Service an die Leserschaft: Tauschverhältnisse.

Eine Leserin fragte mich, ob es auch Tauschverhältnisse gebe in der Synästhesie. Ob es ein Wort gebe, das hübsch anzusehen sei, aber keine gute Bedeutung habe, hätte ich mit „Kack“ und „Klamydien“ ja schon hinreichend beantwortet. Ob dieses aber auch umgekehrt gehe, das heißt, ein hässliches Wort, das aber eine positive Sache betitle. Ja, das gebe es, sagte ich. Zum Beispiel:

Kratzeis. (Kratzeis gibt es genau unter dem Namen meist im Kiosk zu kaufen. Es ist Wassereis (in mehreren Farben) in einem runden Plastikbehälter und dazu gibt es einen Plastiklöffel, mit dem das Eis nach und nach abgekratzt wird.)

Das Wort ist meine Sache nicht.

Kratz: zu viele Konsonanten, die den Rachen verengen und keine Farben durchlassen.

Kratz ist irgendwas Graues.

Eis: ein gelbes Wesen mit einem blauen, augenförmigen Fleck dabei. (Sympathischer im Kontakt mit Vanille-).

Doch was für Geräusche ein Kratzeis erzeugt: Universales Glück! Denn die Geräusche sind so vielen Wörtern ähnlich. Vielen grauweißkrisseligen Wörtern, z. B. Zeitung und Schatz.

Nun wollte sie ja wissen, ob ich nicht ein Wort kenne, das rein von der lexikalischen Bedeutung her etwas nicht so Gutes benenne, und das das Wort „Kratzeis“ ersetzen könne.

Es gibt ein Wort, das synästhetisch gesehen jene Glücksgefühle hervorruft, die zu einem Kratzeis passen. Es ist nicht so atemberaubend wie Gallenstein. Aber es passt hervorragend:

Gastritis. Dunkelblaugrau in der ersten, grauweißkrisselig in der zweiten und dritten Silbe.

Ein „Gastritits“ bitte! Und dann wird munter gekratzt und die Geräusche des Universums vermischen sich mit der Schönheit dieses herrlichen und ach so unterschätzten Wortes.

Doch ich muss die Leserin enttäuschen: umgekehrt passt es leider nicht. Kratzeis – also das Wort wäre ja nun wirklich absurd als Synonym für eine Magenschleimhautentzündung.

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