Wenn Wörter sich wichtig machen und ich mir eine Titelstruktur bei schleimbeigefarben schreibenden Journalisten leihe.

Vor kurzem beschwerte ich mich leidenschaftlich über das Wort “reißen”, weil es sich so dramatisch grellgleißend in meinem inneren Raum aufführt. Doch sind die Funkelwesen offenbar nicht die einzigen Wörter, die sich wichtig machen. Zumindest wenn man Sprachexperten glaubt.

IMG_4289 Ausschnitt aus dem inneren Raum (Symbolfoto).

Unten rechts auf dem Foto sieht man ein sogenanntes “Blähwort”. Solch einen kleinen Wichtigtuer zu identifizieren und einen Text von ihm zu verschonen – das wäre vollkommen – doch wer ist schon perfekt? Keinesfalls darf jedoch – so postulieren diverse Ratgeber – z. B. in einer Bewerbung ein Blähwort vorkommen. Oder in anderen Textsorten, die Informationen ans Gegenüber vermitteln sollen. (Reißerisch und aufgebläht ist auch der Titel dieses Artikels. Denn mir erschien der schleimbeigefarbene Stil passend, wenn es nun schon um Verdauungsprobleme in der Sprache geht.)

Aus synästhetischer Sicht sind Blähwörter, solange sie gut aussehen und nicht zu sehr funkeln, absolut unbedenklich. Teilweise sind sie sogar äußerst sympathisch (s. Foto). In der Synästhesie ist die sprachliche Information eben eher Nebensache.

In diesem Blog tummeln sich daher hunderte von Bläh- und Füllwörtern, die ihr Wesen treiben. Ich kann ihnen kaum wiederstehen: gänzlich (grünblau), außerdem, allesamt… habe ich das sanfte “allesamt” schon verwendet? Es klingt wie der Name einer Waldfee. Wenn nicht, dann bald.

Auch wenn diese Wörter die Texte aufblähen – in einem Blog über Synästhesie sind sie herzlich eingeladen, sich hervorzutun und einzubringen. Zumal sie eigentlich nie Süppchen-ü-orangefarben sind.

Jetzt tun mir die dramatischen Wörter doch ein wenig leid. Denn wäre der innere Raum ohne sie nicht ein wenig langweilig? Und in ihrem Schatten können die unauffälligen Ponyfrisuren-Gesellen im Hintergrund herrlich ihren dezenten Schabernack treiben.

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2 Gedanken zu “Wenn Wörter sich wichtig machen und ich mir eine Titelstruktur bei schleimbeigefarben schreibenden Journalisten leihe.

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