Schnee statt Schmach: noch mehr Wortgeschenke eingetroffen!

Auch meine Leserin aus dem medizinischen Bereich hat sich fachgerecht mit dem Chlamydien-Problem auseinandergesetzt und mir neue Wörter mit K und sogar Kl geschenkt. So bin ich noch viel weniger traurig als neulich schon (als ich so herrliche Wörter wie Klavikula-Fraktur und Klasmatose geschenkt bekam) und denke, dass ich die Chlamydien jetzt getrost für immer loslassen kann.

Zudem bin ich überaus aufgeregt, denn ich habe von ihr ein Wort bekommen, das ich noch gar nicht kannte. Ähnlich wie Baron von Kleckewitz ist es neu für mich, jedoch ein ganz klein wenig flexibler einzusetzen und vor allem ist es blaugelb, doch insgesamt eigentlich kaminrot!

Klandestin: „Heimlich“, „diskret“ und „geheim“ können als Synonyme verwendet werden, so http://neueswort.de/klandestin/. Es gehe um etwas „im Verborgenen befindliches“. (Insofern passt es nicht nur synästhetisch sondern auch thematisch hervorragend zu Chlamydien).

Klimpern: sollte bekannt sein. Mit den Augen will ich dem Wort zuklimpern, denn es ist sehr beweglich und hat etwas zartgelbbeiges an sich, ähnlich wie der Wortteil „Denk“ in Denktagebuch. Diese Farbe ist im Übrigen überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Schleimbeigefarben mancher Journalisten.

Klitsche: Klitschen werden gemeinhin von irgendwem betrieben. Dieses Wort ist eher etwas für den zweiten Blick. Klitsche ist weißgelb und hat ein wenig Ähnlichkeit mit fein und frisch ohne Mund und Ei. Es hat etwas schneevolles im Mund, daher gefällt es mir besser als ich auf den ersten Blick gedacht hätte.

Kleie: freitagsgelb und unspektaktulär, daher nicht in der engeren Auswahl. Ursula von der Leyen ist hier mit von der Partie, wohl eher aus Reimwortgründen.

Klamm: irgendwie schwarzrot, doch eigentlich blau. Klamm ist erstsilbig verwandt mit Chlamydien, doch wird es mit dem wunderbaren K geschrieben und daher geht es schon sehr in die richtige Richtung.

Klumpfuß: Dieser ist aufgrund der Ballung von Konsonanten in der Mitte und zwar der Horrorkonstellation PF bedauernswerterweise nicht ansatzweise denkbar als Ersatz für Chlamydien.

Kleeblatt: Klee ist auf jeden Fall gelborange und -blatt ergänzt es mit einem schönen dunkelblau und zusammen ist die ganze Angelegenheit recht erfrischend im Mund, denn es sind die guten Konsonanten dabei. Diejenigen, die Schnee statt Schmach produzieren.

Kraxe: mit einer sanftschwarzgraublauen Kraxe lässt es sich gut kraxeln. Aufregend! Kraxe hat das anregende x, das bis jetzt in diesem Blog viel zu kurz gekommen ist, und das blitzt silberlaut auf und schmiegt sich zugleich sanft an den Gaumen.

Crux: Leider stört hier das U, so dass mich Crux nicht so glücklich macht, wie es mich machen könnte, zu rot ist es und das x wird davon überdeckt, sehr schade, wirklich.

Kross: ja, das Wort wäre mir sehr entgegengekommen, hätte ich es vor Kraxe gestellt, so wirkt es eher wie ein freundliches, zuverlässiges doch nicht ganz so aufregendes Mauerblümchen, das auch zum Tanzen aufgefordert werden möchte, in den 60er Jahren natürlich, lang ist es her und ein Backfisch ist es auch noch.

Mit welchen Wörtern ich in die Sommerfrische fahren würde (auch ein bedrohtes Wort übrigens, dass ich der Leserschaft mehrfach unterjubeln werde und bereits untergejubelt habe): Kraxe, klimpern, kandestin. Natürlich auch Klavikula-Fraktur, klecksen und Kleckewitz, denn einen schneidigen Baron kann man immer brauchen.

Das wird eine illustre Reise mit diesen verschiedenen Kleinodien. Famos geradezu! Ohne Traurigkeit und Chlamydien, dafür mit allerlei Zierrat an Wörtern im Gepäck geht es los und vielleicht gibt es auch einen Besuch im Lichtspielhaus, und wer weitere bedrohte Wörter entdecken konnte, bekommt einen Preis.

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