Vier Versionen Blume.

Blanten und Blomen 10 040

Eine Blume ist eine brillante und zugleich bescheidene Naturerscheinung. Begeistert über das Wort „Blume“ schreiben, das war mein Vorhaben für diesen Samstagnachmittag, der sich mir in all seiner vollkornknäckebrotfarbigen Freundlichkeit präsentiert. Während es nach Frühlingsregen klang, der guten Art von Regen, machte sich indes Verwirrung breit.

Denn das Wort „Blume“ blieb nicht, wie z. B. Chlamydien oder andere zauberhafte Wörter, anschaubereit im inneren Raum stehen. (Vielleicht ist „Blume“ einfach zu bescheiden). Immer wenn ich dachte, so sieht „Blume“ aus, musste ich erkennen, dass das jeweilige Bild nur eine Version von Blume war. Denn gleich danach tauchte ein anderer Sinneseindruck des Wortes auf und stellt den vorherigen in Frage.

Und zwischendurch wurden noch mindestens 83 innere Bilder von realen Blumen sichtbar, Schnittblumen, Schlüsselblumen, teure Lilien und treue Geranien.

Bevor ich nun geradewegs in eine synästhetische Identitätskrise taumeln würde, blieb ich bewährt ruhig und beschloss schlankerhand, alle vier Versionen von “Blume” zu beschreiben.

1. Version: Blume ist rot und hat ein gelbes Gesicht, das nur im Profil zu sehen ist. Die Frisur ist rotlockig und sehr akkurat zurechtgeföhnt. Der Mund ist ein wenig angestrengt verzogen. Blume möchte nämlich alles richtig machen.

2. Version: Blumes Silhouette erinnert an Stiefmütterchen und entfernt an eine Kinderzeichnung auf beigem Matritzenpapier. Blasses Buntstiftgrün und auch die Blüten in Rot sind fad.

3. Version: Manchmal taucht links oben im inneren Raum ein blasslila und weißer Farbeindruck auf, wenn ich das Wort Blume höre. Dieser hat eine exzentrische Glockenform und stülpt sich kurz über mein Sichtfeld.

4. Version: Blume hat die Form einer bauchigen Teekanne. Tiefrot mit leichtlila Streifen schaut sie liebevoll in die Welt. Diese Version von Blume strahlt so viel Geborgenheit aus, dass man sich ohne weiteres an sie schmiegen möchte.

Die vier Versionen haben gemeinsam, dass sich die Blumenbuchstaben gelassen in die jeweiligen Bilder gruppiert haben. Ohne Hast. Und vor allem drängt sich keiner von ihnen in den Vordergrund. Auch das macht Blumen so sympathisch.

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