Bedrohte Wörter retten.

Es gibt Wörter, die vorm Aussterben bedroht sind, so Anne Hemmes in

http://www.sueddeutsche.de/kultur/vom-aussterben-bedrohte-woerter-pardauz-ein-quacksalber-1.1817525 (vom 14.11.2013, Stand 1.2.2015).

Als Synästhetikerin fühle ich mich verpflichtet, ihnen Gehör und ein Gesicht zu verschaffen.

Blümerant.

Ein schönes Wort für eine leichte Übelkeit, denn: es ist leuchtgold, pastellorange und klassisch gelblich und steht somit in starkzartem Kontrast zu dem Gefühl, das es beschreibt. Leichte Übelkeit sieht grau aus. Einfach nur grau (der Zustand, das Wort ist eher orängelich mit himmelblauen Flecken).

Kommod.

Heimelige Freuden, Gemütlichkeit, draußen sporadisch Schnee, drinnen Heizung und eine Kommode, die Dinge beherbergt, die Häuslichkeit hervorbringen. Kommod ist ein schwarzbraunes Wort – gemütlich ist viel grünschöner und hat rote Punkte, daher bleibt es mein Lieblingswort für den kommoden Zustand. Doch kommod ruft außer schwarzbraun noch die 60er Jahre hervor und Bilder von klaren Vorstellungen, fröhlichen Backfischen, Wohlstand und Verdrängung und somit einer gewissen Heimeligkeit und Zigarren – deswegen ist das Wort durchaus einsetzbar.

Und nun noch ein Begriff, den ich nicht kannte, daher zitiere ich direkt aus dem o.g. Artikel:

„schlampampen – Dieses Wort lässt an Schlabberlatz oder schlabbern denken und damit liegt man fast richtig. Es bedeutet ‚schlemmen‘. Eine schöne Version für solch lukullischen Genuss.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Als Variation zu ‚brunchen‘, das im Gegensatz dazu nach hartem Brot und trockenem Müsli klingt.“

Zunächst einmal beherbergt das Zitat gleich zwei Wörter, die blau sind und selten sind Wörter blau mit weißen Endsilben: Schlabberlatz und schlabbern.

Brunchen ist rot mit orangenen Anteilen und klingt für mich daher eher nach einer dickbauchigen, alten Teekanne mit 70er-Jahre-Kornblumenmuster als nach Brot und Müsli.

Schlampampen: nicht einfach. Grauschwarzweiße Masse und wer schlemmen mag, wird schlampampen vielleicht sogar lieben. Doch „schlemmen“ sieht für mich schleimbeigefarben aus und „schlampampen“ macht den Mund so massevoll, dass an eine, dann noch womöglich gesellige, Nahrungsaufnahme nicht zu denken ist. Es fehlt dann gerade noch, dass jemand eifrig ruft, lass uns gemeinsam schnabulieren, und jemand antwortet, ja, das Buffet lädt ein zum Schlampampen!

Kommod würde sich das alles nicht anfühlen und eventuell würde eine leichte Blümeranz sich meiner ermächtigen, dann müsste ich zu einem Quacksalber, mit dem würde ich besprechen, was für Haderlumpen doch manche Wörter sind, und somit habe ich fast alle Wörter aus dem o.g. Artikel untergebracht und meinen Beitrag zur Worterhaltung für heute geleistet.

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