Service an die Leserschaft: Wie Du in meinem Kalender aussiehst

Meine beste Freundin bat mich, etwas aufzuschreiben, was ich ihr einmal gesagt habe: Wie es aussieht, wenn ich sie treffen werde.

Nehmen wir einmal an, ich treffe sie an einem Freitag. Um 16 Uhr. Bei mir.

Freitag ist ein eigelbfarbener (hartgekocht!!) Tag mit hellblauen Flecken und schwarzen Schatten. 16 Uhr sieht sesamknäckebrotfarben aus. Dieses bestimmte Braun mit mehlhellen Gruben. Nicht zu verwechseln mit dem vollkornknäckebrotfarbenen Samstag.

Meine beste Freundin hat einen Namen, der weißsilber ist, aber nicht so gedämpft und bieder wie beim Sonntag (auch ohne dessen Dauerwelle). Ihr Name beginnt mit J und das ist sehr dominant (leicht grau), der Rest des Wortes verschwindet gen hinten in blauen Wolken, denn sie wird meist abgekürzt. Es gibt noch einen Kosenamen von mir für sie, der wäre senfgelb, doch ich will jetzt niemanden verwirren, bleiben wir also beim offiziellen Namen.

Dieser wiederum ist kein sehr außergewöhnlicher Vorname und daher kenne ich noch die ein oder andere J. Doch wenn ich an meine beste Freundin denke, so ist ihr Gesicht in den Buchstaben J eingefügt, und zudem ist der Name noch etwas vertrautglanzvoller. Sie schaut im Profil Richtung Name. Dieser Name steht vor dem Bild was ich von ihr als Person habe. Doch das eilt in einem zweiten Schritt herbei. Eilen trifft es sehr gut, denn da sie sehr sportiv ist, hastet sie mit spagatförmigen Schritten Richtung Name.

Freitag, 16 Uhr, J. treffen. Bei mir.

Bei mir ist gelbgrün, zunächst. Bei mir ist auch mein reales Wohnzimmer.

Nun fügt sich alles wie folgt zusammen: am eigelbfarbenen (wie gesagt, hartgekocht) Freitag, mit dunklen Gruben und hellblauen Flecken sitzt am Nachmittag das sesamknäckefarbene 16 Uhr (oder auch das rote 4 Uhr) im grüngelben Beimir, und der weißsilbergraue J-Name steht sittsam daneben. Hatte ich schon erwähnt, das jeder Tag eine Art ovale Schleife ist? Der Nachmittag ist wie bei der Uhr auf der rechten Seite mittig.

Zugleich eilt mein Bild von J. spagatförmig auf den Nachmittag, das 16 Uhr-Feld, ihren eigenen Namen und mein reales Wohnzimmer zu und das Ganze ab dem Moment, in dem das Treffen vereinbart wurde.

Das, was uns ausmacht, das, was wir dann sprechen und das, worüber wir lachen (seltener: weinen) wird hinterher mit dem o. g. Bild verwoben. Zukunft wird Erinnerung und wenn J. diese letzten Worte liest, wird sie sagen: ach Gott, bist du immer sentimental, ich kann damit ja nicht so umgehen – – und deswegen höre ich jetzt auf und lasse sie in ihrem silbergrauen J. mit Spagatschritten auf unseren nächsten Termin zulaufen (Sonntag, 13 Uhr). 13 Uhr ist  dann liebegelb, der Rest ist bekannt.

Nachtrag: ich habe das Freitagsgelb gefunden. Es ist die Farbe der Tür auf dem folgenden Foto. Hartgekochtes Eigelb ist jedoch deutlich schneller zu schreiben als: das Gelb einer Tür einer Gasse in Weimar, als die Sonne genau darauf schien.

Freitagsgelb in Weimar.
Freitagsgelb in Weimar.
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