Es sind die Wörter, nach denen sich jeder umdreht.

Sommer 2011 034

Manche Sätze sehen so aus wie dieses Bild (symbolisch): dezente Farben – beige, bläulich, rötlich, pastellig – und graue Säulen (hier Gitter) aus denen heraus sich einzelne Wörter und Buchstaben bilden. Diese solide Grundlage wird jäh unterbrochen: ein Wort blitzt goldflammig in dieses Satzgefüge hinein.

Das eine Wort, das leuchtet.

Vergleichbar ist es auch mit dem Moment, in dem man jemanden erkennt, den man lieben wird – oder jemanden sieht, auf den man lange gewartet hat. Oder auch jemanden, nach dem sich immer alle umschauen, wenn er auftaucht.

Es sind Sätze, die inhaltlich nicht unbedingt die Herzen erwärmen, aber die unter der Lupe der Synästhesie betrachtet (oder auch der Sprachfreude, denn auch Menschen ohne Synästhesie haben Schönheitslupen), dem einen Wort den Boden geben, damit es strahlen kann:

“Nicht zu diesen Bedingungen”. – Bedingungen – hellsilber.

“Folgende Anschlusszüge werden erreicht…” – Erreicht – goldgelbleuchtend.

„Waschen, schneiden, selber fönen?“ – Waschen – raschelgut (statt glänzend).

„Brauchen Sie eine Tüte?“ – Tüte: lachsfarben, leuchtendorange mit schwarzem T, ein Wort, das sich bewegt…

Es gibt noch viele solche Sätze und manchmal fällt es mir schwer, den Leuchtwörtern nicht zu lange nachzuhängen, denn allzuoft wird eine Antwort gebraucht: „Nein danke, ich habe einen Beutel“. Oder genaues Hinhören, welcher Zug denn nun zu erreichen sei. Oder „Dann eben nicht!“ bzw. „Ja, ich will fönen.“ Und aus diesen Sätzen schauen auch schon wieder vorwitzig die Wörter heraus, die glitzern und goldig sind. Doch man hat ja noch anderes zu tun, als Wörtern hinterherzupfeifen.

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