Wenn Journalisten schleimbeigefarben schreiben.

Es ist auffällig, dass überdurchschnittlich viele Artikel über Synästhesie, die online zu finden sind, folgende grammatische Struktur aufweisen. Synästhesie: wenn… Wahlweise mit Bindestrich.

Eine Auswahl:

Kategorie „seriös“:

Synästhesie – wenn die Töne Farben haben.

Wenn Klänge zu Farben werden.

Synästhesie – wenn Zahlen Farben haben.

Wenn Buchstaben farbig werden.

Wenn schwarze Lettern eine Farbe haben.

Kategorie „sphärisch“:

Wenn nichts ist, wie es scheint.

Kategorie „rot“:

Wenn das „A“ immer rot ist.

2+3=Rot! Wenn Farben, Zahlen und Buchstaben korrelieren. (Dieser Titel korrespondiert immerhin stark mit meiner Einstellung gegenüber der Mathematik (und Geographie)).

Kategorie „Musik“/ „Tierstimmen“:

Phänomen Synästhesie – wenn ein Lied lilafarben klingt.

Synästhesie – wenn Musik sichtbar wird und Zahlen Farben haben.

Ein Leben mit Synästhesie: Wenn Worte riechen und Musik bunt ist.

Wenn der Hund gelb bellt.

Kategorie „textil“:

Synästhesie: Wenn sich die Sinne vermischen. (Hier geht es gar um Kord!)

Synästhesie: Wenn Seidenstoff glücklich macht.

Kategorien „kulinarisch“/ „Schmerz“/ „geometrisch“:

Synästhesie. Wenn Musik nach frischer Minze klingt.

Synästhesie: Wenn Zahlen farbig schmecken.

Wenn Pfeffersauce dreieckig schmeckt.

Wenn das Huhn nicht eckig genug schmeckt.

Wenn Schokolade blau schmeckt und sich Zahnschmerzen dreieckig anfühlen.

Kategorie „kannibalistisch“:

Synästhesie: Wenn Wörter Menschen schmecken.

Sehr anregend. Ich habe noch ein paar Vorschläge:

Synästhesie: Wenn A+B=Samstag ist.

Synästhesie: Wenn ein hartgekochtes Ei nach Freitag schmeckt.

Synästhesie: Wenn die Gondeln Locken tragen und Venedig ein Braten ist.

Synästhesie: Wenn die U-Bahn sich siebeneckig anfühlt und der Zahnschmerz nach Beethovens Neunter klingt.

Synästhesie: Wenn sich nach einem Text über Synästhesie von Max Goldt gesehnt wird.

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3 Gedanken zu “Wenn Journalisten schleimbeigefarben schreiben.

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