Was der innere Raum braucht.

Es ist Zeit, sich dem inneren Raum zu widmen. Ich habe ihn schon so häufig erwähnt, dass sich eine Verlinkung gar nicht lohnt.

Der innere Raum ist das, was zwischen mir und den Dingen steht. (Und auch zwischen mir und den Menschen, „es steht etwas zwischen uns“, kann ich nur mit „ja“ beantworten). In ihm sammeln sich alle Farben, die aussprechbaren und die unbeschreiblichen, die Geruchserinnerung, die Töne, Texturen, Muster, Aufbauten von künstlich wirkenden Wortgebilden, wie z. B. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Es ist ein äußerst weiter Raum. Doch er ist nicht immer laut. Er ist auch nicht immer sichtbar – oft genug ist das Außen stärker – ist das Außen atemlos durch die Nacht und sowas.

Synästhesie findet in diesem Raum statt. Während der Arbeit verschwindet sie hinter Stimmen und dem, was in meinem Anfoderungsprofil steht. Der Raum behindert mich nicht in der Ausübung meines Berufes. Synästhesie ist kein Nebel, sondern ist eher so etwas wie ein erweiterter Bewusstseinskanal. Ist eher Licht, ist eher Klarheit, eher hell.

Dennoch ist der innere Raum oft dem Außen untergeordnet, dem, was sich Realität nennt; das Außen (blaurot), ist jedoch kein Feind. Das Außen liefert neue Wortfreunde, neue Laute, die Farben bilden, Farben, die ich im Außen nicht sehen kann. Auch nicht mischen. Sie sind unbeschreibbar, wie Traum.

Und wenn der innere Raum zu klein wird und das Außen zu groß, dann braucht es das Meer oder wenigstens ein Feld. (Es reicht auch manchmal eine Blume oder ein vorstädtisches Industriegebiet). Dann müssen die Augen dort hineinspringen und so lange verharren, bis der innere Raum wieder bereit ist, aufzunehmen und Unerschöpfliches zu produzieren.

Und wenn gerade kein Meer oder wenigstens ein See zur Verfügung stehen, dann genügt auch schon der Blick in den Himmel, der ist ja ein verlässlicher Begleiter durch den Tag. (Oder ein Blick in die bereits erwähnten Lücken zwischen Bäumen oder zwischen Schornsteinen, denn dieses Nichts ist das Alles, ist die Form, ist der Raum).

Synästhesie ist kein Nebel.
Synästhesie ist kein Nebel.
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