Über das Ä, über Max Goldt und ohne Zitate.

Was über Max Goldt schreiben. Aus zwei synästhetisch motivierten Gründen:

1. Ein Schriftsteller, der ein Buch mit dem Titel „Ä“ veröffentlicht, sollte selbstverständlich in einem Blog über Synästhesie vorkommen.

2. Er erschafft in seinen Texten eine Welt, die eine eigene Farbgebung aufweist: Moosgrün, leicht türkisches Blattgold, Freitagsgelb und Geborgenheitsfarben.

Zu 1.:

Das umlautige Ä wird gemeinhin als Brückenlaut verwendet: Äh… ja. Äh… genau.

Äh: weiß, blassgrau, brückig eben. Eine ähnliche Farbe hat übrigens ein doppeltes Räuspern.

Doch Max Goldt nennt sein Werk Ä ohne h. Ich werde mich hüten, ihn hier zu zitieren. Lieber schnell erklären, wie das Ä aussieht. Doch vorher zum A, denn wer das A sieht, kann auch das Ä beschreiben.

A: blaurot vor einem weißen Hintergrund.

Ä: ist weißblass mit hellblauen Anteilen. Die Punkte (Verniedlichung vermeidbar, nicht wie bei Eichhörnchen…) über dem A sind schwarz mit weißen Kreisen drumherum. Das Ä ist dem Ö ein wenig ähnlich.

Zu 2.:

Ich würde Max Goldt gerne etwas gallensteinfarbenes schenken, denn die Welt, die er erschafft, ist bevölkert von Begriffen, die synästhetisches und universales Glück erzeugen: z. B. „Die Radiotrinkerin„.

Auch würde ich ihm gerne mitteilen, dass ich froh bin, dass er den „Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“ gefunden und benannt hat.  Der Weihnachstmarkt, an dem ich täglich vorbeigehe, ist jedoch der große Markt der Sprache. Da ich nicht bei jedem einzelnen Wort verharren kann, ist es gut, dass die Möglichkeit besteht, auch einmal seitlich an der Ansammlung vorbeizugehen, um ans Ziel zu kommen.

Nun habe ich ihn doch zitiert, welch Frevel, daher zurück zum Ä. Es ist nicht der schönste Buchstabe der Sprache. Er ist aber sehr viel weniger aufdringlich als das bereits erwähnte Ü. Und genau so wenig aufdringlich wie das Ä ist auch die Welt von Max Goldt und hier schließt sich der Kreis von „zu 1“ und „zu 2“.

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