Läuft bei dir.

Fotokurs28.1 169 “Läuft bei dir” wurde zum Jugendwort 2014 gewählt, was an mir gänzlich vorbeigegangen ist. Die Aussage ist laut STERN ein Synonym für “cool” und “Du hast es drauf”. Letzterer Satz wird in meiner Welt eher mit ironischem Unterton versehen, doch “Läuft bei dir” soll wohl vollkommen unironisch verwendet werden. Im Gegensatz zu Platz 2: “Gönn dir”, das sowohl ehrlich als auch ironisch gemeint sein kann, wovor der STERN eindringlich warnt.

„Läuft bei dir“ schimmert hellgrau, hellblau und hat leicht gelbliche aber noch mehr weiße Anteile (bei den Punkten über dem Ä).

Aus folgenden synästhetischen Gründen finde ich “Läuft bei dir” sehr ästhetisch:

1. Er ist einer jener Sätze, die sich nicht wie Schnabelsätze verhalten und unaufhörlich bewegen, obwohl die Bedeutung ja eine gewisse Dynamik beinhaltet. Das ist ein reizvoller Kontrast.

2. Es ist ein Panoramasatz, der ganz still hält, mit vielen weißen Flecken um das graue L herum und mit einem weiten, grauen und himmelblauen Hintergrund.

3. Das L ist grauweiß und schwesterngeborgen schaut es in den Satz hinein. Viele gute und durchaus gebräuchliche Sätze beginnen mit L.

Zum Beispiel:

Lust auf Kaffee?

Lieben? Ich? Dich? Aber selbstverständlich!

Longdrink gefällig?

Lass nur, ich mach das gern!

Langsam, langsam, wir haben Zeit.

Langeweile? Dann war der Urlaub lang genug!

Landunter! Doch wir sind ja hier drinnen.

Laterne laufen? Der Lenz ist doch längst eingetroffen.

Und 4. Das Ä ist mir ja sowieso gewogen.

Läuft bei dir. Läuft bei dir. Läuft bei dir.

Selbst bei mehrerfachem Hintereinandersagen bewegt er sich nicht, der Satz. Das Schwestern-L steht da, wo es immer schon steht. Links im inneren Raum. Unverwüstlich hellgrau mit weißen Flecken drumherum (ob es Blüten oder Tränen sind, ist von hier aus nicht zu erkennen).

Ergänzung: Sagt eigentlich noch jemand „Du Lauch“? Und hat das überhaupt je jemand gesagt?

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5 Gedanken zu “Läuft bei dir.

  1. […] Doch heute Morgen schaute ich mir die übertürmten Tage an, die vor und hinter mir liegen, und mir wurde schlagartig klar: In meinen Stimmungen pendeln immer Tagesfarben mit. Die Tatsache, dass ich mich heute per se dienstagsgelb fühle, bevor die anderen Gefühle dazu kommen, hat schon manchmal etwas leicht lästiges, vor allem, wenn es nicht so läuft. […]

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