Schneewörter.

Schnee fällt sporadisch vom Himmel und daher ist es naheliegend, sich anzuschauen, wie das Wort Schnee aussieht. Dazu muss man wissen, dass Wörter mit Sch- in Verbindung mit bestimmten Konsonanten ein reizvolles Gespann bilden.

Da wäre z. B. das Wort Schnur. Es ist rotschwarz (mit Locken). Es passiert weit vorne im Mund und wird viel zu selten verwendet, denn eigentlich hat es einen Wohlklang, ähnlich dem von Schnee. Thematisch ähnlich, doch weitaus lockiger ist die Kordel. Kordel ist bastkorbfarben mit einem so strahlenden hellgrünen Streifen im Hintergrund, wie es viel zu selten in Wörtern vorkommt. Ist ein Satz vorstellbar, in dem beide Wörter vorkommen?

„Reich mir doch einmal die Schnur, bitte! Ach nein, doch lieber die Kordel!“

Wenn jedoch das mittlerweile berüchtigte ü ins Spiel kommt, ist es aus mit Wohligem.

Schnüren. Es verengt die Kehle, zuschnüren, abschnüren, das alles schwingt mit; das laut leuchtende ü-orange verwandelt Schnur in Enge, Atemlosigkeit und allgemeine Unzufriedenheit.

Zurück zum Schnee. Dazu ist anzumerken, dass der englische Partner Snow schwarzgrau ist mit einem weißen Blitz im Auslaut. Und Schnee? Die Form gleicht der einer Qualle. Der Buchstabe S verschwindet in der quallenförmigen Gestalt, die auch ein bisschen aussieht wie eine Wolke, wenn Kinder sie malen. Und die Farbe dieses Gebildes ist schneeweiß mit hellgrauen Flecken.

Ein weiterer Wortfreund, der mir bei Schnee einfällt, ist der Schnabel. Schnabel ist erhaben und von der Seite schaut ein Schwan herein in das Wort – das dann jedoch eher platt und vielerlei pastellfarben ist.

Die synästhetische Kette, wenn Schnee fällt, führt abschließend zu Schmand. Schmand – ein rotgraues, äußerst elegantes Gebilde, vornehm in der Haltung und mit einem langen Hals. Fast trägt Schmand noch Geschmeide (gold und liebegelb), doch eben nur fast, denn es wäre doch etwas übertrieben für sein Empfinden.

Schneewörter

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