Das L in der Windmaschine oder: es gibt einen Namen!

IMG_4270 Die aufmerksame Leserschaft wird bemerkt haben, dass meine Texte bevölkert sind mit Wesen und Farbfreunden, Wochentagsdiven und Horrorkonsonantengeschwistern; Zahlen sind Frauen oder Männer, es gibt Monate, die ich sieze und außerdem den einen oder anderen Adeligen.

Diese Wesen waren für mich stets so selbstverständlich wie Atmen. Ich wusste nicht, dass lange nicht jeder Mensch, der mit Synästhesie lebt, auch zahllose Gestalten dieser Art sieht. Dass viele einfach „nur“ Farben wahrnehmen, wenn sie ein Wort, eine Zahl oder Musik hören, war mir bis vor kurzem nicht bewusst.

Dass es nun also Menschen gibt, die synästhetische Farb-Wörter-Kompositionen ohne Gesicht oder zumindest auch nur eine Ponyfrisur sehen, ist für mich genauso neuartig, exotisch und aufregend wie die Erkenntnis, die mich mit Anfang 20 befiel: nämlich dass nicht alle Menschen Farben in ihrem inneren Raum sehen, wenn sie Wörter hören und dass dieses eher seltene Phänomen „Synästhesie“ heißt.

Die Variation von Synästhesie bei der Wörter, Jahreszeiten, Zahlen und Wochentage menschliche Eigenschaften und sogar Geschlechter zugeordnet bekommen, heißt:

Ordinal Linguisitic Personification; eine deutsche Zusammenfassung der Studie befindet sich hier.

Kennzeichnend ist dabei, wie auch bei den anderen Synästhesieformen, die Unfreiwilligkeit und die Konsequenz – es ändert sich nichts an den Erscheinungen – die Figuren bleiben lebenslang so wie sie aussahen, als sie sich das erste Mal vorstellten.

Da mir der Begriff erst kürzlich zum ersten Mal ins Sichtfeld spazierte, ist eine Farbwesenanalyse Ehrensache:

Das O des Ordinal hat auf jeden Fall ein Auge. Ordinal ist elefantengrau mit einigen Rüsselfaltenschatten.

Personification: grau-moosgrün mit einem prägnanten, vaterfarbenen P (graublau).

Linguistic ist ein hellblauweißes Wesen, ebenfalls mit einem Augenfleck; das L hat eine ähnliche Frisur wie die linke Playmobildame auf dem Foto, doch das Haar weht harmonisch nach links, gerade so als stünde das L in einer Windmaschine.

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3 Gedanken zu “Das L in der Windmaschine oder: es gibt einen Namen!

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