Betagte Dame Sonntag.

Wie bereits erwähnt ist der Sonntag eine Dame. Weißsilbriggelockt. Leicht floral angehaucht (grau). Die grauen Blumen sind nur bei näherer Betrachtung der grauen Intarsien des Sonntags zu sehen.

Das Weiß ist etwas grauschmutzig, doch edel sieht sie aus: Sonntag.

Wörter haben auch eine geschlechtliche Zuordnung. Sicherlich gibt es laut Duden eine genaue Definition des Wortgeschlechts, die bestimmt dazu führt, dass sich alle besser untereinander verständigen können und es auch eine „korrekte“ Form gibt. Die zu Fehlern führt und Fehler sind gut, denn dann gibt es Bewertungsmaßstäbe und die wiederum führen zu einem Großen und Ganzen, das alle Nerven zu beruhigen scheint. Ich habe schon gesagt: ich passe mich zeitweise gerne dem Konsens der Sprache an.

Doch eigentlich ist Sonntag feminin. Sie ist in die Jahre gekommen und ich kann eine Hand sehen, an der ein grauer Ring ist. Sie ist am Vormittag weißer, strahlender und ihre Dauerwelle glänzt diamanten. Der Nachmittag ist das Knie der betagten Dame und das ist grau.

Es tritt beim Knie das Sonntagsgefühl auf. Und hat Sonntag voher noch mit ihrer beringten Hand einen Tee mit einem Schuss Likör getrunken (sie spreizt dabei den kleinen Finger ab, denn sie ist eine Dame und es ist wirklich nur ein ganz kleiner Schuss Likör), so versinkt sie am Nachmittag in ein kniegraues Tief.

Und sie reißt mich mit hinein in das Tief und der Tee und alles wird bitter, der Likör wirkt auf einmal bizarr und mittendrin kündigt sich schon der Montag an, der wirklich sehr schön aussieht, doch es geht eben nicht nur um Äußeres, die inneren Werte zählen – selbst bei einer Synästhetikerin wie mir.

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