Rekonvaleszenzgedanken.

„Für unsere Zuschauer aus Österreich und der Schweiz“.

Dieser Satz schallt immer mal wieder durch Funk und Fernsehen. (Seit es „Wetten dass“ nicht mehr gibt, ein bisschen weniger oft). Dass diese Phrase sogar geographische Vorstellungen prägen kann, zeigt folgendes Beispiel:

Auf meiner inneren Landkarte liegt das grüngelbe Österreich westlich von der Schweiz. Eben in der Lese- oder Hörrichtung. Die Schweiz ist weißgrau mit Streifen, hat eine rotweiße Weste an (!) und trägt stolz einen Gamsbart. Beide Länder haben im Hintergrund graue Berglandschaften. Österreich liegt auf einer grünen Wiese und hat etwas mildes, österliches an sich. Wien leuchtet goldgelb strahlend mit einem ehrwürdigen graubeigen W aus der Mitte heraus.

Möglicherweise wird nun deutlich: Synästhetische Geographie kann klischeehaft sein.

Da ich natürlich eines Besseren belehrt wurde und auch ein Blick in den Atlas mich nahezu überzeugt, setze ich die Schweiz immer wieder nach links. D. h. dass die Schweiz ständig umzieht. Und dann doch wieder, sehr eigensinnig, zurückschellt.

Ich hoffe, dass meine sehr sympathische Leserschaft aus der Schweiz und aus Österreich mir diese Verwechslung verzeihen wird.

Die gute Nachricht ist: Wir können alle Ruhe bewahren, gerade so als wären wir gemeinsam in der Sauna, denn ich bemühe mich ab sofort um eine Korrektur meiner inneren Geographie durch folgende Maßnahmen:

1.  „Aus der Schweiz und aus Österreich“ ersetzt nun „Aus Österreich und der Schweiz“ in meinem Sprachgebrauch. Auch wenn die neue Version durch das doppelte „aus“ etwas sperriger klingt. Da ich erst vor kurzem einen Geburtstagswunsch geäußert habe, erscheint es mir übertrieben, mir diese neue Satzstruktur nun auch noch von anderen Menschen zu wünschen.

2. Regelmäßige Besuche im Atlas werden mich zusätzlich an die Realität heranführen. Diese Maßnahme dient auch dazu, mich davon zu überzeugen, dass Griechenland weder türkeigroß ist, noch zur Hälfte den Iran bedeckt. Und dass Kiel lange nicht so riesenhaft ist, dass es weite Teile Dänemarks auch nur im Ansatz überschatten könnte.

3. Mehrere Helikopterflüge über beide Länder sind in Planung, damit ich mir vor Ort ein „Bild von der Lage“ machen kann. Eventuell muss ich dafür erst noch ein höheres politisches Amt ergreifen. Ob Synästhesie als Qualifikation dafür ausreicht, wird man erst wissen, wenn ich mich zur Wahl gestellt habe.

Eine Parteizugehörigkeit wird schwierig für mich (wegen der Farben). Eine eigene Partei zu gründen, kommt mir – bei aller Liebe zu meiner Leserschaft aus der Schweiz und aus Österreich – aufwendig vor. Doch wenn, dann wäre sie gallensteinfarben. Und so wäre auch ihr Programm. Bedrohte Wörter retten, Zahlenräume flexibilisieren, Max Goldt for President – das wären die ersten Maßnahmen, die ich nach der Wahl ergreifen würde. Versprochen.

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