8 Gründe, warum ein Büro ein farbenfroher Ort sein kann.

In meiner Graupause war ich in Österreich und maiglücklich über all den Fliedertrubel und gelbgeblümte Wiesen. Die Wort- und Farbwesen renovierten und putzten derweil im inneren Raum und genossen es vermutlich, endlich wieder einmal unbeobachtet zu sein. Da sie im Grunde ihres Herzens sehr höflich und eigentlich auch kleine Rampenfreunde sind, würden sie das nicht offen zugeben. Aber ich bin mir sicher, die Pause hat ihnen gut getan.

Erst im Zug nach Hause überfiel mich der Gedanke, dass ich noch gar nichts über Berufe geschrieben habe. Der Gedanke wurde laut, kletterte bis an die Oberfläche und nahm sich die Freiheit, in einem seichtsanften Urlaubsgespräch aufzutreten. Dort traf er schnell auf die gewünschte Resonanz: „Dann beschreibe doch zuerst ‚Bürokauffrau‘, das ist ein derart unschillernder Beruf und umso interessanter ist es doch dann, was du da wieder siehst“.

Bevor sich nun alle Bürokauffrauen- und Männer gekränkt zurückziehen, das Blog kündigen oder einfach nie mehr hier erscheinen: es ist eine maßlose, geradezu unzulässige Untertreibung, diesen Beruf als „unschillernd“ zu beschreiben. Auch wenn meine kurzen Ausflüge in die Welt der Büros eher von Geschichten des Scheiterns als von Erfolgsmomenten gekrönt waren, so weiß ich noch genau, wie farbenfroh dieses Arbeitsumfeld war. Aus 8 Gründen (mindestens):

1. Die Schnappatmung eines Tackers ist silbergrau und schießt pfeilgerade von links nach rechts wie ein französischer Hochgeschwindigkeitszug (wenn dieser gerade von links nach rechts fährt).

2. Briefumschläge aufzureißen erzeugt ein Geräusch, das so aussieht wie eine Kettensäge.

3. Der Duft von frischem Papier, das in irgendein Einschub- oder Einzugfach gelegt wird, ist weißlich und von grauen Seidenfäden durchzogen.

4. Tippfarben habe ich bereits beschrieben und ich wiederhole gerne, wie herrlich sie sind: „…allein das Tippen auf der Tastatur, das wie eine Massage für die Sinne ist. Die Klaviatur der Buchstaben bedienen – es entstehen weite Bögen, kleine Staccato-Passagen und erhebende Augenblicke. Zum Beispiel wenn nach einigen Versuchen und unzufriedenem Löschen genau das Wort gefunden wird, das die eine Farbe annähernd beschreibt. Es ist ein weißzartes Klacken und hat sonnengelbe Tupfer bei manchen Anschlägen.“ Eventuell sind die letzten Sätze nicht besonders charakteristisch für die Tätigkeit eines Bürokaufmenschen, doch auch er wird erhabene Gefühle haben, wenn das richtige Wort für eine Geschäftsbeziehung oder etwas anderes Büroangemessenes gefunden wurde.

5. Die Stimme des Faxgerätes ist sonnengelb und wirkt äußerst gefasst.

6. Flauschfreundlich linst Kaffeeduft um die Ecke (vor dem Meeting). Das Klimpern der Tassen und Bagelteller ist tropfsteinförmig.

7. Bürokauffrau: ist liebegelb, blattgoldfarben und blau mit hellblondem Pony vor einem grauen Hintergrund. Diese Farben verschlucken das „Frau“ (eigentlich rot mit Hut und Augen).

8. Bürokaufmann: ist ebenfalls liebegelb, blattgoldfarben und blau mit hellblondem Pony vor einem grauen Hintergrund. Das „Mann“ wird davon kaum verschluckt, bleibt grau mit langen schwarzen Haaren, Anorak und Bart. (Ich habe schon erwähnt, dass meine Synästhesie etwas klischeehaft ist…).

Es gäbe noch viel mehr Argumente, die belegen, wie vielfarbig dieser Beruf ist. Allein die vielen Begriffe: „ab Werk“ und eine der französischen Schlussformeln: „je vous prie d’agréer, Monsieur le Directeur, l’expression de ma haute considération“. Lediglich das Telefonklingeln, das die Stundenfarben zerhackt, schmälert ein wenig die synästhetische Sinfonie der Bürokauftätigkeiten.

Das nächste Mal wird ein wirklich unschillernder Beruf beschrieben. Z. B. Schauspieler. Fadlilaschwarz…

Advertisements