und kleinen schwarzen Schatten ausgestattet. Was könnte aufregender sein?

Wahrscheinlich sind es Herren. Muss jedoch nicht sein, denn wer sagt, dass nur Herren nichts tun und nichts taugen, der braucht dringend Hilfe. Vielleicht in der “Praxis für angewandte Synästhesie”, die ich – inspiriert von dem edlen Text –  eines Tages eröffnen will.

Statt beständig Brote zu erwerben, möchte ich jetzt mit Tunichtgut und Taugenichts im Gasthaus “Oberstübchen” sitzen, ihnen meine Idee unterbreiten und überlegen, was in so einer Praxis denn eigentlich angeboten werden könnte.

Farben? Farbpausen? Wörter? Wortwesen? – Nein, rufen meine Wortwesen, wir gehören doch dir! – Niemals würde ich euch verkaufen, Freunde, aber ihr lockt bestimmt das ein oder andere Farbwesen hervor, das in anderen Menschen wohnt. Und sich bislang bedeckt hält. (Die Wortwesen beruhigen sich allesamt wieder, zum Glück, denn ungern möchte ich sie kränken).

Im “Oberstübchen” würde ich auch weiter an der zweiten Namen-Aktionswoche arbeiten. Wobei die singenden Herren oder Damen Taugenichts und Tunichtgut  zu laut sind. So kann ich meine Gedanken nicht hören!

Deswegen würde ich die Herrschaften in eine Galerie schicken (s. Bild). Doch nicht auszudenken, was die dort treiben werden… und das alles nur, weil ich mir in Ruhe die Namen meiner Leserschaft anschauen wollte.

Zum Glück betritt in dem Moment Baron von Kleckewitz das Gasthaus. Im Schlepptau hat er seine Konkubine und auch den Klabautermann mit seiner Klavikulafraktur. “Das ist doch keine Geschichte, Frau Piksyn!” – ruft er empört. “Niemand hat behauptet, ich könne Geschichten schreiben!” – antworte ich gelassen und notiere insgeheim: Baron von Kleckewitz – weniger galant als ich gedacht hätte.

Hoffentlich kommt noch Herr Schmand und trägt Geschmeide. Denn das ist immer ein gutes Ende.

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