Ein Text über das Schmecken, in dem das Wort schmecken überdurchschnittlich häufig vorkommt, daher zur Info vorab: es ist lachsfarben.

Es gab in den 80ern einen Radiosprecher, der eine Stimme hatte, die nach Zwieback schmeckte. Es gab zur selben Zeit auch eine Nachrichtensprecherin, deren Stimme nach Zwieback schmeckte.

Ob sich die beiden kannten? Ob sie vor und während der Nachrichten Zwieback zu sich nahmen, dazu roten Tee? Das waren Fragen, die ich mir stellte, während ich mich zugleich wunderte, dass so erwachsen klingende Menschen in das kleine schwarze Radio hineinpassen sollten. Und – konnte es wirklich sein, dass in allen benachbarten Haushalten die gleichen Zwiebackpersonen im Radio zur gleichen Zeit sitzen? Viel Grübeln und intensiv in die Löcher des Radiolautsprechers starren führte dazu, dass mir zunehmend klar wurde: das kann so nicht sein! Magisches Denken, adieu, hier wird jemand 7 und weiß Bescheid!

Stimmen, die nach Zwieback schmecken, sind wundervoll anzuhören. Es gibt auch Stimmen, die nach Milchreis schmecken. Das sind weiche Frauenstimmen, etwas leise (aber nicht so, dass es aggressiv macht, nein, eher sanftleise, freundlich). Sie haben nicht alle Apfelmus dabei, manche eher Dosenpfirsiche, manche lediglich Zimt und Zucker.

Zwiebackstimmen klingen prägnanter und nach geballter Kompetenz, sie können nachfragen und bedingungslos auch Übles in die Welt vermitteln.

Milchreisstimmfrauen werden zum Glück nicht Radiosprecherin. Dafür schmecken ihre Stimmen zu prachtsanft. Sie werden eher tätig in Reisebüros, betreiben verwunschene Buchläden oder arbeiten in Änderungsschneidereien. Und das sind aus meiner heutigen, synästhetischen und natürlich vollends erwachsenen Perspektive mit die magischsten Orte der Welt.

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