Gezeichnete Synästhesie: Auch böse Wesen kennen Lieder.

IMG_4360 Dieses Bild ist der Versuch einer Karikatur dessen was ich sehe, wenn ich Kopfschmerzen empfinde. Es sind Wehklagenfarben darin enthalten, und das gesamte Schmerzwesen ist breit und zugleich kreisförmig.

Ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, dass auch Schmerzen ihre eigenen Farben und Gesichter haben. Falls nicht: charakteristisch für sie ist, dass ihnen jeglicher Humor fehlt. Sie treiben daher im Gegensatz zu Monaten und anderen Wortfreunden keinerlei Schabernack.

Schmerzwesen betreten den inneren Raum, schauen sich zufrieden um, wollen sich gar auf ein Sofa legen. Dass dort schon diverse Schneewörter, Wörter mit K und Schlüsselmomente Platz genommen haben, stört sie nicht.

Aufdringlich verscheuchen sie alle liebreizenden Wörter und stoßen wüst sogar den absolut harmlosen Schmand beiseite, der sich gerade vor einem Wandspiegel Geschmeide umlegt.

Könnte ich wählen, lüde ich lieber die Horrorkonsonantengeschwister fein zum Essen ein, als das Kopfschmerzwesen auf dem Sofa zu bedienen. Eine Tablette will es natürlich nicht. Lieber bleiben und allen Beteiligten auf den Geist gehen.

Und wenn Brahms hinzugebeten wird in der Hoffnung, dass es durch Musik vertrieben werden kann, dann verzieht es nur lakonisch sein Gesicht. Und beginnt plötzlich seinerseits laut zu singen. Presslufthammersongs.

Selbst Max Goldts Zeilen, die sonst immer für Ordnung im inneren Raum sorgen, verblassen in diesem Chaos.

Wie schön es ist, wenn die Kopfschmerzen weiterziehen: ein großes Farbaufatmen und Wesensglück, nicht zuletzt weil dann endlich das Sofa wieder frei ist.

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2 Gedanken zu “Gezeichnete Synästhesie: Auch böse Wesen kennen Lieder.

  1. […] Weite und Grau sehen, so dass der innere Raum aufgeräumt werden kann. Das machen die Farbwesen und Wortfreunde glücklicherweise allein, doch dafür brauchen sie Ruhe. Niemand mag gerne beobachtet werden, […]

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