Service an die Leserschaft: Der (Amphibienbestimmungs)-schlüssel zum Glück.

Einer der schönsten deutschen Sätze wurde einst von Max Goldt gefunden und zitiert. Und ich darum gebeten, über ihn zu schreiben. Er stammt aus dem Hohlspiegel (DER SPIEGEL 38/1997):

Aus dem Fachmagazin UMWELT:

‚Jeder kennt die Situation: Man steht bis zu den Knien im Feuchtbiotop, da fällt der Amphibienbestimmungsschlüssel in den Schlick‘.“

Auf die synästhetischen Knie möchte ich fallen vor diesem Satz. Er ist so schnurfarben, dass es in meinem inneren Raum zu schneien beginnt. Er ist so überaus das Gegenteil von schleimbeigefarbenen Journalistenphrasen wie „Synästhesie – wenn Schokolade nach Grünspan klingt“. Er ist mehr als Panoramawörterglück, wie etwa Rhabarbermarmelade.

Ein Meisterwerk ist dieser Satz. Ein synästhetisches Feuerwerk – ganz unabhängig von dem nicht minder glorreichen Inhalt.

Es ist ein Konglomerat aus Gelbtönen (von einem zarten Denktagebuchbeige, hin zu einem Freitagsgelb, senfgelb über Liebegelb hin zu Dienstagsgelb), weißblauschwarzen Stäben, Blitzerndleise-Lachsfarben, Sachlichgrün und Schlickweiß (das ist etwas schmutziger als weiß, aber dennoch weiß).

Amphibienbestimmungsschlüssel: internationale Farben, nämlich Türkischblattgold, Polnischgrün, Englischhimmelblau.

Und wer kennt sie nicht, die Situation, dass der Schlüssel zur (Glücks-)bestimmung im Schlick liegt, doch bevor es jetzt zu metaphorisch und semantisch wird, greife ich rasch zum Amphibienbestimmungsschlüssel und schließe diesen Beitrag würdig und synästhetisch sauber ab.

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3 Gedanken zu “Service an die Leserschaft: Der (Amphibienbestimmungs)-schlüssel zum Glück.

  1. […] Innen abschloss. Das Geräusch war graubraun und machtrot. Fast so erhebend, als hätte man einen Amphibienbestimmungsschlüssel gefunden. Doch eben nur fast, denn draußen rief schon eine Hellweißgraustimmlerin und verwies auf […]

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