Verniedlichungen. Das „chen“.

Ich komme nicht umhin, auch einmal über Verniedlichungen zu sprechen. Rein synästhetisch, gewiss. Das Wort Verniedlichungen selbst ist schwarzweiß. Es ist eines der seltenen Wörter, die so klar schwarzweiß sind, nur mit ganz leichten hellgrauen Schattierungen inzwischen den Buchstaben.

-chen: ocker, beige und gräulich.

Das -chen wird höchst selten allein verwendet. Einige Wörter laufen mir vermehrt in letzter Zeit vor die Augen und werden durch das –chen nicht unbedingt attraktiver.

Z. B. Suppe. Suppe für sich ist kein aufregendes Wort, aber grundanständig. Rot, braun, etwas schwarz dabei mit einer leichten Dauerwelle.

Dann gibt es aber viele Leute, die verwandeln diese gute Dame Suppe in etwas orangefades, hell-lahmes. In ein Süppchen. Das Ü überstrahlt die Dauerwelle mit dem funkelnden Orange. Das klingt jetzt aufregender, als es ist. Suppe möchte das möglicherweise gar nicht.

Ein paar eigenständige Wörter sind mit –chen eine feine Sache. Zum Beispiel Eichhörnchen. Milchhörnchen. Das mag daran liegen, dass das Wort „Horn“ einfach nicht besonders schillernd ist (für mich grauschwarzbraun). Hörnchen hingegen weiß mit Punkten und ein ganz bisschen Gold ist dabei.

Püppchen ist für mich die kleine Schwester von Süppchen. Puppe rotschwarzfreundlich, Püppchen hat zwar kein Ü-Orange drinnen, dafür nach hinten heraus ein schwieriges Beige. Köpfchen hat schon seine Nachteile wegen des –pf in der Mitte. Köpfchen ist dennoch hübscher als das triste Kopf (schwarzgrau mit hellbrauner Ponyfrisur). Köpfchen hat einen Grünton dabei, der sehr interessant ist.

Ganz im Gegenteil zur Suppe ist es um ihren Freund Brot bestellt. Dieses dunkelschwarzfarbige Wort hat einen wunderbaren, inzwischen eigenständigen Ableger hervorgebracht. Brötchen ist ein hellgelb-graues leuchtendes Wesen mit einem schwarzen Auge, dessen hellblaugraues Ö einen liebreizenden Kontrast setzt.

Es ist eines meiner Lieblingswörter und verdient eigentlich einen eigenen Text. Brötchen. Brötchen. Brötchen. Hach, Brötchen! Ein Kosename, wesentlich aufregender als die Liebe, wenn sie mit dem -chen verniedlicht wird.

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