Unsere Mitarbeiter sind stets bemüht, die deutsche Sprache zu erweitern.

Eine treue Leserin brachte mir aus ihrem Urlaub neue Wortfreunde und Satzwesen mit. Es gibt kaum ein schöneres Mitbringsel für mich als diese wundersamen Figuren, die meinen Wortfreundeskreis erweitern und bereichern.

Offenbar ist das den Hotelbetreibern bewusst, denn in einer Hotelbewertung wurde folgendermaßen auf eine Beschwerde reagiert, in der jemand seine Traurigkeit darüber zum Ausdruck brachte, dass er nicht verstanden wurde: „Das tut uns sehr leid. Unsere Mitarbeiter sind stets bemüht, die deutsche Sprache zu erweitern.“ Dieses Bemühen sehe ich, schätze es sehr und möchte mich dafür heute aus synästhetischer Sicht einmal ganz offiziell und sehr herzlich bedanken.

„Armförmiges Gebäck mit Kartoffelfüllung“ gab es in dem Hotel meiner Leserin. Gleich fragte ich mich: ist es ein gerade ausgestreckter oder ein angewinkelter Arm? Hat das Gebäck ein Gelenk in der Mitte gleich dem Ellenbogen? Das Wort Arm ist an sich ja blau. Ist das Gebäck auch blau? Und wieso ist Gebäck mit Kartoffel gefüllt? Armförmige Gedanken sprudelten nun unerschöpflich hervor und brachten neue Realitäten ans Tageslicht.

Aus synästhetischer Perspektive sind übersetzte Wörter und Sätze, die aus grammatischer, semantischer und lexikalischer Sicht nicht ganz korrekt sind, oft das Schönste, was passieren kann. Ob diese „Pannen“ nun durch einen Computer oder durch einen um Service bemühten Hotelmitarbeiter entstehen: meistens bringen sie doch allen große Freude. Und es gibt zum Glück Satzsammler und Wortliebhaber, die diese „Pannen“ in Büchern unterbringen. Und damit dazu beitragen, dass man sich Fragen stellen kann, auf die man sonst nie gekommen wäre.

Wenn Gott z. B. die Königin speichern würde (Quelle: siehe Link)  – an welchem Ort würde er das tun? Arbeitet er noch mit Festplatte oder hat er schon eine Cloud? In welchem Zustand würde er sie speichern? Und – kann ich bitte, bitte eine Kopie bekommen?

Ein weiteres Satzwesen, das die Leserin mir mitbrachte, fand sie am Eingang zur Sauna in ihrem Hotel: “Be quiet, please” wurde schlankerhand zum würdevollen “Bitte Ruhe bewahren”. Bitte Ruhe bewahren. Der Satz hat synästhetisch gesehen eher dunkle Farben (blau, braun, dunkelgrau) und eine eigenartige Dynamik – so als würden die Hände der Buchstaben eine beschwichtigende Geste machen.

Unabhängig davon: Was für ein guter und richtiger Hinweis! Ruhe bewahren ist besonders dann wichtig, wenn man sich freiwillig in einen fensterlosen Raum begibt, der mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und Hitze ausgestattet ist. Und als wäre das nicht genug der Aufregung, ist man auch noch unbekleidet und konfrontiert mit anderen Unbekleideten. Ruhe bewahren ist das A und O in so einer Situation.

Und wenn nebenbei noch die deutsche Sprache erweitert wird, man sein armförmiges Gebäck mit Kartoffelfüllung isst und sich Gedanken darüber macht, dass Gras auch Leben hat, wie in China bekannt wurde („Little grass has life, please watch your step“), dann ist das Leben doch für einen Moment schnurschön und umfassend geborgenheitsfarben.

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7 Gedanken zu “Unsere Mitarbeiter sind stets bemüht, die deutsche Sprache zu erweitern.

  1. […] Es gibt Sätze, die bewegen sich in einem Fort durch den inneren Raum. Sie haben oft einen Schnabel oder auch Locken. Wie die Gliederpuppe, die hier auf einem Bein ein wenig überkandiedelt durch meine Skizze tanzt. Es sind Sätze, wie der gut gemeinte Sauna-Ratschlag “Bitte Ruhe bewahren”. […]

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