Service an die Leserschaft: Wörter, an denen lieber immer seitlich dran vorbeigegangen wird.

Meine orangefarbene Freundin (mildes pastellorange, freundlich, nicht zu verwechseln mit dem aufdringlichen Süppchen-ü-orange!) begegnet auf ihren Streifzügen durch den Alltag regelmäßig zwei Wörtern, die großes Unbehagen in ihr auslösen. Seitlich dran vorbeigehen wäre in diesem Fall nicht aus Zeitgründen dringend notwendig (wie z. B. bei so verführerischen und daher zeitraubenden Wörtern wie Schnur, Klamydien oder Denktagebuch), sondern aus Gründen des Wohlbefindens höchst ratsam. Doch ist dies nicht immer möglich, und es birgt auch einen gewissen Nervenkitzel, sich diesen Wörtern zu nähern und dann das Gesicht zu verziehen und zu sagen: nein, das geht doch einfach nicht!

Beide Wörter stehen in der Welt, sind sichtbar und unumgänglich. Denn: es sind Firmennamen. Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, dass Menschen sich etwas dabei gedacht haben, Produkte, die gekauft, viel mehr noch, die GEGESSEN werden sollen, so zu benennen.

Wie beim bereits bekannten Schleimpfropf ist sich beiden Wörtern behutsam zu nähern. Was haben sie gemeinsam? Beide haben zwei Silben. Die Silbe des ersten Begriffs ist

Mund-.

Mund ist zunächst zwar nicht so dunkellila wie Mond und Montag, sondern besteht aus rotschwarzen Farbtönen und hat ein graues, eingefallenes Gesicht mit Dauerwelle, das von rechts in das Wort hineinschaut. So ist es keine Schönheit, aber fällt auch nicht weiter als besonders negativ auf. Nun kommt die zweite Silbe dazu:

fein.

Fein ist für sich betrachtet gar nicht so schlimm. Es ist gelb mit einem dezenten pfirsichblütenbarbiekleidfarbenen Ton. Fein hat einen grauen Schatten. Es hat jedoch auch etwas Gemeines und Spitzes im Auslaut, zuviel Nein schwingt in Fein mit und deswegen soll man zu Hunden ja auch nicht Fein sagen, weil sie dann Nein nicht mehr verstehen.

Beide Silben zusammen verengen den Mund nach vorne hin und führen überdies zu einer Pizzawerkstatt; die wiederum ist auf dem Arbeitsweg der Orangefarbenen zu sehen und somit eine Zumutung.

Das zweite Wort steht für eine Biomarke und daher doch eigentlich für eine feine Sache (aber nicht mundfein!). Die erste Silbe beschreibt das Produkt, das in jedem nicht-veganen Haushalt zu den bewährten Klassikern gehört und in jeglicher Form Verwendung findet (ah gut, es sind noch welche da, wird oft gesagt, und bestimmt öffnen gerade in diesem Moment schätzungsweise 484 Menschen in Deutschland gleichzeitig die Kühlschranktür und rufen den eben erwähnten Satz bestätigend in Richtung einer anderen Person, die dann antwortet, gut, dann mache ich Pfannkuchen):

Ei-. Ei ist cremefarben. Schlicht und einfach. Es hat leicht himmelblaue Anteile, doch hauptsächlich ist es cremefarben.

Das Wort allein wäre ja in Ordnung. Doch nun kommt ein Partner dazu, der merkwürdig raschelt:

frisch. Frisch gibt Geräusche von sich wie eine Knistertüte. Frisch ist sehr hell und hat blonde Locken. Das Wort frisch allein ist synästhetisch gesehen gar nicht besonders herausfordernd, es weckt lediglich Misstrauen, wenn es heißt „Frischer Salat“ sei verfügbar heute und ansonsten lässt es einen in Ruhe.

Doch als Pärchen verwandeln sich Ei und -frisch in äußerst anstrengende Gäste, werden grellgelb, das dezent cremefarbene verschwindet im Nichts. Zusammen geben sie auch nichts leise raschelndes von sich, sondern werden groß im Mund und haben bedenkenkliche Ähnlichkeiten mit dem Wort Käse. Und all das werden sich die Hersteller und Namensfinder nicht gedacht haben und deswegen muss meine orangefarbene Freundin weiterhin versuchen, nicht hinzuschauen, doch Wörter haben ja die Eigenschaft, sich breitzumachen und unvergesslich zu werden, und man kann doch auch nicht wegen eines Namens Eier aus Käfighaltung kaufen, das wäre ungefähr so, als würde sich Schmand Geschmeide umlegen und daher nun wirklich übertrieben.

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