Service an die Leserschaft: wie sehen Wörter aus?

Eine Leserin aus dem medizinischen Bereich interessiert sich dafür, wie ihr persönliches Unwort aussehe. Das Wort ist lexikalisch und semantisch zunächst sehr unästhetisch. Erschwerend kommt hinzu, dass die zweite Silbe des Wortes leider auch aus zweierlei Konsonantenkombinationen besteht, die ein „o“ einkreisen. Das macht es so anstrengend, das Wort zu lieben, geschweige denn, es sich auch nur in Ruhe und ohne erhöhten Puls vor Schreck anzusehen.

Ich möchte es eigentlich keinem zumuten, es sich näher anzuschauen. Doch: manchmal wird das Grauen leichter, wenn ein glasklarer Blick die Schattenseiten erhellt. Dann komm, Du Wort, in meinen hellen, synästhetischen Raum, mache es Dir bequem und vielleicht stellt sich hinterher heraus, dass Du hübsch oder zumindest bemüht darum bist, gut auszusehen. Vielleicht werden wir Freunde, auch wenn ich die düstere Vorahnung habe, dass die Konsonantenkombination hintendran es für immer zwischen uns beiden verdirbt.
So fange ich mit der zweiten Silbe an:

-pfropf:

Der Albtraum. Pfr und pf in einem Wort. Dazwischen ein kurzes, offenes o. Das überhaupt nicht dazu beiträgt, den Raum zwischen den Konsonantenclustern zu weiten und damit Raum für irgendein schönes Bild zu geben.

Pr und pf sind wie das Wort „Verstopfung“. Es gibt nichts Schönes an Verstopfung. Ein „pf“ im Wort dazu ein kurzes „o“ ergibt ein unsinnliches Verengen der Sinne. Elefantengrau irgendwie, ja, aber auch viel schwarz und in der Mitte ein Knoten.

Wer macht sowas?

Zur ersten Silbe.

Schleim:

Schleim ist ein weiches Wort, das dunkelgelbschwarze Anteile mit ein ganz wenig Kaminrot hat, mit einem seriösen S. Schleim ist wesentlich leichter zu bewältigen als die zweite Silbe und hat mit dem sanften m am Schluss fast etwas weich-nettes.

Es wird jedoch von der verstopfungsfarbenen zweiten Silbe in einen tiefen Schlund der Verengung gezogen und verhindert eine lebenslange Freundschaft in dem Kontext.

Haferschleim hingegen: absolut in Ordnung.

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