Service an die Leserschaft: Die Farbe Glamourös.

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Eine Leserin, die über ein ausgeprägtes Sprachgefühl verfügt, fragte mich, wie das Wort “glamourös” in meinen Augen aussehe. Beste Wortwohlgefühle löse es in ihr aus (sinngemäß so etwas wie Heimeligkeit, warme Schauer und innige Aufregung; leider war ich aufgrund eines schicksalshaften Vorfalls zu unkonzentriert, um mir den genauen Wortlaut zu merken, doch ungefähr so wird es gewesen sein).

Das Gl zumindest dürfte mir gefallen, mutmaßte sie, und außerdem gehe das Wort verdächtig in Richtung Chlamydien, wenn diese, wie seinerzeit vermutet, mit K beginnen würden.

„Glamourös“ wirkte zunächst unbeschreiblich (die Farbe betreffend), doch ich fand ein Foto in meinem Archiv, das den Ton und auch die Form des Wortes nahezu tadellos trifft.

Man stelle sich nun noch die eher dunklen Buchstaben vor diesem Hintergrund vor und schon ist man ein Gast in meinem inneren Raum. (Herzlich willkommen, es gibt auch ein Sofa, auf dem sich schon eine illustre Gesellschaft befindet!)

Das Wort ist übrigens kein Wesen mit Augen und Charakter, sondern zur Abwechslung einfach mal nur mehrfarbig mildschillernd.

Doch – was sehe ich da? Ein Wort will gründlich angeschaut sein, wenn ich es schon im inneren Raum festhalte. Und betrachte ich das Wort genauer, muss ich feststellen, dass das “rös” ganz unglamourös in Beige und Ocker gehalten ist!

Was für eine eigenwillige Farbkonstellation! Beige und Ocker – damit diese Kombination glamourös wirkt, müssen die Farben von einer äußerst erprobten Diva getragen werden, die Mondänes tut, trägt und denkt.

Z. B. von Berlin. Und da Berlin zumindest bei mir Heimeligkeit, warme Schauer und innige Aufregung auslöst, schließt sich hier der synästhetische Kreis.

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2 Gedanken zu “Service an die Leserschaft: Die Farbe Glamourös.

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